{"id":1065,"date":"2013-05-08T00:48:13","date_gmt":"2013-05-07T22:48:13","guid":{"rendered":"http:\/\/bgv-oberberg.de\/wordpress\/?p=1065"},"modified":"2013-07-22T11:05:44","modified_gmt":"2013-07-22T09:05:44","slug":"unterwegs-in-der-alten-herrschaft-homburg-vor-der-mark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=1065","title":{"rendered":"Unterwegs in der alten Herrschaft Homburg vor der Mark"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1066\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/heisterstock.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1066\" class=\"size-full wp-image-1066\" alt=\"Grenzstein nahe Heisterstock . Die neuen Grenzen von 1604 : Ende langer Fehden zwischen Sayn und Berg\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/heisterstock.jpg\" width=\"250\" height=\"161\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1066\" class=\"wp-caption-text\">Grenzstein nahe Heisterstock . Die neuen Grenzen von 1604 : Ende langer Fehden zwischen Sayn und Berg<\/p><\/div>\n<p>Der Beginn einer dauerhaften Besiedelung und erste urkundliche Erw\u00e4hnungen von Orten aus der Region<\/p>\n<p>Von der Sonne nur selten, daf\u00fcr umso h\u00e4ufiger von Regenwolken auf- bzw. heimgesucht, begann die dauerhafte Besiedelung dieses klimatisch nicht eben einladenden Landstriches wohl sp\u00e4ter, als es vielleicht mancher unter seinen heutigen Bewohnern gern s\u00e4he. Dass im Jahre 1131 Papst Innozenz II. dem Kloster St. Cassius in Bonn seine zahlreichen Besitzungen und Eink\u00fcnfte best\u00e4tigte &#8211; darunter die Kirche mit dem gesamten Zehnten in N\u00fcmbrecht, in Wiehl einen Hof, die Kirche und den gesamten Zehnten -, bedeutet freilich f\u00fcr die erw\u00e4hnten Orte, dass sie schon zuvor etliche Zeit existiert haben m\u00fcssen. Zehntleistungen waren n\u00e4mlich nur von bereits florierenden Siedlungen zu erwarten.<\/p>\n<p>Die Entstehung der Herrschaft Homburg und deren Konsolidierung als Zwergstaat<\/p>\n<p>Weltliche Herren, die hierzulande um Macht und Einfluss rangen, waren die Grafen von Sayn und von Sayn-Wittgenstein, die ihre Stammlande im Westerwald bzw. Rothaargebirge hatten. Mit bescheidenem Erfolg bem\u00fchten sie sich seit dem 13. Jahrhundert um Durchsetzung und Ausbau ihrer kleinen Herrschaft Homburg, die im Wesentlichen aus den Kirchspielen N\u00fcmbrecht, Waldbr\u00f6l, Morsbach und seit einem 1385 erfolgten Kauf auch aus der Vogtei Wiehl bestand.<\/p>\n<p>M\u00e4chtige Rivalen hatten die Sayn-Wittgensteiner in den Grafen, seit 1380 Herz\u00f6gen von Berg, die zum H\u00f6hepunkt ihrer Machtentfaltung im 16. Jahrhundert einem Territorienverbund von beachtlicher Gr\u00f6\u00dfe vorstanden. Ein Ausdruck der unklaren Machtverh\u00e4ltnisse war, dass viele Homburger grund- und personenrechtlich an den bergischen Herzog gebunden waren. Eine Zeit h\u00e4ufiger Scharm\u00fctzel, vergeblicher Einigungsversuche und ergebnisloser Prozesse vor dem Reichskammergericht, dem obersten Gericht im Alten Reich, fand 1604 im Siegburger Vergleich ein Ende. Um den Preis einer Abtretung von zwei Kirchspielen an Berg war der Bestand von Homburg gesichert, das nunmehr aus dem Gebiet des heutigen N\u00fcmbrecht und Wiehl bestand. Die prek\u00e4re machtpolitische Gemengelage auf engstem Raum wurde durch konfessionelle Differenzen noch komplizierter. W\u00e4hrend der bergische Herzog und seine Untertanen katholisch geblieben waren, wurde in Homburg 1563 eine lutherische Kirchenordnung eingef\u00fchrt, die 1605 wiederum von einer calvinistischen Kirchenordnung abgel\u00f6st wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_1067\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/homburg1740.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1067\" class=\"size-full wp-image-1067\" alt=\"Die Residenz Homburg  (Radierung um 1740)\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/homburg1740.jpg\" width=\"200\" height=\"126\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1067\" class=\"wp-caption-text\">Die Residenz Homburg<br \/>(Radierung um 1740)<\/p><\/div>\n<p>Ausbau von Schloss Homburg zur Barockresidenz und Bauernaufstand 1699<\/p>\n<p>Der Ausbau von Homburg zu einer Anlage, die unseren heutigen Vorstellungen von einem Schloss entspricht, fand erst im 17. Jahrhundert statt. Die ehrgeizigen Bauma\u00dfnahmen von Vertretern der so genannten Homburgischen Eigendynastie, &#8211; einem Zweig des gr\u00e4flichen Hauses Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der w\u00e4hrend des 30-j\u00e4hrigen Krieges die Herrschaft \u00fcber den Besitz im Oberbergischen an sich gebracht hatte -, \u00fcberstiegen die Finanzkraft des kleinen Landes bei weitem.<\/p>\n<p>1699 entlud sich die Bedr\u00fcckung in einem Aufstand, der neben sozialen auch dynastische Ursachen hatte. Rivalisierende Verwandte des regierenden Grafen taten n\u00e4mlich das ihrige zu einer weiteren Eskalation des Konfliktes zwischen Herrscher und Beherrschten und stachelten zur Rebellion auf. Anf\u00fchrer der Bauern war Henrich B\u00fcttinghausen, Richter aus Wiehl und ehemaliger gr\u00e4flicher Rat. Sowohl der Aufstand selbst wie dessen rasche milit\u00e4rische Niederschlagung verliefen relativ unblutig.<\/p>\n<p>Querelen, Skandale und Reformen des 18. Jahrhunderts<\/p>\n<p>Die an Querelen reiche Zeit der Eigendynastie war zu Ende, als 1743 das Land wieder an die Stammlinie in Berleburg zur\u00fcckfiel. Vom aufgekl\u00e4rt &#8211; absolutistischen Ideal eines obrigkeitlichen Wohlfahrtsstaates mit geordnetem Rechtswesen und moderner B\u00fcrokratie blieb man in Homburg gleichwohl bis zum Ende des Alten Reiches 1806 weit entfernt. Denn die wiederholten Bem\u00fchungen um eine Reform von Schul- und Justizwesen, ebenso wie die wiederholten verkehrspolitischen Initiativen signalisierten Reformwillen letztlich ebenso deutlich wie die Beharrungskraft des Gegebenen ihn unterlief.<\/p>\n<div id=\"attachment_1068\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/nuembrechtkirche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1068\" class=\"size-full wp-image-1068\" alt=\"Ehemalige Schlosskirche im Zentrum von N\u00fcmbrecht\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/nuembrechtkirche.jpg\" width=\"200\" height=\"254\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1068\" class=\"wp-caption-text\">Ehemalige Schlosskirche im Zentrum von N\u00fcmbrecht<\/p><\/div>\n<p>Das Ende der Herrschaft Homburg<\/p>\n<p>Die politische Zeitenwende von 1806 \u2013 von einigen als Untergang des Alten Reiches bedauert, von anderen als Beseitigung der deutschen Kleinstaaterei begr\u00fc\u00dft \u2013 hinterlie\u00df dauerhaft nur den Namen der einstigen Herrschaft. Zun\u00e4chst diente er als Bezeichnung eines Gerichtsverwaltungsbezirks (Canton Homburg), bis heute lebt er fort im Namen eines Kreditinstituts (Sparkasse der Homburgischen Gemeinden). Als selbst\u00e4ndig handelnder Kleinstaat war die Herrschaft Homburg 1806 am Ende angelangt.<\/p>\n<p>Nicht am Ende angelangt ist damit aber nat\u00fcrlich die Geschichte des hier behandelten Raumes. Themen wie Industrialisierung oder NS-Zeit in Oberberg bleiben demnach von der \u201eHistory Tour&#8220; der Oberbergischen Abteilung des BGV zuk\u00fcnftig noch anzusteuern.<\/p>\n<p>U. Melk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beginn einer dauerhaften Besiedelung und erste urkundliche Erw\u00e4hnungen von Orten aus der Region Von der Sonne nur selten, daf\u00fcr umso h\u00e4ufiger von Regenwolken auf- bzw. heimgesucht, begann die dauerhafte Besiedelung dieses klimatisch nicht eben einladenden Landstriches wohl sp\u00e4ter, als es vielleicht mancher unter seinen heutigen Bewohnern gern s\u00e4he. 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