{"id":1051,"date":"2013-05-08T00:36:43","date_gmt":"2013-05-07T22:36:43","guid":{"rendered":"http:\/\/bgv-oberberg.de\/wordpress\/?p=1051"},"modified":"2013-05-08T00:37:21","modified_gmt":"2013-05-07T22:37:21","slug":"unterwegs-im-alten-kreis-waldbrol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=1051","title":{"rendered":"Unterwegs im alten Kreis Waldbr\u00f6l"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/burg_windeck.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/burg_windeck.jpg\" alt=\"burg_windeck\" width=\"200\" height=\"133\" class=\"alignleft size-full wp-image-1052\" \/><\/a>Sprechende Ortsnamen<\/p>\n<p>Einst, da ging es im s\u00fcdlichen Teil des Bergischen Landes holterdipolter \u00fcber Stock und Stein,<\/p>\n<p>von Feld nach Wald,<br \/>\nvon Eichen nach Birken,<br \/>\nvon Hecke nach Dorn,<br \/>\nvon Berg nach Dahl,<br \/>\nvon Schneppenhurth nach Euelsloch,<br \/>\nauch wohl von Katzenbach nach Hasenbach oder Hundhausen,<br \/>\nvon Meiswinkel nach Krahwinkel.<\/p>\n<p>Es gen\u00fcgte, die wunderlichen Ortsnamen zu h\u00f6ren, und man wu\u00dfte , wo man war.<\/p>\n<p>Mitten in der Natur n\u00e4mlich. Und davon ist auch noch einiges \u00fcbriggeblieben, das alle jene Touristen anlocken k\u00f6nnte, die nicht nur den exotischen Reizen ferner Landschaften erliegen .Denn das Gute ist &#8230; in diesem Erholungsgebiet unfern der Rheinschiene und des Ruhrgebietes &#8230; ach so nah.<\/p>\n<p>Die Menschen, welche die Gegend in l\u00e4ngst vergangenen Zeiten besiedelt haben, verewigten ihr Andenken in zahlreichen -ingen und &#8211; inghausen und -hausen-, in -hagen oder roden- Orten, je nachdem aus welcher Richtung sie in das einsame Wald- und Bergland eingedrungen waren und wo sie an irgendeinem geeigneten Ort ihre Zelte aufgeschlagen hatten.<\/p>\n<p>Zahlreich auch die Siefen- und Seifenorte. Die hie\u00dfen Langenseifen, Blasseifen, Ritterseifen, Wolfseifen, Zimmerseifen , Korseifen oder Perseifen, hatten mit der Reinlichkeit wenig zu tun, mehr schon mit dem Wasser.<\/p>\n<p>Eine Sife war im Mittelhochdeutschen, wie uns das W\u00f6rterbuch verr\u00e4t, ein langsamflie\u00dfender sumpfartiger Bach, auch eine von einem solchen Bach durchzogene Bodenstelle. Das Verb gab\u00b4s als sifen in der Bedeutung tr\u00f6pfeln, triefen, und damit sind wir auch schon beim Klima.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/huette_foerderrad.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/huette_foerderrad.jpg\" alt=\"huette_foerderrad\" width=\"97\" height=\"136\" class=\"alignleft size-full wp-image-1054\" \/><\/a>Des Herrgotts Pinkelecke?<\/p>\n<p>Ein Religionslehrer habe ihm gesagt, berichtete ein kleiner Sch\u00fcler, dies sei des Herrgotts Pinkelecke. Stellt man sich darunter eine verlassene und triste \u00fcbelriechende Ecke vor, so beleidigt der blasphemische Spruch \u00fcber das Klima nicht nur die vielen Luftkurorte, sondern auch die munter sprudelnden und pl\u00e4tschernden B\u00e4chlein, die in gro\u00dfer Zahl im sch\u00f6nsten Sommer zu Tal flie\u00dfen, wenn weit und breit kein W\u00f6lkchen am Himmel zu sehen ist .<\/p>\n<p>An solchen nicht seltenen Tagen dehnt sich die bucklige Welt rund um die Silberkuhle, den Bleiberg, den Goldberg und das Hohe W\u00e4ldchen wohlig in der Sonne, drehen die Schwalben ihre Pirouetten, die Lerchen schrauben sich in den \u00c4ther und \u00fcber dem Horizont steigen immer mal wieder die Hei\u00dfluftballons auf, um sich beschaulich in Richtung S\u00fcden treiben zu lassen.<\/p>\n<p>Nicht bestritten werden k\u00f6nnen allerdings gewisse Werte in den Niederschlagstabellen der Wetter\u00e4mter. Dies immer an solchen Tagen, wo die atlantischen Tiefs das nordwestdeutsche Territorium \u00fcberqueren und ihnen dieser oder jener rechtsrheinische Sattel des darunterliegenden Schiefergebirges einen Wassertribut abverlangt. Steigt doch das Gel\u00e4nde vom Rhein her auf eine Ebene zuerst von 300, dann 500 Metern m\u00e4hlich an.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/morsbach_kirche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/morsbach_kirche.jpg\" alt=\"morsbach_kirche\" width=\"137\" height=\"91\" class=\"alignleft size-full wp-image-1055\" \/><\/a>Ein Blick in die Geschichte<\/p>\n<p>Ein wenig versteht man noch heute, warum die sonnenverw\u00f6hnten R\u00f6mer, auch wenn hier und da von R\u00f6merstra\u00dfen die Rede ist, sich einst gar nicht oder nur ungern in diese Regionen verirrten, in die undurchdringlichen W\u00e4lder und S\u00fcmpfe der Sieg- und Sauerl\u00e4nder. Mochte die Barbaren kultivieren, wer wollte. Dass die Kelten da vor ihnen unbedenklicher und weniger empfindlich gewesen waren, bezeugen vielleicht die Namen der B\u00e4che und Fl\u00fcsse im Gefolge von Sieg und Br\u00f6l, die Fluchtburgen und auch mancher fr\u00fche Ortsname , dem kein germanisches Wort zuzuordnen ist. Darunter, wie es scheint, alte Wasser- und Sumpfnamen in gro\u00dfer Zahl.<\/p>\n<p>Von Anfang an reich an Quellen und Wasserl\u00e4ufen, die den M\u00fchlen ihr Auskommen und manchen M\u00fchlenorten bis heute ihren Namen gaben, gesellte sich fr\u00fch auch der Bergbau hinzu mit abbauw\u00fcrdigen Erzvorkommen, die m\u00fchsam erschlossen und in gef\u00e4hrlicher und harter Arbeit abgebaut wurden. Pochwerke, H\u00e4mmer und H\u00fctten entlang der Fl\u00fcsse f\u00fcgten dem vorhandenen Namenbestand weitere hinzu und lie\u00dfen Bauwerke eigener Art entstehen.<\/p>\n<p>Da\u00df das Baumaterial f\u00fcr die Fachwerkbauten aus den einheimischen W\u00e4ldern und f\u00fcr die festen Steinh\u00e4user, Kirchen und Burgh\u00e4user aus den nahen Grauwacke-Steinbr\u00fcchen stammte, kann nicht verwundern. \u00dcberall im Untergrund lagerte ein sandiges, seit dem Devonzeitalter vor 400 Millionen Jahren hart gewordenes r\u00f6tlich- gelbes Sedimentgestein, das in kleinen Steinkuhlen nahe den D\u00f6rfern f\u00fcr den Privatbedarf oder dort, wo es ergiebig war f\u00fcr den Stra\u00dfenbau, in gro\u00dfen Steinbr\u00fcchen abseits der Orte abgebaut wurde. Eingesprengte Kalkkuhlen und Silbervorkommen erweiterten den Vorrat an Bergbau und hinterlie\u00dfen ihre Spuren auch in den Namen.<\/p>\n<p>Wie das Land im Laufe von Jahrmillionen entstand und geformt wurde und warum es ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges ist, hat \u2013 vereinfacht gesagt- mit dem Vorhandensein vor 300-400 Millionen Jahren eines von Devonshire in England bis weit auf den Kontinent in unsere N\u00e4he reichendes Meeres zu tun. Ablagerungen, die aus dem Gebiet des n\u00f6rdlich angrenzenden Kontinents stammten, hinterlie\u00dfen m\u00e4chtige Schichten von Sedimenten, die sp\u00e4ter zu einem fast alpenhohen Gebirge zusammengeschoben und hernach wieder abgetragen wurden. Das Meer blieb nun nur noch durch Str\u00f6me und Fl\u00fcsse pr\u00e4sent, die sich in diese Ebene eingruben. Zugleich erfuhr die Rumpfebene in mehreren Sch\u00fcben eine Hebung, die das Gel\u00e4nde terrassenartig formte und es zugleich den Wirkungen von Wind und Wetter aussetzte. Die aus der Tiefe eindringenden Fl\u00fcssigkeiten kristallisierten und hinterlie\u00dfen manchenorts Erzg\u00e4nge und mineralisches Gestein.<br \/>\nSteinbr\u00fcche, H\u00e4mmer , Gew\u00e4sser und Burgen<\/p>\n<p>Die Anwesenheit der vielen Wasserl\u00e4ufe, abbaubaren Gesteine in den Steinbr\u00fcchen und Erze in den Bergwerken bestimmte bis vor 100 Jahren einen wesentlichen Teil der Wirtschaftst\u00e4tigkeit. Eine weitere Erwerbsquelle bot die Bewirtschaftung der W\u00e4lder und B\u00f6den, die jedoch selten so n\u00e4hrstoffreich waren, dass sich daraus allein eine ertragreiche Landwirtschaft und der Reichtum einer Landschaft entwickelt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Da\u00df das Land anfangs nur d\u00fcnn besiedelt war, verhinderte allerdings nicht, dass sich seit dem fr\u00fchen Mittelalter Grundherrschaften herausbildeten und manches adelige Geschlecht danach trachtete, seine Gebiete stetig zu erweitern. Das waren in der hiesigen Gegend vor allem die Herren von Sayn und Berg, die Denkm\u00e4ler ihrer einstigen Bedeutung hinterlie\u00dfen. Der niedere Landadel, der seinen Besitz sicherheitshalber als Lehen erwarb oder zur\u00fcckerwarb, teilte sich in die Macht und sa\u00df auf Sattelg\u00fctern und in festen Steinh\u00e4usern, die gelegentlich ebenfalls als &#8222;Burg&#8220; bezeichnet wurden.<\/p>\n<p>Ein Geflecht alter Stra\u00dfen bildete sich in Anlehnung an die wenigen gro\u00dfen Durchgangsstra\u00dfen der Region, wozu Br\u00fcderstra\u00dfe, Nutscheidstra\u00dfe und Eisenstra\u00dfe geh\u00f6rten, erst sp\u00e4t aus. Echte Burgen in der Nachbarschaft waren die im 30 j\u00e4hrigen Krieg zerst\u00f6rte Burg Windeck, deren Reste in den letzten Jahren ausgegraben und in erweiterter Form zug\u00e4nglich gemacht wurden, die heute im Kreis Altenkirchen gelegene Wildenburg sowie Schlo\u00df Homburg, das lange Zeit den Grafen von Sayn und denen von Wittgenstein-Berleburg geh\u00f6rte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/herbst_ruhbroelstr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/herbst_ruhbroelstr.jpg\" alt=\"herbst_ruhbroelstr\" width=\"95\" height=\"129\" class=\"alignleft size-full wp-image-1053\" \/><\/a>Voller historischer Erinnerungen sind auch die D\u00f6rfer in der heutigen Gemeinde Reichshof. Das an der alten Br\u00fcderstra\u00dfe gelegene Denklingen bewahrt mit seiner Burg das Erbe der einstigen windeckschen Rentei und der eigenen Verwaltungstraditionen, die Gruben von Wildberg erinnern an die Bergbautraditionen wie auch an die alte M\u00fcnzst\u00e4tte des Mittelalters, das Bauernhofmuseum in Eckenhagen \u00fcberrascht mit der Reichhaltigkeit seiner Sch\u00e4tze ebenso wie der Ort selbst mit seiner Barockkirche und modernen Freizeitangeboten. Morsbach beherbergt mit St.Gertrud eine der \u00e4ltesten romanischen Kirchen der Gegend. Die Verkehrs\u00e4mter der Gemeinden geben \u00fcber all dies und mehr gerne Auskunft, auch im Internet.<\/p>\n<p>Den einstigen Kreis Waldbr\u00f6l, der seit Napoleons Zeiten als franz\u00f6sischer Kanton und dann als preu\u00dfischer Landkreis existierte, gibt es seit 1932 nicht mehr. Er ist, verringert um die Gemeinde Dattenfeld an der Sieg, Teil des gr\u00f6\u00dferen, seit 1975 noch einmal gewachsenen oberbergischen Kreises geworden. Dennoch will es manchmal scheinen, als wenn die alten Beziehungen im S\u00fcden des Oberbergischen zur Sieg hin in den Erinnerungen, den t\u00e4glichen Gewohnheiten und Nachbarschaften immer noch eine Rolle spielten.<\/p>\n<p>Da\u00df die historischen Erinnerungen in der jahrhundertelangen Einheit dieses Gebietes verankert sind, d\u00fcrfte auch dem Touristen sich erschlie\u00dfen, der die historischen Denkm\u00e4ler der Region im Kontakt mit der Natur rund um das Waldgebiet des Nutscheids als Fu\u00df- oder Autowanderer kennenlernt. &#8211; KH.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprechende Ortsnamen Einst, da ging es im s\u00fcdlichen Teil des Bergischen Landes holterdipolter \u00fcber Stock und Stein, von Feld nach Wald, von Eichen nach Birken, von Hecke nach Dorn, von Berg nach Dahl, von Schneppenhurth nach Euelsloch, auch wohl von Katzenbach nach Hasenbach oder Hundhausen, von Meiswinkel nach Krahwinkel. Es gen\u00fcgte, die wunderlichen Ortsnamen zu h\u00f6ren, und man wu\u00dfte ,<span class=\"continue-reading\"> <a href=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=1051\">&#8230; weiterlesen<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1052,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-1051","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-history-tour"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1051","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1051"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1051\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1057,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1051\/revisions\/1057"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1052"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1051"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1051"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1051"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}