{"id":5588,"date":"2020-09-02T12:47:00","date_gmt":"2020-09-02T11:47:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=5588"},"modified":"2020-09-21T10:51:11","modified_gmt":"2020-09-21T09:51:11","slug":"der-muenzfund-von-weiershagen-ein-relikt-unruhiger-und-schlimmer-zeiten-das-mehr-fragen-als-antworten-aufwirft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=5588","title":{"rendered":"Der M\u00fcnzfund von Weiershagen. &#8211; Ein Relikt unruhiger und schlimmer Zeiten, das mehr Fragen als Antworten aufwirft."},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr Historiker ist es nat\u00fcrlich eine unangenehme Angelegenheit, wenn beim Erforschen einer Begebenheit am Ende mehr Fragen als Antworten auftauchen. Um es aber positiv zu sehen, erlaubt der Raum f\u00fcr Spekulationen aber eben auch viele Denkanst\u00f6\u00dfe. Also nun mal erst zu den Fakten: Am 23. M\u00e4rz 1926 wird vom Maschinenw\u00e4rter Heinrich Brandscheidt bei Rodungsarbeiten einer Holzparzelle s\u00fcd\u00f6stlich von Weiershagen auf\u00b4m Heidol in einer Tiefe von etwa 40 cm ein M\u00fcnzschatz gefunden. Er umfasst 10 Goldm\u00fcnzen und 19 Silberm\u00fcnzen, lose in der Erde. Die M\u00fcnzen stammten aus der Landgrafschaft Hessen, aus Sachsen, aus den Reichsst\u00e4dten N\u00fcrnberg, L\u00fcbeck, Frankfurt, aus Kurtrier und Kurmainz, sowie eine englische M\u00fcnze und 18 Niederl\u00e4ndische Taler. Da die j\u00fcngste M\u00fcnze von 1630 stammt, w\u00fcrde man die Datierung der Vergrabung des M\u00fcnzschatzes in die 1630er Jahre legen, also mitten im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg. Der Grund f\u00fcr die Vergrabung des Schatzes ist somit erkennbar. Unruhige Zeiten. Die Gegend an der unteren Wiehl brachte einige Hammerwerke hervor, wie z.B. die Weiershagener H\u00fctte, die auch sp\u00e4ter als Exporteur von Kanonenrohren nach ganz Westeuropa Bedeutung erlangte. Die wirtschaftlichen Grundlagen f\u00fcr die Erwirtschaftung eines solchen Schatzes waren also gegeben und die Herkunft der M\u00fcnzen gibt R\u00fcckschl\u00fcsse auf weitreichende Handelsbeziehungen. Oder vergrub den Schatz etwa ein Kriegss\u00f6ldner der ihn in den vorangegangen Kriegsjahren zusammengeraubt hatte? Ein Blick in die Fuder-Hafer-Zettel, als erste Steuerliste f\u00fcr die Grafschaft Homburg, die auch gut zwei Generationen vor dem M\u00fcnzschatz datieren, lassen noch keine Einwohner hervorstechen, die mehr Geld zu zahlen haben, denn dort zahlen noch alle den gleichen Steuersatz. 1635 etabliert sich die Eigendynastie der Grafen Sayn-Wittgenstein-Berleburg-Homburg. Ahnte hier vielleicht schon jemand, dass durch das Repr\u00e4sentationsbed\u00fcrfnis des Grafen Ludwig Casimir auf Schloss Homburg in den n\u00e4chsten Jahren eine gr\u00f6\u00dfere Steuerlast auf die Einwohner der kleinen Grafschaft Homburg zukommen w\u00fcrde. Jedenfalls gibt es f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte einige Beschwerden der Einwohner der Herrschaft beim Reichskammergericht \u00fcber die zu hohe Steuerlast. Auch die Pest grassierte in der Gegend, so 1634 bis 1636 im nahen R\u00fcnderoth. So wie wir heute vor den Fernsehnachrichten sitzen und denken, eine Pandemie in China oder Italien ist weit weg, so veranlasste den Besitzer des Schatzes vielleicht die Nachricht, dass in R\u00fcnderoth viele Einwohner an der Pest gestorben sind, mit einem Stoffbeutel auf\u00b4n Heidol loszuziehen und ihn dort zu vergraben. Oder waren es doch kriegerische Durchz\u00fcge im Bergischen oder im Schwarzenbergischen. Denn die Lage des Fundortes ist nur einen Berghang vor der Grenze zur gerade neu etablierten Reichsherschaft Gimborn-Neustadt und auch nicht weit weg zur Grenze des Herzogtums Berg hinter der Hohen Warte. Somit werfen viele Fragen ein Schlaglicht auf die Zeit der Vergrabung. Warum der Besitzer nie dazu kam den Schatz wieder an sich zu nehmen ist nach gut 400 Jahren leider auch nicht mehr zu kl\u00e4ren. Der Vorstand des Geschichtsvereins mit dem Arch\u00e4ologen Dr. Frank Gelhausen und Moritz M\u00fcller aus Bielstein, der die alten Flurkarten und heutige Karten im gleichen Ma\u00dfstab beim Katasteramt besorgt hatte, hat sich zwar nicht auf Schatzsuche begeben, aber auf Schatzfundortsuche. In den Feldern oberhalb der Wiehl, hinter dem Stahlwerk Kind &amp; Co. in Bielstein \u00fcberkam uns zwar der Genius Loci, dazu wurde noch ein Dukaton\/Patagon von den Gouverneuren Albrecht und Isabella 1595-1621, gezeigt, der ebenfalls im Schatzfund vertreten war. Damit es aber nicht wie fr\u00fcher bei Marcel Reich-Ranitzki hei\u00dft: &#8222;Vorhang zu, alle Fragen offen&#8220; wird sich unser Ehrenvorsitzender mit diesem Thema noch eingehender besch\u00e4ftigen und diese Besch\u00e4ftigung wird dann vielleicht in einem Aufsatz f\u00fcr Band 14 der &#8222;Beitr\u00e4ge zur Oberbergischen Gechichte&#8220; m\u00fcnden. Die Tragik der Geschichte ist damit aber noch nicht zu Ende. Der M\u00fcnzfund wurde 1926 nach Schloss Homburg zur Aufbewahrung verbracht und dort 1969 gestohlen. Von ihm fehlt bis heute jede Spur. Nur ein kurmainzer Goldgulden ist erhalten. Er wurde damals an das Landesmuseum in Mainz verkauft, weil er f\u00fcr die Mainzer Geschichte bedeutend war und liegt dort noch heute.<\/p>\n<p>Text: Marcus Dr\u00e4ger, Fotos: Dr. Anna Eiter-Rothkopf<\/p>\n\n        <style type='text\/css'>\n            #gallery-1 {\n                margin: auto;\n            }\n            #gallery-1 .gallery-item {\n                float: left;\n                margin-top: 10px;\n                text-align: center;\n                width: 33%;\n            }\n            #gallery-1 img {\n                border: 2px solid #cfcfcf;\n            }\n            #gallery-1 .gallery-caption {\n                margin-left: 0;\n            }\n            \/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n        <\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-5588 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon portrait'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Albert-u..isabella_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Albert-u..isabella_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Albert-u..isabella_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Albert-u..isabella_1600_x_1200-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Die h\u00e4ufigste M\u00fcnze aus dem Fund Weiershagen: Brabant Albert und Isabella = ein Patagon.\n                <\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200-1024x1022.jpg 1024w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200-768x767.jpg 768w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200-200x200.jpg 200w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200-624x623.jpg 624w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Brabant-Patagon-Rv.Albert-u.-Isabella-_1600_x_1200.jpg 1202w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Brabant Albert und Isabella = ein Patagon, R\u00fcckseite.\n                <\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/05_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/05_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/05_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/05_1600_x_1200-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Fundort des M\u00fcnzschatzes 1926 &#8211; N\u00e4he Weiershagen-Bielstein\n                <\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/04_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/04_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/04_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/04_1600_x_1200-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Am alten Fundort: v.L. 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