{"id":5860,"date":"2021-11-24T21:06:36","date_gmt":"2021-11-24T20:06:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=5860"},"modified":"2021-11-24T21:07:44","modified_gmt":"2021-11-24T20:07:44","slug":"525-jahre-kinderverlobung-auf-schloss-burg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=5860","title":{"rendered":"525 Jahre Kinderverlobung auf Schloss Burg"},"content":{"rendered":"<p>In diesen Tagen j\u00e4hrt sich um 525. Mal die sogenannte Kinderverlobung: Am 25. November 1496 wurde auf Schloss Burg bei Solingen die Verlobung zwischen dem sechsj\u00e4hrigen Klever Erbprinzen Johann und der f\u00fcnfj\u00e4hrigen Erbtochter Maria von J\u00fclich-Berg auf Betreiben ihrer V\u00e4ter und unter Mitwirkung der Landst\u00e4nde (Adel und St\u00e4dte) der beiden F\u00fcrstent\u00fcmer vollzogen. Die Hochzeit der beiden versprochenen F\u00fcrstenkinder fand 1510 in D\u00fcsseldorf statt (Klever Union). 1511 traten sie nach dem Tod Wilhelms IV. gemeinsam die Nachfolge in J\u00fclich-Berg an, 1521 nach dem Tod Johanns II. wurden sie auch Regenten in Kleve-Mark. Es entstanden die Vereinigten F\u00fcrstent\u00fcmer J\u00fclich-Kleve-Berg, zu denen auch die Grafschaften Mark und Ravensberg (Bielefeld) und die Herrschaft Ravenstein an der Maas geh\u00f6rten. Der Territorialbesitz war nicht in sich geschlossen, trotzdem entstand am \u00dcbergang vom Mittelalter zur Neuzeit hier ein Staatsgebilde, das seine Herrscher zu m\u00e4chtigen Landesherrn im Westen des Reiches machte. Gebietsm\u00e4\u00dfig nahm es gro\u00dfe Teile des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen ein.<br \/>\nSeine Nachbarn in der damaligen Zeit waren das reiche Burgund, das nach der Heirat des Erzherzogs Maximilian mit der Erbherzogin Maria in den Einflussbereich der Habsburger kam, das Kurf\u00fcrstentum K\u00f6ln mit dem Herzogtum Westfalen, das die bergischen Landesteile trennte und einrahmte, und das Herzogtum Geldern, das tief in die heutigen Niederlande hineinreichte und schon unter Johanns Vater Zankapfel in der Auseinandersetzung mit den Habsburgern war.<br \/>\nDiese Kriegsz\u00fcge, f\u00fcr das Herzogtum Kleve wenig erfolgreich, und die enormen Kosten der sich an das burgundische Vorbild anlehnenden Hofhaltung hatten die Finanzen in Kleve-Mark zerr\u00fcttet und den Widerstand der Landst\u00e4nde gegen den Landesherrn verst\u00e4rkt. Johann II. musste enorme Zugest\u00e4ndnisse machen und war jetzt in vielen Dingen an die Zustimmung des Adels gebunden. Auch die Versorgung seiner zahllosen Kinder (Beiname: \u201eder Kindermacher\u201c) mit Geld und G\u00fctern verschlang Unsummen. Deswegen kam ihm der Plan einer Union mit dem Nachbarn J\u00fclich-Berg, das wirtschaftlich besser dastand, nicht ungelegen. Beide Herrscher f\u00fcrchteten die habsburgisch-burgundische \u00dcbermacht und wollten deren Expansionsdrang eind\u00e4mmen.<br \/>\nDas inthronisierte Hochzeitspaar verfolgte im Innern wie im \u00c4u\u00dferen eine vorsichtigere Politik. Das Augenmerk Johanns III. (1511\/21-1539) galt neben der Konsolidierung der Staatsfinanzen besonders der Durchf\u00fchrung von Reformen in Verwaltung, Gesellschaft und Religion. In der Kirchenpolitik machte sich die Reformation bemerkbar, die Anf\u00e4nge eines landesherrlichen Kirchenregiments wurden sp\u00fcrbar. Devotio moderna und die Gedankenwelt eines Erasmus von Rotterdam schufen neue Glaubensformen, ohne mit dem Katholizismus zu brechen. Moderne Hof\u00e4mter und Verwaltungsinstitutionen ebneten den Weg in ein effektives Staatswesen. Leider sorgten die eifers\u00fcchtigen St\u00e4ndeinteressen daf\u00fcr, dass jeder Landesteil separat regiert wurde, es gab keine nennenswerten Zentralbeh\u00f6rden. Die einzige Klammer des neuen Staatsgebildes war die Herrscherdynastie. Wie sich zeigte, fielen die Einzelteile nach ihrem Erl\u00f6schen 1609 schnell wieder auseinander und \u00fcberlie\u00dfen anderen Protagonisten das Feld.<br \/>\nMaria von J\u00fclich-Berg, im Wesen strenggl\u00e4ubig, widmete sich der Erziehung ihrer T\u00f6chter, der Erbprinz Wilhelm wurde der Obhut des Humanisten Konrad Heresbach \u00fcbergeben, der schon fr\u00fch dessen Ideen pr\u00e4gte. Als Wilhelm V. (\u201eder Reiche\u201c, 1539-1592) an die Regierung kam, hatten ihn gerade die geldrischen St\u00e4nde zum Nachfolger des verstorbenen Herzogs Karl von Egmond gew\u00e4hlt. F\u00fcr die Herzogt\u00fcmer J\u00fclich-Kleve-Berg h\u00e4tte das zur weiteren Stabilisierung ihrer Machtstellung im Westen beitragen k\u00f6nnen, f\u00fcr Kaiser Karl V. war es allerdings eine massive Bedrohung der habsburgischen Position in den Niederlanden. Zwar schloss Wilhelm B\u00fcndnisse mit Frankreich und England, der Schmalkaldische Bund der protestantischen F\u00fcrsten verwehrte ihm allerdings seine Unterst\u00fctzung. Als Karl begann, Wilhelms Herzogt\u00fcmer zu verw\u00fcsten, musste dieser einlenken. Im Frieden von Venlo (1543) fiel Geldern an Karl, Wilhelm musste katholisch bleiben und in seinen L\u00e4ndern die Reformation bek\u00e4mpfen. Die letztere Bestimmung wurde vom Unterlegenen allerdings kaum beachtet. Wilhelm blieb zwar katholisch, lie\u00df seine T\u00f6chter aber evangelisch erziehen und suchte in seiner Heiratspolitik durchaus protestantische Schwiegers\u00f6hne. Die 1546 mit der Erzherzogin Maria von \u00d6sterreich, einer Nichte Karls V., geschlossene Ehe sollte die Beziehungen zum katholischen Lager festigen. Trotzdem verfolgte Wilhelm eher eine zur\u00fcckhaltende Neutralit\u00e4tspolitik.<br \/>\nMit dem talentierten Erbprinzen Karl Friedrich, \u00fcberzeugter Katholik und auch am Wiener Hof erzogen, glaubte man leichteres Spiel zu haben. Ungl\u00fccklicherweise starb er 1575 mit 19 Jahren w\u00e4hrend einer Reise in Rom an den Pocken: Der Papst hatte ihn zur Feier des Heiligen Jahres als Ehrengast eingeladen und ihn als \u201eVerteidiger des Glaubens\u201c mit Schwert und Hut geehrt.<br \/>\nF\u00fcr die bergischen L\u00e4nder war der Tod des Thronfolgers fatal, sein Bruder Johann Wilhelm, zun\u00e4chst f\u00fcr kirchliche W\u00fcrden vorgesehen, war den weltlichen Herausforderungen und Erwartungen nicht gewachsen und verfiel, m\u00fctterlicherseits vorbelastet, zunehmend in Depressionen und Wahnvorstellungen. 1585 hatte er die Markgr\u00e4fin Jakobe von Baden geheiratet, die fast schon barocke Hochzeitsfeier hatte acht Tage gedauert und die Bedeutung der Vereinigten Herzogt\u00fcmer unter Beweis gestellt.<br \/>\nNach dem Tod Wilhelms und w\u00e4hrend der Regentschaft Jakobes folgte eher eine Zeit der Wirren und Hofintrigen, denen auch die Markgr\u00e4fin zum Opfer fiel. Der Tod Johann Wilhelms bedeutete das Ende der Dynastie in m\u00e4nnlicher Linie, aber die Erben hatten sich schon geeinigt. Brandenburg und Pfalz-Neuburg, beide lutherisch, wollten die L\u00e4nder gemeinsam regieren. Die Habsburger hatten allerdings andere Pl\u00e4ne: Kaiser Rudolf II. lie\u00df das in seinen Augen heimgefallene Reichslehen besetzen und hoffte, es f\u00fcr das Haus Habsburg zu gewinnen. Eine massive milit\u00e4rische Gegenwehr evangelischer F\u00fcrsten f\u00fchrte zum Scheitern des Planes.<br \/>\n1614 wurde die Erbteilung der bergischen L\u00e4nder im Vertrag von Xanten geregelt: Das mittlerweile wieder katholische Pfalz-Neuburg erhielt das Herzogtum J\u00fclich-Berg, Kleve-Mark fiel an das jetzt reformierte Kurf\u00fcrstentum Brandenburg, das hier ein wichtiges Sprungbrett f\u00fcr seinen weiteren Aufstieg zur europ\u00e4ischen Gro\u00dfmacht gewann.<br \/>\nDie Kinderverlobung findet man hautnah auch im Rittersaal von Schloss Burg. Sie wurde hier im Rahmen des Wiederaufbaus (1890-1914) als gro\u00dfformatiges Wandgem\u00e4lde von Prof. Claus Meyer, einem damals sehr bekannten Historienmaler, nachempfunden und hat seitdem unser Bild von diesem f\u00fcr die bergische Geschichte so zentralen Ereignis mitgepr\u00e4gt.<br \/>\nText: Harald Mei\u00dfner<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.schlossburg.de\/schloss-museum\/historie\">https:\/\/www.schlossburg.de\/schloss-museum\/historie<\/a><\/p>\n<p>Foto Wandgem\u00e4lde und Historiennachspiel: Dr. Anna Eiter-Rothkopf, Abbildung Wappen = gemeinfrei aus Wikipedia, Abbildung Schloss Burg: kostenlose-fotos.eu<\/p>\n\n        <style type='text\/css'>\n            #gallery-1 {\n                margin: auto;\n            }\n            #gallery-1 .gallery-item {\n                float: left;\n                margin-top: 10px;\n                text-align: center;\n                width: 33%;\n            }\n            #gallery-1 img {\n                border: 2px solid #cfcfcf;\n            }\n            #gallery-1 .gallery-caption {\n                margin-left: 0;\n            }\n            \/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n        <\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-5860 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/09-Schloss-Burg.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/09-Schloss-Burg-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/09-Schloss-Burg-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/09-Schloss-Burg-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Schloss Burg &#8211; Bildquelle: kostenlose-fotos.eu\n                <\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Kinderverlobung-1496-auf-Burg.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Kinderverlobung-1496-auf-Burg-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Kinderverlobung-1496-auf-Burg-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Kinderverlobung-1496-auf-Burg-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                &#8222;Kinderverlobung&#8220; 1496 auf Schloss Burg\n                <\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_3088.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_3088-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_3088-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_3088-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Historiennachspiel der Kinderverlobung auf Schloss Burg\n                <\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon portrait'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/330px-Gulik-Kleef-Berg_wapen.svg_.png'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/330px-Gulik-Kleef-Berg_wapen.svg_-290x290.png\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/330px-Gulik-Kleef-Berg_wapen.svg_-290x290.png 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/330px-Gulik-Kleef-Berg_wapen.svg_-200x200.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Wappen der Herzogt\u00fcmer J\u00fclich-Kleve-Berg (1538\u20131543) \u2013 oben: Wappenfelder von J\u00fclich, Geldern, Kleve und Berg \u2013 unten: Wappenfelder von Mark, Zutphen und Ravensberg\n                <\/dd><\/dl>\n            <br style='clear: both;' \/>\n        <\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen Tagen j\u00e4hrt sich um 525. 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