Tag des offenen Denkmals: BGV Oberberg lädt zur Besichtigung der Villa Kohlgrüber in Gummersbach ein – 2. Führung

Das vehemente Plädoyer von Georg Dehio – ,,Konservieren, nicht restaurieren“ – hat die Denkmalpflege in Deutschland über ein Jahrhundert geprägt. Doch hat es heute noch Wirkung? Folgt die Denkmalpflege heute unbeirrt dem Primat der Originalsubstanz, dem Sein? Welche anderen lnteressenlagen lassen sie von diesem einstmals definierten Königsweg abweichen? Welche Bedeutung haben Nutzungsveränderungen, wirtschaftlicher Druck – oder auch nur mangelndes Interesse der Bürger am echten Denkmal?

Rekonstruktionen ersetzen lange Verlorenes, moderne Materialien lösen historische Baustoffe ab, preiswerte Fertigteile verdrängen traditionelles Handwerk. Nach Dehio ist die Leistung der Denkmalpflege, die Spuren der Geschichte zu bewahren und nicht, Neues alt aussehen zu lassen. lst dieses moderne Verständnis von Denkmalschutz heute noch aktuell? Und sind Denkmalbehörden finanziell und personell ausreichend ausgestattet, um diesen Anspruch umzusetzen und den Bürgern zu vermitteln? (Dr. Alexander Rothkopf)

Der Tag des offenen Denkmals, den die Deutsche Stiftung  Denkmalschutz in diesem Jahr auf den 12. September gelegt hat, steht unter dem Motto „Sein und Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“.

Die Oberbergische Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins lädt Mitglieder und Freunde an diesem Tag zu einer Besichtigung der Villa Kohlgrüber ein, die sich an zentralem Ort unweit des Kreishauses befindet. Das 1929 für den HNO-Arzt Dr. Georg Wilhelm Kohlgrüber (1899-1954) vom Gummersbacher Architekten Heinrich Mühlenweg geplante und gebaute Gebäude sollte repräsentative Wohnräume und eine moderne Arztpraxis enthalten. Das eingeschossige Haus mit seinem imposanten Mansardenwalmdach zeigt auch neobarocke Einflüsse. Nach einem Brand 1941 wurde es wiederhergestellt. Auch nach dem Tod Dr. Kohlgrübers wurden die Praxisräume bis 1994 von verschiedenen Ärzten weitergenutzt.

1981 erwarb der Oberbergische Kreis das Gebäude, seit 1984 steht es unter Denkmalschutz. 1987 entstanden in der nun auch als Verwaltungsgebäude genutzten Villa Büroräume. Zunächst zog die Gemeinsame Kommunale Datenverarbeitung von Oberbergischem und Rhein-Sieg-Kreis ein, danach wurden hier unterschiedliche Dienststellen des Kreises untergebracht. Seit 2017 ist hier die Geschäftsstelle des Zweckverbandes Naturpark Bergisches Land („Bergisches Wanderland“).

Villa Kohlgrüber

Die Villa Kohlgrüber ist ein Musterbeispiel für großbürgerliches städtisches Wohnen im 20. Jh. Die großzügig angelegten Privaträume der Familie mit Herrenzimmer, Halle, Esszimmer und Wintergarten reflektierten die damalige soziale Stellung des Eigentümers. Die Praxisräume befanden sich im Untergeschoß,  die Schlafräume im Obergeschoß. Das Hauspersonal hatte seine Unterkunft in der Mansarde, wo auch Arbeitsräume vorhanden waren. Grundriss und originale Einbauten (Schränke und Heizungsverkleidungen mit Jugendstil-Verzierungen) sind noch fast vollständig erhalten. Trotzdem waren immer wieder Kompromisse nötig, damit das Gebäude in späteren Zeiten den Anforderungen moderner Bürokommunikation genügen konnte. Dabei hat die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz und zeitgemäßer Nutzung den Fortbestand dieses Juwels im Gummersbacher Stadtbild vorbildlich gesichert.

Am Rande bemerkt sei noch, dass Dr. Georg Kohlgrüber auch begeisterter Amateurfunker war und 1937 die Ortsgruppe Gummersbach des heute noch bestehenden Deutschen Amateur-Radio-Clubs gründete.

Die Führung durch die Villa Kohlgrüber (Moltkestr. 26 im Gummersbacher Zentrum) findet am 12. September 2021 um 14:00 Uhr und alternativ um 14:45 Uhr statt. Dafür konnten wir Frau Gabriele Keil-Riegert gewinnen, die Leiterin des Amtes für Immobilienwirtschaft des Oberbergischen Kreises.

Pro Gruppe können 10-15 Personen teilnehmen. Pandemiebedingt gelten die 3-G-Regeln (geimpft, genesen oder getestet (Test nicht älter als 48 Stunden)), während der Führung muss Maske getragen und auf Abstand geachtet werden.

Wenn Sie an einer der Führungen teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte bis zum 5.9.2021 mit Adresse und Telefon-Nr. und gewünschter Uhrzeit bei Harald Meißner (meissner-dieringhausen@t-online.de) an. Die Anmeldungen werden chronologisch erfasst, wir informieren Sie, ob Sie einen Platz auf der Teilnehmerliste gefunden haben.

Neben Frau Keil-Riegert möchten wir an dieser Stelle auch dem Stadt- und Kreis-Archivar Manfred Huppertz herzlich danken. Beide haben uns im Vorfeld mit vielen interessanten Informationen über die Geschichte der Villa und ihre Eigentümer versorgt.

Villa Kohlgrüber – Gummersbach, Moltkestraße