{"id":700,"date":"2013-04-09T21:33:00","date_gmt":"2013-04-09T19:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/bgv-oberberg.de\/wordpress\/?p=700"},"modified":"2013-04-09T21:33:00","modified_gmt":"2013-04-09T19:33:00","slug":"nutscheid-in-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=700","title":{"rendered":"NUTSCHEID  IN  NOT?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sprachgeschichtliche Anmerkungen zum Namen des s\u00fcdbergischen H\u00f6henr\u00fcckens<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lage des Nutscheid-H\u00f6henzuges und \u00dcberlieferungen seines Namens<\/strong><\/p>\n<p>N\u00f6rdlich der Sieg erstreckt sich ein Bergr\u00fccken zwischen der Siegburger Bucht und dem Wildenburger Land (Quellgebiet der Bigge und des Wisserbaches). Es handelt sich um einen in variskischer Streichrichtung nach ONO verlaufenden H\u00e4rtlingszug, der \u00f6stlich der Br\u00f6lbachm\u00fcndung bei Hennef (M\u00fcschm\u00fchle) beginnt, s\u00fcdlich des Br\u00f6ltals und \u00fcber die Quelle des Waldbr\u00f6lbaches hinaus weiter in Richtung Rothaargebirge verl\u00e4uft. Er wird in seinem westlichen, fast durchg\u00e4ngig bewaldeten Teil bis s\u00fcdlich Waldbr\u00f6l (H\u00f6he \u201eAuf der Huth\u201c zwischen B\u00fcscherhof und Herfen) Nutscheid genannt. Die Ostgrenze dieses Abschnitts verl\u00e4uft von der H\u00f6he westlich an Krahwinkel und Seifen vorbei, den Osthang des Westerttales einschlie\u00dfend, zur Sieg hin.1) \u00dcberlieferungen seines Namens beziehen sich allerdings bis ins 17. Jh. nur auf den hochgelegenen Abschnitt zwischen Altenherfen und der B256 am alten \u201eWegweiser\u201c s\u00fcdlich Waldbr\u00f6l.2) Im \u201e\u00dcbersichts-Handri\u00df der Gemeinde Altenb\u00f6dingen\u201c von 1827 (Urkatasterkarte) wird zwar die Flur VIII n\u00f6rdlich Hennef-Driesch \u201eNottscheid\u201c genannt; wahrscheinlich ist die Bezeichnung aber erst im 18. Jh. entstanden. Ansonsten taucht der Name in diesen Karten zwischen M\u00fcschm\u00fchle und Ruppichteroth nicht auf.\u00a0<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_701\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-701\" class=\"size-medium wp-image-701\" alt=\" Abb.1: Blick von Norden auf einen Teil des Nutscheidr\u00fcckens     zwischen Euelsheide (l) und Goldberg (r)\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image002-300x134.jpg\" width=\"300\" height=\"134\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image002-300x134.jpg 300w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image002.jpg 612w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-701\" class=\"wp-caption-text\">Abb.1: Blick von Norden auf einen Teil des Nutscheidr\u00fcckens<br \/>zwischen Euelsheide (l) und Goldberg (r)<\/p><\/div>\n<p>Dem H\u00f6henr\u00fccken wird oft die Funktion einer Grenze zugesprochen. Er ist zwar keine Landschaftsgrenze, wohl aber eine markante Wasserscheide. Eine territoriale Grenze war allein das Teilst\u00fcck des Nutscheidkammes zwischen dem Rotscherother Schlag (n\u00f6rdlich Gutmannseichen) und dem \u201eWegweiser\u201c: Dort verlief f\u00fcr etwa 200 Jahre bis zum Siegburger Vergleich von 1604 die \u201estreitige Grenntze\u201c3) zwischen dem Bergischen Amt Windeck und der Sayn-Wittgensteinschen Herrschaft Homburg (das hei\u00dft zwischen den Kirchspielen Dattenfeld und N\u00fcmbrecht), deren Fortsetzung durch das obere Westerttal (Spurkenbach geh\u00f6rte damals noch zum Kirchspiel Dattenfeld) und dann s\u00fcdlich an Sch\u00f6nenbach und Vierbuchen vorbei nach Escherhof f\u00fchrte.4) Selbst Kirchspielgrenzen folgten nicht dem Nutscheidkamm: Gro\u00dfe Teile der Kirchspiele Geistingen, Winterscheid, Waldbr\u00f6l, Morsbach reichen bis heute jeweils \u00fcber den Bergkamm hinaus.<\/p>\n<div id=\"attachment_702\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image004.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-702\" class=\"size-medium wp-image-702\" alt=\"Abb. 2 : Karte des Nutscheid-H\u00f6henr\u00fcckens (1950) \" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image004-300x152.jpg\" width=\"300\" height=\"152\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image004-300x152.jpg 300w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image004.jpg 582w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-702\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2 : Karte des Nutscheid-H\u00f6henr\u00fcckens (1950)<\/p><\/div>\n<p>Wenn wir die\u00fcberlieferten schriftlichen Zeugnisse, d. h. die variantenreichen Schreibungen des Namens Nutscheid heranziehen, um eine urspr\u00fcngliche Lautung und Bedeutung zu erschlie\u00dfen, ergeben sich Schwierigkeiten. In den von mir eingesehenen Dokumenten aus dem 14. bis 18. Jh. (u. a. zu Grenzbegehungen im Bereich des Nutscheid) zeigt sich zun\u00e4chst der bekannt willk\u00fcrliche Gebrauch der Buchstaben \u2013 es gab ja keine verbindliche Rechtschreibung. Zuf\u00e4llige Namen\u00fcberlieferungen sind daher keine sichere Basis, um z. B. Ortsnamen zu erkl\u00e4ren. In 26 mir vorliegenden Nutscheid-Nennungen seit der uns bisher bekannten Erstnennung (1384 \u201eNoutschyt\u201c) sind 19 verschiedene Schreibungen festzustellen. In den folgenden Beispielen bleiben Deklinationsendungen erhalten. Deren pr\u00e4positionale Zusammenh\u00e4nge (z.B. die Begr\u00fcndung der e-Endungen) und der zugeh\u00f6rige Artikel, der seit einigen Jahrzehnten interessante Diskussionen ausgel\u00f6st hat, werden sp\u00e4ter er\u00f6rtert. Nach der o. g. Erstnennung sind u. a. \u00fcberliefert 1464 Nutscheit5), 1570 Notscheide6), 1572 Notschied7) 1572\/75 Notscheidt8), 1582 Noetscheidt, Nutscheide und Nottscheidt9), 1644 Nothscheid10), 1644\/45 Neutscheid11), 1793 Nuttscheid12), 1827 Nottscheid13).<\/p>\n<p>Abb. 2 : Karte des Nutscheid-H\u00f6henr\u00fcckens (1950)<\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Schreibungen seit dem 14. Jh. ergaben sich vor allem, wenn ortsunkundige Protokollanten in ihrer individuellen Lautschrift Namen in einer Form festhielten, die ungef\u00e4hr den von Einheimischen vorgetragenen Namen-Lautungen entsprach. Unterschiedliche Schreibungen entstanden auch, wenn in \u00dcbertragungen und \u00dcbersetzungen alter Schriften Abschreibfehler vorlagen (selbst in den von namhaften Forschern verfassten Transkriptionen), die oft ohne \u00dcberpr\u00fcfung in der Heimatliteratur Eingang fanden. Ver\u00f6ffentlicht wurden in der Regel \u201enormalisierte\u201c Schreibungen, das hei\u00dft, von Eigenheiten der Originaltexte befreite, lesbar gemachte, aber der Vorlage nicht immer genau entsprechende \u201e\u00dcbersetzungen\u201c. Sie sind nur mit Vorsicht verwendbar und werden daher in heutiger wissenschaftlicher Forschung nicht mehr ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>In der Abfolge der Schreibungen ist eine sprachgeschichtliche Entwicklung kaum zu erkennen. Allenfalls k\u00f6nnen im zweiten Namenteil -scheid y und ie noch mittelhochdeutsche \u201eReste\u201c sein, w\u00e4hrend sonst durchg\u00e4ngig bereits das neuhochdeutsche ei \u00fcberliefert ist. Im ersten Teil passen ou, oe und eu aber kaum in eine Entwicklung zur heutigen Lautung und Schreibung. Der h\u00e4ufige Wechsel zwischen kurzem, geschlossenem o und u kann mundartlich bedingt sein; zumindest im oberen Waldbr\u00f6ltal sind die beiden Laute kaum zu unterscheiden (vgl. etwa die dialektale Aussprache der W\u00f6rter \u201ekomm\u201c, \u201eraus\u201c , so auch \u201eNutscheid\u201c). Ansonsten enthalten die \u00fcberlieferten Schreibungen keinen Hinweis auf die nur geringen Unterschiede der im Nutscheid-Umland verbreiteten Mundarten rheinfr\u00e4nkischer Pr\u00e4gung (untere Sieg und Br\u00f6l) inklusive der homburgfr\u00e4nkischen Abweichungen (Waldbr\u00f6l, N\u00fcmbrecht) bzw. auf die moselfr\u00e4nkischen (Windeck, Morsbach) Eigenarten. Sie haben sich im ripuarischen \u00dcbergangsgebiet zwischen dem Nieder- und Oberdeutsch-Fr\u00e4nkischen entwickelt. Voneinander abweichende kleinr\u00e4umige Eigenheiten, die sich zumindest seit dem hohen Mittelalter erhalten haben, entsprechen weitgehend den Kirchspielbereichen.<\/p>\n<p><strong>Etymologische Herkunft und Bedeutung des Namens Nutscheid<\/strong><\/p>\n<p>Was bedeutet nun das zusammengesetzte Wort Nutscheid? Das Bestimmungswort Nut- kann in einer Form entstanden sein, die zuf\u00e4llig dem heutigen Namen gleicht, ohne dass ein Bedeutungszusammenhang besteht. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass es schon in karolingischer Zeit den Namen gab und Lautver\u00e4nderungen in den 600 Jahren bis zur Erstnennung m\u00f6glich waren. Zum Beispiel w\u00e4re Naut- &gt; N\u00f4t sprachgeschichtlich richtig (vgl. got. rau\u00fes &gt; nhd. rot). Bedeutete Naut aber auch Not? Sicher besteht kein Zusammenhang zum griechischen Ursprung der heutigen Nautik. Verst\u00e4ndlich ist nun, dass es zur etymologischen Herkunft des Wortes Nut unterschiedliche Meinungen gibt. Heimatkundler haben in ihren Erkl\u00e4rungsversuchen mehrere Varianten aufgezeigt. Dazu z\u00e4hlen Herleitungen von Genossenschaft, Nutzen, Nuss, Nase, Hangneigung, H\u00f6he, Kerbe14). Dazu k\u00f6nnen sowohl alt- und mittelhochdeutsche als auch niederdeutsche Wurzeln angef\u00fchrt werden (nut, not, nuot, nuz). Eine eindeutige Zuordnung ist aber nicht m\u00f6glich. Beliebt war vor allem die Meinung, dass Nut der Mundart entsprechend Not bedeutet. Dagegen spricht, dass zwischen Ruppichteroth und Waldbr\u00f6l zwar die Dialektlautung \u201en\u00b4ot\u222b\u0259t\u201c15) und auch schon \u201enot\u222be:t\u201c verbreitet ist, dass aber Not (ahd., mhd., mnd. not) wohl immer schon lang und in der Mundart des o. g. Gebietes \u201enu\u0259t\u201c gesprochen wurde und heute noch wird. Ein Zusammenhang mit dem kurz gesprochenen \u201enot\u201c ist daher nicht gesichert. Von wissenschaftlicher Seite her legte man sich nicht fest und verwies auf die unterschiedlichen Schreibungen seit der Erstnennung im Mittelalter, die nicht einmal eine eindeutige alte Lautung erkennen lassen, und auf die verschiedenartigen Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeiten (s.o.). Man verwies darauf, dass auch der Landschaftsname einen viel \u00e4lteren Ursprung haben kann und mit einer nicht mehr erkl\u00e4rbaren Vergangenheit im Dunkel seiner Geschichte verbleibt. Dazu wurden Namen angef\u00fchrt, die nur ortsgebunden erkl\u00e4rbar sind oder auf zuf\u00e4llige Wortsch\u00f6pfungen gallokeltisch bzw. romanisch beeinflusster fr\u00e4nkischer Siedler zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Eindeutig erscheint dagegen das Grundwort -scheit. Zumindest unterscheiden sich die seit dem fr\u00fchen Mittelalter \u00fcberlieferten Schreibungen nicht wesentlich vom heutigen Wort. Das wahrscheinlich urspr\u00fcngliche Schluss-t ist noch im 17. Jh. nachweisbar; im 16. Jh. gibt es aber auch schon dt- und d-Endungen (s.o.). Und doch haben sich immer wieder Schwierigkeiten ergeben, wenn die Deutung des Namens Scheid(t) gefragt war: Die etymologische Erkl\u00e4rung kann sehr leicht in verschiedene Richtungen f\u00fchren. Und dass daraufhin alle drei Geschlechtsw\u00f6rter f\u00fcr den Landschaftsnamen \u201ein Gebrauch\u201c kamen, liegt daran, dass die Bedeutung des strittigen Grundwortes f\u00fcr den zugeh\u00f6rigen Artikel allein ausschlaggebend ist. Dazu die uns bekannten vor- und fr\u00fchmittelalterlichen Quellen: \u00c4lteste \u00dcberlieferung ist im germanischen Sprachbereich das gotische Etymon \u201eskaidan\u201c (Bibel\u00fcberetzung um 370) in der verst\u00e4ndlichen Bedeutung \u201escheiden, trennen\u201c. Im 9. Jh. ist das althochdeutsche Verb \u201eskeidan\u201c nachgewiesen. In dieser fr\u00fchmittelalterlichen Zeit ergab sich schon eine unterschiedliche Schreibung und Bedeutung des Substantivs: 1) M\u00e4nnlich ist ahd. \u201eskeid\u201c (mhd. \u201escheit\u201c, \u201esch\u00eet\u201c, \u201eschiet\u201c) = der Entscheid; z. B. der \u201egro\u00dfe K\u00f6lner Schied\u201c (1258). 2) Weiblich ist ahd. \u201eskeida\u201c (mhd. \u201escheide\u201c) = die Scheide, Trennung (z.B. Wasserscheide). 3) S\u00e4chlich ist ahd. \u201esk\u00eet\u201c (mhd. \u201esch\u00eet\u201c) = das Scheit, abgetrenntes Holzst\u00fcck.<\/p>\n<p>Nachweisbare Bedeutungserweiterungen ergaben seit dem Mittelalter aus den unter 1 und 2 angef\u00fchrten Grundw\u00f6rtern Substantive wie z.B Schiedsmann, ausgeschiedener Besitz, Scheidung, Unterscheidung, Schwertscheide. Schon im \u201eFr\u00fchneuhochdeutschen W\u00f6rterbuch\u201c von Christa Baufeld (1996) gibt es die m\u00e4nnliche Form (1) nicht mehr. Aus 3 entwickelte sich u.a. Scheiterhaufen, Holzschlag, Waldteil sowie, allerdings auf denfr\u00e4nkischen Sprachraum im Rheinland beschr\u00e4nkt und somit f\u00fcr uns wichtig, bewaldeter H\u00f6henr\u00fccken. Auf diese Bedeutung wurde schon im 11. Jh. hingewiesen; in der \u00dcbersetzung einer lateinischen Urkunde hei\u00dft es: \u201eEin gew\u00f6lbter Erdr\u00fccken, den die Bauern scheidt nennen\u201c16). Wichtig ist die Feststellung, dass dieses Wort \u201escheid\u201c (fr\u00fcher \u201escheit\u201c) zumindest im S\u00fcdoberbergischen und an der mittleren Sieg mit s\u00e4chlichem Artikel in der Mundart \u00fcberliefert ist und somit den urspr\u00fcnglichen Zusammenhang best\u00e4tigt. Und dieser Nachweis sollte ernst genommen und verwertet werden. In einer wissenschaftlichen Abhandlung zum Thema \u201eFr\u00e4nkische Ortsnamen\u201c (Haubrichs 1998)17) hei\u00dft es, dass aufgrund sp\u00e4rlicher Schriftrelikte (vor dem 8. Jh.) und Forschungen \u201eindirekte Sprachquellen, wie der Wortschatz der Nachfolgedialekte \u2026 an Wert\u201c gewinnen. Wir sehen das schon daran, dass in alten Dokumenten oft fr\u00fche Mundartformen erkennbar sind, die sich bis heute erhalten haben, w\u00e4hrend heutige Schreibungen, oft volksetymologisch \u00fcberformt, den urspr\u00fcnglichen Namen nicht immer erkennen lassen.18)<\/p>\n<p><strong>Probleme der Artikelzuordnung<\/strong><\/p>\n<p>In den vorliegenden Dokumenten sind bereits deutliche Unsicherheiten im Gebrauch des Geschlechtswortes festzustellen; vor allem in den von ortsunkundigen amtlichen Protokollanten verfassten Texten. Einer gebrauchte 1582 alle drei Artikel, ohne sich festzulegen.9) Vielleicht ist ihm nur der in der s\u00fcdoberbergischen Mundart verbreitete Artikel \u201eet\u201c zugetragen worden, der in bestimmten inhaltlichen Zusammenh\u00e4ngen das s\u00e4chliche \u201edat\u201c vertritt.19) Eine Schwierigkeit ergibt sich aber auch dadurch, dass verschiedentlich das Wort \u201eScheit\u201c im pr\u00e4positionalen Zusammenhang mit Dativ- und Genitivformen(\u201eauf dem\u201c, \u201eam\u201c, \u201edes\u201c usw.) genannt wird und damit sowohl dem m\u00e4nnlichen als auch dem s\u00e4chlichen Geschlecht zugeordnet werden kann. Allein im Bereich der wenigen ausgew\u00e4hlten Nutscheid-\u00dcberlieferungen, die oben angef\u00fchrt sind, wiederholt sich die Pr\u00e4position \u201eauf\u201c (\u201euff, vff, vf\u201c) + \u201edem\u201c f\u00fcnfmal, darunter auch \u201evff dem Notscheide\u201c. Es handelt sich hier also nicht um die weibl. Form Scheide, sondern um die veraltete Dativendung eines m\u00e4nnl. oder s\u00e4chl. Substantivs. Einmal werden \u201emit dem Nuttscheid\u201c und \u201euber das Nottscheidt\u201c genannt.<\/p>\n<p>Diese Probleme werden auch im Zusammenhang mit der Erstnennung des Bergr\u00fccken-Namens deutlich: Mit der \u00dcberlieferung \u201eder Noutschyt\u201c ist von vielen Forschern die fr\u00fcheste und damit besonders wichtige Form verbreitet worden. Daraufhin wurde angenommen, dass in dieser fr\u00fchen Schreibung noch das urspr\u00fcnglich m\u00e4nnliche Geschlecht \u00fcberliefert und vielleicht gesichert sei. Aber das ist falsch! Es geht im vorliegenden Dokument um ein Grundst\u00fcck \u201etuischen der Noutschyt und Probach\u201c20). Damit h\u00e4tten wir den Nachweis, dass der weibliche Artikel gebraucht wurde. Aber auch das ist nicht gesichert: Das Originaldokument ist wahrscheinlich verloren gegangen.21) Es existiert nur eine normalisierte Abschrift, die Redinghovensche Transkription von 1661, in der es hei\u00dft, dass das Originaldokument unvollst\u00e4ndig sei. Es l\u00e4ge dann ein \u00dcbertragungsfehler vor, wenn im Original, wie in vielen Urkunden \u00fcblich, der Artikel als K\u00fcrzel mit nach oben gezogenem Schlussbogen eingetragen w\u00e4re und er in der Transkription auf ein \u201eder\u201c statt auf ein \u201edem\u201c bezogen erschiene.22) Es bleiben daher Zweifel an der vorliegenden Erstnennung.<\/p>\n<p>Wenn diese nicht ganz gekl\u00e4rte Artikelzuordnung und die drei \u201ezur Auswahl\u201c genannten Geschlechter als Belege ausgeklammert werden, taucht in den \u00fcbrigen zwei Dutzend mir vorliegenden, bis ins 19. Jh. reichenden Originalkopien der weibliche Artikel nicht auf, der m\u00e4nnliche einmal. Der s\u00e4chliche Artikel ist zwar nur viermal vertreten; es sind aber auch die restlichen Nennungen, die im Zusammenhang mit \u201eauf dem\u201c usw. stehen, m\u00f6glicherweise nur dieser Form zuzurechnen (s. u.). Es kann zun\u00e4chst festgestellt werden, dass der Artikel \u201edas\u201c f\u00fcr viele Waldgebiete auf Bergr\u00fccken im Bergischen Land seit dem Mittelalter nachgewiesen ist, so von Engels u.a. in \u201eAlte Siedlungs- und Flurnamen\u2026\u201c23) f\u00fcr \u201edas\u201c Remscheid und \u201edas\u201cBurscheid. Allein im s\u00fcdlichsten Teil des Oberbergischen Landes (Gemarkungen Waldbr\u00f6l und Schn\u00f6rringen) sind 1827 in den Urkatasterkarten (s.o.) von 13 Orts- und Flurnamen mit dem Grundwort Scheid vier ohne einen Nominativ-Singular-Artikel \u00fcberliefert, aber neun im Dativzusammenhang (im, aufm usw.). Schon in der Mercatorkarte (1575) ist ein \u00e4hnlicher Artikelnachweis festzustellen: Neben der Schreibung \u201eDas hoigh oder eidt [richtig: endt] weltgen vff dem Notscheidt\u201c (dazu siehe L. Wirths S.63 a.a.O. in Anm. 2) finden wir zehn Namen mit dem Grundwort \u201eSch(e)idt\u201c, davon drei in Verbindung mit \u201eam\u201c bzw. \u201eim\u201c und sieben ohne Artikel. Hier und mehrfach in den alten Katasterkarten taucht vor allem \u201eauf dem Friehscheid\u201c mehrfach auf. Dieses Freischeid (ein Teil des Nutscheid \u00f6stlich Waldbr\u00f6l) wurde im 19. Jh. volksetymologisch in \u201edie Freiheit\u201c umgetauft und \u00fcbernahm dann auch in der Mundart den weibl. Artikel. F\u00fcr das Bett(enhagen)er Scheid und das Leuscheid blieb aber das \u00fcberlieferte s\u00e4chliche Geschlecht in der Mundart (\u201edat, et\u201c) erhalten.<\/p>\n<p><strong>Sprachgeschichtliche Zusammenh\u00e4nge zur Geschlechts- und Bedeutungsbestimmung<\/strong><\/p>\n<p>Wie kam es nun dazu, dass das vom Grundwort \u201e-scheid\u201c ausgehende Geschlechtswort zum Namen \u201eNutscheid\u201c nicht im Zuge der Rechtschreibreformen im 19. Jh. einheitlich \u201erichtig verordnet\u201c wurde, dass vielmehr vereinzelt bereits in der 2. H\u00e4lfte des 19. Jhs. und dann verst\u00e4rkt seit Beginn des 20. Jhs. der unterschiedliche \u201eGebrauch\u201c des Artikels besondere Diskussionen hervorgerufen hat? Lag es daran, dass die unterschiedlichen Geschlechter der Scheidnamen im deutschen Sprachraum noch nicht auf ihre Entstehungs-Eigenart hin untersucht waren? Schien die besondere westdeutsch-fr\u00e4nkische Form \u201edas Scheid\u201c sich nur als eine der landl\u00e4ufigen Sprachweisen erhalten zu haben? War sie daher nicht erw\u00e4hnenswert? Es lag wohl auf wissenschaftlicher Basis keine \u00fcberzeugende Aussage dazu vor, wie in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jhs. die namhaften und auch weitgehend zug\u00e4nglichen Standardwerke zur Namenkunde belegen.<\/p>\n<p>In namenkundlichen Arbeiten Ende des 19. Jhs., die sich auf Westdeutschland beziehen24), werden Orts- und Flurnamen mit dem Grundwort \u201e-scheid\u201c genannt, ohne auf fr\u00fchere Schreibungen einzugehen. Betont wird aber die besondere Verbreitung dieses \u201eecht fr\u00e4nkischen\u201c Wortes zwischen Frankreich und dem Rothaargebirge\/Vogelsberg. Leithaeuser (siehe Anm. 24 a.a.O. S. 80f) gibt unter dem Stichwort \u201escheid, schee, m. und n.\u201c als Bedeutung \u201ejede Art von Scheide oder Grenze, bezogen zun\u00e4chst auf Bergr\u00fccken, Bergw\u00e4lder \u2026[usw.]\u201c an. Er stellt dann aber fest, dass \u201evorwiegend die Bedeutung Wasserscheide\u201c gemeint ist und zeigt damit, wie oberfl\u00e4chlich damals etymologische Voraussetzungen f\u00fcr eine Erkl\u00e4rung unserer Namen \u00fcberpr\u00fcft wurden. In den nahezu 20 dort angegebenen Scheid-Namen taucht die feminine Form nicht auf, nur einmal die maskuline (\u201eder grosse Gr\u00fcnscheid\u201c als Bergwald) und einmal die Neutrum-Form \u201edas Scheid\u201c. Den \u00fcbrigen Namen kann nicht eindeutig der m. oder n. Artikel zugeordnet werden, weil das Grundwort Scheid im pr\u00e4positionalen Zusammenhang genannt wird (vom, am, aufm, im Nutscheid). Damit l\u00e4sst Leithaeuser alle M\u00f6glichkeiten offen \u2013 damals ohne eine sprachgeschichtliche \u00dcberpr\u00fcfung. Und sein Werk war f\u00fcr die folgenden Jahrzehnte richtungweisend. Engels schreibt 1942 (siehe Anm. 23 a.a.O., S. 114), dass die \u201eBedeutung des Ausdrucks Scheid umstritten\u201c sei, setzt aber, vielleicht nicht zuf\u00e4llig, in der Reihe der als m\u00f6glich in Frage kommenden Erkl\u00e4rungen \u201eBergr\u00fccken\u201c an erste Stelle. Den s\u00e4chlichen Artikel nennt er nur im Zusammenhang mit den Ortsnamen Remscheid und Burscheid (s.o.).<\/p>\n<p>In Sprachw\u00f6rterb\u00fcchern aufgef\u00fchrte Nachweise alter Wort\u00fcberlieferungen haben allerdings den Nachteil, dass sie den gesamtdeutschen Sprachraum ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen (so auch A. Bach in seinen umfangreichen namenkundlichen Werken) und daher stammessprachliche Eigenheiten, die sich unterschiedlich entwickelt haben, nur grob erfassen. Das betrifft auch unsere Scheid\/t-Namen, deren H\u00e4ufigkeit im fr\u00e4nkischen Sprachraum zwar genannt, die besondere Bedeutungsentwicklung im sprachgeschichtlichen Zusammenhang aber nicht untersucht und somit nicht ber\u00fccksichtigt wird. Bach25) nennt h\u00f6chste \u201eDichtigkeitszentren\u201c in Westdeutschland (Karte S. 382 zeigt die besonders starke Verbreitung der \u201eSiedlungsnamen auf -scheid\u201c im Nieder- und Oberbergischen Land und westlichen Westerwald). Er diskutiert die verschiedenen Bedeutungen der -scheid-Namen (Grenze, Wasserscheide, H\u00f6henr\u00fccken, ausgeschiedener Besitz) aber ohne deutliche Abgrenzungen aufgrund ihrer etymologischer Entwicklungen. Er beruft sich dabei mehrfach auf P. Vogt (1895; s. Anm. 24), obwohl er dessen fragw\u00fcrdige Aussagen zur Siedlungsgeschichte auch zum Teil erkennt und best\u00e4tigt (z.B. S. 384, \u00a7 620).<\/p>\n<p>Dittmaier stellt 1956 fest26), dass \u201escheid\u201c im Innerbergischen aufgrund der vielen an Bergh\u00e4ngen verbreiteten Siedlungsnamen nicht auf eine Grenze verweist, sondern auf \u201eWasserscheide, Bergr\u00fccken. Weil diese Bergriegel meist bewaldet waren, nahm es [er meint damit wohl die weibliche Form] in zweiter Linie die Bed. \u201aWald, Bergwald\u2019 an.\u201c Er gebraucht nur einmal ein Geschlechtswort in eindeutiger Zuordnung, und zwar die weibliche Form, weil er wohl der Bedeutung Wasserscheide ein gr\u00f6\u00dferes Gewicht zumisst (S. 216). In seinem sp\u00e4teren Beitrag \u201eRheinische Flurnamen\u201c (1963) nennt er unter dem Stichwort \u201eScheid\u201c nicht den m\u00e4nnlichen Artikel. Er vermischt aber in seiner Erkl\u00e4rung des Wortes die s\u00e4chliche mit der weiblichen Form und das auch dann, wenn er die besondere Rolle des Scheid-Namens im rheinischen Raum herausstellt: \u201eGrenze, Scheide, Bergriegel; die letzte Bedeutung d\u00fcrfte wohl die vorherrschende sein. Mit Scheid werden vielfach die bewaldeten (oder ehemals bewaldeten) Erh\u00f6hungen zwischen zwei T\u00e4lern bezeichnet. Von hier geht dann die Bedeutungsverschiebung \u201abewaldete Erh\u00f6hung\u2019 &gt; \u00b4Wald\u2019 aus. Weniger wahrscheinlich ist die Annahme, da\u00df Scheid das aus der Allmende Ausgeschiedene bedeutet habe. Jedenfalls l\u00e4\u00dft sich diese Bedeutung im rheinischen Raum nicht fassen.\u201c Er gibt einen Hinweis auf den \u201eneuen Versuch\u201c, ein keltisches Wort *keitom = Wald, Heide f\u00fcr eine Erkl\u00e4rung heranzuziehen. Solche Versuche, nur konstruierte, das hei\u00dft, nicht belegte Wurzelw\u00f6rter f\u00fcr etymologische Herleitungen anzuf\u00fchren, werden heute wissenschaftlich allenfalls noch in eindeutigen Zusammenh\u00e4ngen anerkannt.27)<\/p>\n<p><strong>Unbegr\u00fcndete Bedeutungsverkn\u00fcpfungen<\/strong><\/p>\n<p>1958 erkennt G. M\u00fcrkens (in: \u201eDie Ortsnamen des Kreises Euskirchen\u201c, S. 48): \u201eIn den Scheid-Namen ist -scheid nur selten Scheide = Grenze, sondern fast immer skeit [gemeint ist sk\u00eet], das in fr\u00e4nkischen Ortsnamen einen Waldteil bedeutet, der aus dem zusammenh\u00e4ngenden Waldbezirk ausgeschieden, abgespalten \u2026 wurde.\u201c Eine Gebietsabgrenzung war der Nutscheidkamm aber nicht (bis auf die o. g. kurze Strecke zwischen dem \u201eHohen W\u00e4ldchen\u201c und der B256 bis 1604): Die Kirchspiel- und Territorialgrenzen (Herrschaft Homburg, \u00c4mter Blankenberg und Windeck) verliefen anders.4) Der Bereich Nutscheid war auch kein ausgegrenztes Waldgebiet, wohl aber ein bewaldeter Bergr\u00fccken und damit auch eine Wasserscheide. Aufgrund dieser Bedeutungs-\u00dcberschneidungen kam dann in der Vergangenheit vielfach zu Kombinationen wie \u201eabgetrennter Bergwald auf einem H\u00f6henr\u00fccken\u201c. F\u00fcr einige Heimatforscher ergab sich damit die M\u00f6glichkeit, Einzelerkl\u00e4rungen zusammenzuf\u00fcgen, um einer Entscheidung f\u00fcr eine bestimmte Deutung des Grundwortes und damit f\u00fcr einen bestimmten Artikel auszuweichen.<\/p>\n<p>Was hat nun dazu gef\u00fchrt, dass im Laufe des 20. Jhs. die Artikel trotz der nachweisbar unterschiedlichen Wortentwicklungen und Bedeutungen vermischt werden? Ein Wissenswandel hat sich nicht ergeben: Neue Forschungserkenntnisse gibt es nicht. Nach wie vor sind in alt- und mittelhochdeutschen Lexika (K\u00f6bler, Lexer) skeida\/Scheide weiblich und sk\u00eet\/sch\u00eet\/Scheit in der beschriebenen Bedeutung unmissverst\u00e4ndlich s\u00e4chlich. Seit fr\u00fchneuhochdeutscher Zeit gibt es die m\u00e4nnliche Form nicht mehr (s. o. Baufeld sowie heutige Rechtschreib- und Etymologische W\u00f6rterb\u00fccher). Die Form \u201eder Nutscheid\u201c ist eine Erfindung des 20. Jhs., die ohne etymologische Begr\u00fcndung entstanden ist und somit einer sprachgeschichtlichen Basis entbehrt, w\u00e4hrend \u201edie Nutscheid\u201c auf einer falschen etymologischen Zuordnung (Scheide) beruht. Es kann also festgehalten werden, dass die weibliche Form bis in die 2. H\u00e4lfte des 19. Jhs. nicht auftaucht (s. u.) und damit auch nicht die Bedeutung \u201eGrenze\u201c, \u201eWasserscheide\u201c. Da es die Form \u201eder Scheid\u201c seit fr\u00fchneuhochdeutscher Zeit nicht mehr gibt, kann f\u00fcr die vielen \u201eoffenen\u201c Artikelzuordnungen die urspr\u00fcnglich \u00fcberlieferte s\u00e4chliche Form in der altfr\u00e4nkischen Bedeutung \u201eBergr\u00fccken\u201c als zutreffend angesehen werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_703\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image006.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-703\" class=\"size-medium wp-image-703\" alt=\"Abb.3: Blick vom Nutscheid in Richtung Rottland und Homburger L\u00e4ndchen\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image006-300x198.jpg\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image006-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image006.jpg 384w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-703\" class=\"wp-caption-text\">Abb.3: Blick vom Nutscheid in Richtung Rottland und Homburger L\u00e4ndchen<\/p><\/div>\n<p>Obwohl damit eine eindeutige Kl\u00e4rung vorliegt, zeigen vor allem Ver\u00f6ffentlichungen der letzten Jahrzehnte weiterhin Verunsicherungen, indem man z.B. auf eine noch ausstehende Festlegung verweist oder einer Zuordnung ausweicht, indem man \u201eder Nutscheidr\u00fccken\u201c, \u201eam Nutscheidhang\u201c, \u201eim Bereich des Nutscheid-H\u00f6henweges\u201c schreibt. Es wird aber auch versucht, aufgrund \u201eneu erforschter\u201c Begr\u00fcndungen das Grundwort zu bestimmen und damit als \u201egekl\u00e4rt\u201c festzulegen \u2013 weitgehend ohne die vorliegenden unterschiedlichen sprachgeschichtlichen Entwicklungen zu ber\u00fccksichtigen. Liegt es nur daran, dass man sich nicht die M\u00fche macht, wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage heranzuziehen? Oder versucht man eine althergebrachte Form zu verdr\u00e4ngen, um Neuem gegen\u00fcber offener zu erscheinen? Einw\u00e4nde gegen die freien Entscheidungen der Heimatkundler und Medien gibt es nicht \u2013 nach wie vor sagen und schreiben sie nach Belieben \u201eihre Artikel\u201c. Im folgenden Versuch, an einigen Beispielen Erkl\u00e4rungen f\u00fcr fehlende und unzureichende oder auch gut \u00fcberlegte und stichhaltige Argumente zur Artikelwahl der Autoren aufzuzeigen, k\u00f6nnen Aussagen zu au\u00dferhalb des derzeitigen Forschungsstandes liegenden Begr\u00fcndungen vielfach nur Mutma\u00dfungen sein.<\/p>\n<p>Die s\u00e4chlichen Lautungen \u201edat\u201c und \u201eet Notschet\u201c schienen wohl schon vor Ende des 19. Jhs. einigen \u201efortschrittlichen\u201c Heimat-Autoren, denen die etymologische Vergangenheit des Namens verst\u00e4ndlicherweise kaum bekannt war (s.u.), eine \u201enur\u201c mundartliche Form zu sein. Im Zuge eines allgemein verbreiteten \u201eEingriffs\u201c des Hochdeutschen in l\u00e4ndliche Sprachtraditionen ist es daher wohl hier und da zu \u00dcberlegungen gekommen, dem H\u00f6henzug den \u201epassenden\u201c Artikel zu geben. Bereits 1863 taucht die weibliche Form auf in dem \u201eVersuch einer statistischen Darstellung des Kreises Waldbr\u00f6l\u201c, den der damalige Landrat Karl Maurer ver\u00f6ffentlichte. In dem Kapitel \u201eAllgemeine Terrainbildung\u201c hei\u00dft es Seite 18 \u201edie s[o] g[enannte] \u201aNutscheid\u2019\u201c. Vielleicht sollte die s\u00e4chliche Mundartform, deren urspr\u00fcngliche Bedeutung er nicht kannte, durch die Vorstellung der neuen Erkl\u00e4rung \u201eWasserscheide\u201c ersetzt werden. M\u00f6glicherweise entstand die Schreibung aber auch, weil der \u201eaus Berlin bestellte\u201c28) Landrat noch nicht ortskundig war und nur zuf\u00e4llig die weibliche Form w\u00e4hlte. Das zeigt sich auch Seite 19, wo er in einer Auflistung einiger B\u00e4che im Kreiss\u00fcden vor deren Namen nach Belieben die Artikel \u201eder\u201c oder \u201edie\u201c setzte, ohne Beachtung eines nieder- oder hochdeutschen Zusammenhangs bzw. einer Dialektform.<\/p>\n<p>In der ersten H\u00e4lfte des 20. Jhs. wurden dann neben dem s\u00e4chlichen Artikel in mehreren Ver\u00f6ffentlichungen sowohl der weibliche als auch der m\u00e4nnliche Artikel verbreitet, ohne dass eine entsprechende Begr\u00fcndung erfolgte. Die Autoren k\u00fcmmerten sich weder um ortsbezogene Kenntnisse noch um sprachgeschichtliche Erkl\u00e4rungen. Vielleicht entsprang ihre \u201eWahl\u201c lediglich der Auffassung, dass der Bergr\u00fccken-Name nur mit einer Wasserscheide zusammenh\u00e4ngen kann, oder der Vorstellung, dass einem m\u00e4chtigen, lang gestreckten, emporragenden H\u00f6henzug nur der m\u00e4nnliche Artikel entsprechen kann. Den s\u00e4chlichen Artikel gebrauchten fast nur noch ortsans\u00e4ssige Heimatkundler, die ihre Mundarttradition bewahren wollten; eine sprachwissenschaftliche Begr\u00fcndung war nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>Erst als nach 1945 in geschichtsbezogenen Fachbereichen verst\u00e4rkt unsere fr\u00fche kulturelle Vergangenheit erforscht wurde, ergaben sich auch genauere Untersuchungen zur sprach- und bedeutungsgeschichtlichen Entwicklung unserer Ortsnamen. Damals war es in den Universit\u00e4tsfachbereichen Sprachwissenschaft, Altgermanistik, Geographie und Volkskunde zumindest im Rheinland eine selbstverst\u00e4ndliche Forschungserkenntnis, dass die im Bergischen Land weit verbreiteten Scheid-Namen sich urspr\u00fcnglich auf bewaldete H\u00f6henr\u00fccken bezogen und daher dort nach wie vor nur in Verbindung mit einem s\u00e4chlichen Geschlechtswort zu sehen sind. Vor 50 Jahren h\u00e4tte sich kein wissenschaftlich orientierter sachkundiger rheinischer Namenforscher vorstellen k\u00f6nnen, dass diese Feststellung einmal nicht mehr beachtet w\u00fcrde. Zum Geographiestudium geh\u00f6rte Siedlungsgeschichte, unumg\u00e4nglich verbunden mit der Erkl\u00e4rung (Herkunft und Bedeutung) unserer Ortsnamen auf sprachwissenschaftlicher Basis. Als \u201eZeitzeuge\u201c in Bonn habe ich den Forschungsstand der weit bekannten Professoren wie Betz, Moser, Weisgerber, Meisen, Troll, Paffen und deren Vermittlung noch in guter Erinnerung. Allerdings blieb die Verbreitung landschaftsbezogener Fachliteratur vielfach auf den entsprechenden Raum beschr\u00e4nkt; und so ist es heute noch: Ein bayerischer Ortsnamenkundler erf\u00e4hrt wohl schwerlich, was sich hinter dem Hinweis auf die vorwiegend zwischen dem nieder- und moselfr\u00e4nkischen Gebiet \u00fcberlieferte besondere Bedeutung des Wortes Scheid verbirgt (s.o. Leithaeuser und Bach). Und der bergische Scheid-Forscher wei\u00df wohl kaum, wie sich der bayerische Ortsname Gscheid etymologisch entwickelt hat und dass die schw\u00e4bische Stadt Neckarsulm aufgrund der verbindlichen Ber\u00fccksichtigung ortsbezogener Nachweise Neckar-sulm zu trennen ist.29)<\/p>\n<div id=\"attachment_704\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image008.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-704\" class=\"size-medium wp-image-704\" alt=\"Abb.4:  Wagen im Festzug 850 Jahre Erstnennung von Waldbr\u00f6l 1981 (Fotos: K. Hamburger)\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image008-300x174.jpg\" width=\"300\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image008-300x174.jpg 300w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image008.jpg 601w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-704\" class=\"wp-caption-text\">Abb.4: Wagen im Festzug 850 Jahre Erstnennung von Waldbr\u00f6l 1981 (Fotos: K. Hamburger)<\/p><\/div>\n<p>Immerhin war damals die Kulturgeographie Deutschlands und damit Ortsnamenkunde im Zusammenhang mit der Siedlungsgeschichte auch ein Thema im Bereich der \u201eAllgemeinen Erdkunde\u201c in der gymnasialen Oberstufe (11. Jahrgang). Das \u00e4nderte sich, als es 1963 in den neuen \u201eErdkunde-Richtlinien\u201c hie\u00df, dass fortan \u201edie Allgemeine Geographie kein gesonderter Unterrichtsstoff\u201c sei und statt Betrachtungen der Vergangenheit verst\u00e4rkt weltweit verbreitete aktuelle Probleme in vertiefender exemplarischer Arbeit zu behandeln w\u00e4ren.30) Dass es das Grundwort Scheid in einer besonderen Bedeutung gibt, erf\u00e4hrt verst\u00e4ndlicherweise seitdem in der Schule kein Abiturient. Die Ortsnamenforschung bewegte sich sehr bald wieder auf dem Stand der fr\u00fchen Jahrzehnte des 20. Jhs.: Dem Wort \u201eScheid\u201c wurden fortan wieder verst\u00e4rkt unterschiedliche Bedeutungen \u201euntergeschoben\u201c, weil vielfach notwendige Vorkenntnisse fehlten. Dementsprechend setzte man vornehmlich die m\u00e4nnliche oder weibliche Artikelform ein.<\/p>\n<p><strong style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\">Unterschiedliche heimatkundliche Perspektiven<\/strong><\/p>\n<p>Nur wenige Darsteller unserer Heimatgeschichte versuchten ihre Wahl zu erkl\u00e4ren. Der Windecker Emil Hundhausen nannte seine Schrift zwar \u201eUnsere Nutscheid\u201c32), weil er im \u201eHeimatschrifttum eine einheitliche Schreibweise\u201c des Artikels vermisse und \u201edie Not\u201c und \u201edie Scheid(e)\u201c f\u00fcr die weibliche Form(!) spr\u00e4chen. Er wurde aber schon in seinem Nachsatz zum Titel r\u00fcckf\u00e4llig, als er das ver\u00e4nderte Heine-Zitat \u201eDenk ich ans Nutscheid in der Nacht \u2026\u201c einsetzte. Auch in seinem Text gebrauchte er \u00fcberwiegend den Artikel \u201edas\u201c; die m\u00e4nnliche Form zog er nicht in Erw\u00e4gung. 1984 entschied sich dagegen H. J. Roth im Heft \u201eNutscheid\u201c1) f\u00fcr den Artikel \u201eder\u201c mit der Begr\u00fcndung: \u201eOb man \u201ader\u2019 oder \u201adie\u2019 sagt, ist nicht eindeutig entschieden. Unter Geographen hat sich \u201ader Nutscheid\u2019 durchgesetzt.\u201c Aber welche Geographen waren es dann, unter denen \u201eder Scheid\u201c verbreitet sein sollte? Es gab damals gen\u00fcgend sachkundige Geographen, die die Form \u201eder Nutscheid\u201c als neue Erfindung ansahen. Es waren auch nicht nur Geologen, die eine m\u00e4nnliche Form verbreiteten, weil sie (nach A. Schumacher) \u201eden Begriff [das Nutscheid zwischen Waldbr\u00f6l und Rotscheroth] erweitert\u201c und \u201eunter \u201ader Nutscheid\u2019 den ganzen H\u00f6henr\u00fccken zwischen Br\u00f6l und Sieg\u201c verstanden haben wollten.33)<\/p>\n<p>Vielleicht haben sich Hundhausen und Roth an unseren Topographischen Karten ausgerichtet, in denen seit 1960 dem Landschaftsnamen \u201eNutscheid\u201c der Artikel \u201eDer\u201c vorangestellt wurde (Blatt Waldbr\u00f6l 1:50000; 1962 auch in den Bl\u00e4ttern 1:25000 Ruppichteroth und Waldbr\u00f6l). Viele Heimatkundler haben in ihren Kartierungen diesen amtlichen Hinweis \u00fcbernommen; z.B. 1986 Osberghaus, der 1951 noch \u201edie Nutscheid\u201c schrieb.33) Es gibt auch einige Geographen und Geologen, die sich f\u00fcr die m\u00e4nnliche Form entschieden haben, z.B. von A. Schlarb (1968)34), H. Grabert (1979 und 1980)35). H\u00e4ufiger wurde aber die weibliche Form gew\u00e4hlt (!), u.a. von M. Richter (1921 und 1926)36), L. Hoos (1936)37), J. Zepp (1968)38), E. Reiner (1972)39). In einigen Ver\u00f6ffentlichungen ist nicht erkennbar, ob die m\u00e4nnliche oder s\u00e4chliche Form gemeint ist: Z.B. schreiben H. Mann\/H. Lucas (1971) S.7040) \u201edes Nutscheid \u2026 und des Leuscheid\u201c; H.J. Gramsch (1978) nennt \u201eNutscheid\u201c und \u201eLeuscheid\u201c ohne Artikel bzw. im Genitiv \u201edes Leuscheid\u201c41). So hei\u00dft es auch in einem \u201eKulturlandschaftlichen F\u00fchrer durch das Siegtal\u201c (1985; S.3 und 45): \u201edes Nutscheid \u2026 und des Leuscheid\u201c bzw. \u201edes Nutscheids\u201c. R. Weimann (1971) nennt mindestens achtzehnmal die H\u00f6henr\u00fccken \u201eNutscheid\u201c und \u201eLeuscheid\u201c, aber nur im Genitiv- (\u201edes\u201c) und Dativzusammenhang (\u201eim\u201c, \u201evom\u201c).42) Vielleicht ist er einer weiteren Entscheidung ausgewichen? Immerhin haben wir den Hinweis, dass diese Autoren nicht den weiblichen Artikel meinen. Von den mir seit 1959 vorliegenden 34 Zeitungsberichten enthalten dagegen 27 die weibliche und 5 die m\u00e4nnliche Form. Zweimal ist nicht feststellbar, ob die m\u00e4nnliche oder die s\u00e4chliche gemeint ist (der grammatische Zusammenhang schlie\u00dft den weiblichen Artikel aus). Zudem tauchen einige Namenverbindungen wie \u201eNutscheidraum\u201c, \u201eNutscheidr\u00fccken\u201c auf.<\/p>\n<p>Andererseits gab es im Bergischen Land aber auch bekannte Heimatforscher, die die hergebrachte s\u00e4chliche Form verteidigten. 1936 hei\u00dft es in A. Schumachers o.g. Beitrag: \u201eDie Einheimischen sagen \u201adas Nutscheid\u2019. \u201aScheid\u2019 ist eine alte s\u00e4chliche Form f\u00fcr das schon im Mittel- und Althochdeutschen weibliche Wort Scheide. Wenn die weibliche Form gebraucht wird, m\u00fcsste unser H\u00f6henr\u00fccken \u201adie Nutscheide\u2019 hei\u00dfen.\u201c43) H\u00e4tte er geschrieben, dass die \u201ealte s\u00e4chliche Form\u201c (mit einem Schluss-t) in der Bedeutung Bergr\u00fccken neben dem weiblichen Wort Scheide existiert, w\u00fcrde seine Formulierung einer damals und bis heute g\u00fcltigen wissenschaftlichen Erkenntnis entsprechen. Auch f\u00fcr O.-E. L\u00f6ttgen (1955)44) ist die Form \u201edas Nutscheid\u201c selbstverst\u00e4ndlich. 1972 wurde von dem orts- und sachkundigen Heimatforscher Gottfried Corbach in seiner \u201eGeschichte von Waldbr\u00f6l\u201c45) die Auffassung ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt, dass nur \u201edas Nutscheid\u201c richtig ist. Er hat sich vehement daf\u00fcr ausgesprochen, dass diese Form auch gebraucht wird. In Waldbr\u00f6l hielt man sich aber lange nicht daran: 1981 und 1987 schrieb der damalige Stadtdirektor \u201edie Wasserscheide der Nutscheid\u201c und nannte somit indirekt seine Begr\u00fcndung f\u00fcr den weiblichen Artikel.46) Auch auf einer Schautafel am Waldbr\u00f6ler Markt hie\u00df es trotz mancher Hinweise \u201edie Nutscheid\u201c. Viele glauben weiterhin dieser Schreibung.<\/p>\n<p>Vielleicht werden aber auch die vereinzelten Hinweise der letzten Jahre zuk\u00fcnftig wieder ber\u00fccksichtigt, dass Landschaftsnamen im sprachgeschichtlichen Zusammenhang zu sehen und entsprechend zu erhalten sind. Z.B. ging S. Holland-Moritz 2008 der \u201ezentralen Fragestellung\u201c nach, \u201ewelche Regelm\u00e4\u00dfigkeiten und Zusammenh\u00e4nge aber auch Besonderheiten bei der Verteilung der Ortsnamen in Deutschland festzustellen sind\u201c, und betonte die Notwendigkeit, sie \u201ehinsichtlich ihrer sprachlichen Form\u201c zu untersuchen, weil die \u201eOrtsnamengeographie tief in die Sprachwissenschaft eingebettet\u201c sei. Er berief sich dabei auf den \u201elinguistischen Forschungszweig \u2026 Sprachgeographie oder Areallinguistik\u201c, der \u201esich mit der Untersuchung sprachlicher Ph\u00e4nomene \u2026 in einem bestimmten Gebiet besch\u00e4ftigt.\u201c47) In einem Zeitungsartikel (\u201eOberbergischen Anzeiger\u201c vom 14.12.07) wurde der Bladersbacher Heinz Schumacher zitiert, der in einem Treffen der f\u00fcr die Bewirtschaftung des Nutscheid Verantwortlichen \u201emit einem gerne gehegten Fehler aufr\u00e4umte: \u201aEs hei\u00dft das Nutscheid, der und die sind falsch.\u2019\u201c Diese Aussage veranlasste K. Hamburger (Waldbr\u00f6l) zu einer Bestandsaufnahme zum Thema \u201eDer Nutscheidkrieg\u201c, die in der \u201eOVZ\u201c am 10.1.08 mit dem Titel \u201eNutscheid: Der, die, das?\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_705\" style=\"width: 285px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image010.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-705\" class=\"size-full wp-image-705\" alt=\"Abb.5: Beispiel f\u00fcr eine willk\u00fcrliche Artikelverwendung in einem Rechercheangebot des Bundesamtes f\u00fcr Kartographie und Geod\u00e4sie, Leipzig unter \u201eNutscheid\u201c (Geodatenbank)\" src=\"http:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/nutscheid_in_not_clip_image010.gif\" width=\"275\" height=\"202\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-705\" class=\"wp-caption-text\">Abb.5: Beispiel f\u00fcr eine willk\u00fcrliche Artikelverwendung in einem Rechercheangebot des Bundesamtes f\u00fcr Kartographie und Geod\u00e4sie, Leipzig unter \u201eNutscheid\u201c (Geodatenbank)<\/p><\/div>\n<p><span style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\">Im Zusammenhang mit den sich daraufhin ergebenden Hinweisen und Anfragen im Hinblick auf eine Kl\u00e4rung bei den f\u00fcr amtliche Kartierungen zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden erfolgte zun\u00e4chst (am 27.3.08) eine Mitteilung des \u201eBundesamtes f\u00fcr Kartographie und Geod\u00e4sie\u201c in Frankfurt, dass \u201enur Sprachwissenschaftler vor Ort kl\u00e4ren\u201c k\u00f6nnten, ob eine \u00c4nderung der Genusform m\u00f6glich ist. Danach w\u00fcrde dann der \u201eSt\u00e4ndige Ausschuss f\u00fcr geographische Namen\u201c (STAGN) entscheiden.48) Es zeigt sich damit, dass seit kurzem eine neue Dimension im Bereich der geographischen Namengebung entstanden ist, weil Standardisierungsstellen auf staatlicher Ebene den Namenbestand und dessen Schreibung festlegen. Nach weiteren R\u00fccksprachen teilte mir am 4.2.10 Herr Oster (\u201eTopographisch-Kartographisches Informationssystem der Bezirksregierung K\u00f6ln\u201c) mit: \u201eNach R\u00fccksprache mit dem Leiter des Katasteramtes des Oberbergischen Kreises \u2026 habe ich entschieden, Ihrem Vorschlag zu folgen und in den topographischen Kartenwerken des Landes Nordrhein-Westfalen k\u00fcnftig den Artikel \u201aDer\u2019 vor dem Namen \u201aNutscheid\u2019 zu entfernen. In gleicher Weise wird der Oberbergische Kreis in Bezug auf die Deutsche Grundkarte 1:5.000 verfahren. Damit bleibt in den amtlichen Karten bis auf Weiteres die Frage offen, mit welchem Artikel der geographische Namen \u201aNutscheid\u2019 zu versehen ist.\u201c<\/span><\/p>\n<p>Damit wurde eine erfreuliche Vereinbarung getroffen, die \u00fcber das S\u00fcdbergische hinaus beachtet werden kann. Mit dem Hinweis auf einen noch abzuschlie\u00dfenden Vorgang zeigt sich aber auch, dass eine Festlegung auf einen Artikel (noch) nicht erfolgt ist. Die vorgesehene Standardisierung geographischer Begriffe ist wohl eine notwendige Ma\u00dfnahme, vor allem auch im Zusammenhang mit einer globalisierenden Sprachverst\u00e4ndigung. Eine solche Normierung geographischer Orts-, Fluss- und Landschaftsnamen kann sich aber nicht durchsetzen, wenn sie sich z. B. bei einer Artikelzuordnung f\u00fcr alle Fluss- und Scheidnamen \u00fcber die jeweilige sprachgeschichtliche Vergangenheit und territoriale Eigenart hinwegsetzt.<\/p>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n1) Hermann Josef Roth verlegt in \u201eNutscheid \u2013 Waldgebiet im Bergischen Land\u201c (\u201eRheinische Landschaften\u201c, H.25, 1984, S.5) mit der dort angegebenen \u201eLinie Hahnenbach \u2013 Niederhausen\u201c diese Grenze zu weit nach Westen. Mit \u201eM\u00fchlenbach\u201c, den es dort nicht gibt, meint er wohl \u201eHahnenbachsiefen\u201c, das aber keinesfalls als Ostgrenze anzusehen ist. Dagegen verlegt Bruno P. Kremer in \u201eDer Nutscheid \u2013 Streifz\u00fcge im mittleren Sieg-Bergland\u201c (\u201eJahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises\u201c, 2000, S.58) diese Grenze zu weit nach Osten in das \u201cbemerkenswert enge Gierzhagener Bachtal\u201c, das sich aber bereits von den Quellgebieten an (Hufen, Schn\u00f6rringen) bis zur M\u00fcndung in die Sieg (in Poche) eher bemerkenswert breit erstreckt und daher keineswegs ein typisches \u201etief eingekerbtes\u201c Nutscheidtal ist. Vielleicht verwechselt er das Gierzhagener Tal mit dem sehr engen Westerttal an der wirklichen Grenze?<br \/>\n2) Der Waldbr\u00f6ler Lehrer Albert Schumacher schreibt in seinem Beitrag \u201eAuf dem Nutscheid\u201c (\u201eOberbergisches Heimatbuch\u201c, 51936; S.52): \u201eDie Anwohner gebrauchen den Namen nur f\u00fcr die scharf ausgepr\u00e4gte Scheide zwischen Waldbr\u00f6l und Rotscheroth.\u201c Bezeichnend f\u00fcr die fr\u00fchere Beschr\u00e4nkung des Namens auf diesen hochgelegenen Abschnitt ist z.B. auch, dass im \u201eLimitenbuch des Amtes Blankenberg\u201c (1644\/45; Hauptstaatsarchiv D\u00fcsseldorf, JB III, 472) unter den sechs dort aufgef\u00fchrten, nach Orts- oder Flurnamen benannten Landwehren, H\u00f6hensperren und Schlagb\u00e4umen im Nutscheid nur die \u00f6stlichste Wehranlage, das hei\u00dft die im hier genannten Bereich liegende, den Namen des Bergr\u00fcckens tr\u00e4gt: \u201eNeutzscheits schlagh\u201c und \u201eNeutscheitz Schlagbaum\u201c. Es war die Goldbergsperre s\u00fcd\u00f6stlich Ruppichteroth, dort, wo die Nutscheidstra\u00dfe die heute noch gut erhaltene Wall-\/Grabenanlage quert. Dazu siehe die Kapitel \u201eWehranlagen zur Grenz-, Stra\u00dfen- und Siedlungssicherung\u201c und \u201eKulturzeugnisse an der Nutscheidstra\u00dfe\u201c (v.a. S.79-81) in L. Wirths, \u201eDie Nutscheidstra\u00dfe, ein Denkmal mittelalterlicher Verkehrsentwicklung zwischen Sieg und Br\u00f6l\u201c, Teil II; in: \u201eBeitr\u00e4ge zur Oberbergischen Geschichte\u201c, Bd. 7, 2000.<br \/>\n3) Zu unserer bekannten Mercatorkarte hie\u00df die \u00dcberschrift urspr\u00fcnglich \u201eGrundtliche Beschreibungh vnd Gelegentheit etlicher streitiger Grenntzen dem Bergischem Ampt Windeck vnd Herschafft Hombergh betreffend. Facta.A0.1575\u201c.<br \/>\n4) Wenn Albert Schumacher schreibt (s.o. Anm.2), dass \u201ebis 1604 das Nutscheid Homburg und Berg schied\u201c; dann meint er diesen \u00f6stlichen Teil des Nutscheidkammes. Er f\u00e4hrt fort: \u201eSeit dem 1.10.1932 trennt es den Oberbergischen Kreis vom Siegkreis\u201c. Das trifft aber nur f\u00fcr den Bereich des Hohen W\u00e4ldchens zu; die Grenze verl\u00e4uft von dort an s\u00fcdlich des Kammes nach Osten. Dazu ausf\u00fchrliche Erl\u00e4uterungen von L. Wirths (s.o. Anm.2); siehe dort das Kapitel \u201eDie Nutscheidstra\u00dfe als Grenze\u201c sowie von K. Hamburger \/ L. Wirths \u201eDie Siegburger Vertr\u00e4ge von 1604\u201c (Heft 4 der \u201eMaterialien und Quellen zur oberbergischen Regionalgeschichte\u201c, 2004).<br \/>\n5) HSTA D\u00fcsseldorf, H U7<br \/>\n6) HSTA D., JBII U117, S.46<br \/>\n7) HSTA D., RKG S36\/171 I, S.57R<br \/>\n8) HSTA D., RKG S36\/171 II, S.11; so auch Mercatorkarte 1575<br \/>\n9) HSTA D RKG G862\/2861, S.109 u. 112<br \/>\n10) Karte Kirchspiel Ruppichteroth (Archiv Stadt Blankenberg, Q1); so auch in der Tranchot-\/v.M\u00fcffling-Karte 1803-20<br \/>\n11) HSTA D., JB III, 472<br \/>\n12) HSTA D., H U7 (Transkription des in Anm.6 genannten Originals)<br \/>\n13) \u00dcbersichts-Handri\u00df Altenb\u00f6dingen (siehe Seite 1)<br \/>\n14) Dazu siehe u.a. H. J. Roth, S.6 (a.a.O. in Anm.1); E. Hundhausen: \u201eUnsere Nutscheid\u201c, (1976?; S.6f); Friedrich Koch \u201eUnsere Orts- und Flurnamen\u201c in \u201eRuppichteroth im Spiegel der Zeit\u201c Bd.III (1988, S.399). Zu grunds\u00e4tzlichen \u201eProblemen der ON-Deutung\u201c siehe z.B. das entsprechende Kapitel in \u201eHanswilhelm Haefs: Handbuch zur Kunde deutschsprachiger Ortsnamen\u201c; 2006, S.60ff.<br \/>\n15) Die im Text verwendeten Zeichen des \u201eInternationalen Lautschriftsystems\u201c sind \u222b (stimmloses sch) und \u0259 (dumpfes, unbetontes e). Nur dann, wenn ein : folgt, wird der Vokal lang gesprochen. Dem betont herausgehobenen Vokal geht ein ` voraus. Die in Zitaten eingef\u00fcgten Passagen [\u2026] sind eigene Erg\u00e4nzungen.<br \/>\n16) Zitiert von Wilhelm Pape (1983) in \u201eSiedlungs- und Heimatgeschichte der Gemeinde Lohmar\u201c, S.87: \u201eDorsum tumentis terrae, quam rustici vocant scheidt\u201c.<br \/>\n17) W. Haubrichs: \u201eFr\u00e4nkische Lehnw\u00f6rter, Ortsnamen und Personennamen im Nordosten der Gallia \u2013 Die \u201aGermania submersa\u2019 als Quelle der Sprach- und Siedlungsgeschichte\u201c (S. 102f) in: \u201eDie Franken und die Alemannen bis \u2026\u201c; Hrsg. D. Geuenich<br \/>\n18) Die alte Dialektaussprache z.B. f\u00fcr Gummersbach weist auf eine -bracht-Endung und f\u00fcr Rosbach auf eine -pe-Endung (apa im Zusammenhang mit Wasser) hin; es sind also keine Bach-Namen. In Sieglar hat sich der seit dem 9. Jh. \u00fcberlieferte Name Lar in der Mundart erhalten, obwohl bereits im 14. Jh. das Bestimmungswort Sieg hinzugef\u00fcgt wurde.<br \/>\n19) Im Sprachfluss wird h\u00e4ufiger \u201e\u0259t\u201c gebraucht; \u201edat\u201c vor allem aber dann, wenn eine besondere Betonung des Substantivs beabsichtigt wird (z.B. \u201ePaul ging \u00fcber \u201a\u0259t\u2019 Scheid, und zwar \u00fcber \u201adat\u2019 Scheid, auf dem Bettenhagen liegt, und nicht \u00fcber \u201a\u0259t\u2019 Nutscheid\u201c). Zu beachten sind auch mundartlich regional begrenzte, vom Hochdeutschen abweichende Geschlechts\u00fcberlieferungen: Z.B. die Bach statt der Bach, das B\u00fchl statt der Buckel, H\u00fcgel (mhd. der buhil, fr\u00fchnhd. der p\u00fchel, buchel), das Hahn statt der Hagen, die Hufen und die Helten mit alten Flexionsendungen gegen\u00fcber das Helzen (&lt; -hain).<br \/>\n20) In meiner ersten heimathistorischen Ver\u00f6ffentlichung (\u201eDie Nutscheidstra\u00dfe \u2026\u201c s.o., Teil I in \u201eBeitr\u00e4ge zur Oberbergischen Geschichte\u201c Bd.6, 1997; S.35) zitierte ich ebenfalls die allgemein bekannte Quelle der Erstnennung. In sp\u00e4teren Aufs\u00e4tzen und Vortr\u00e4gen habe ich auf diesen Irrtum hingewiesen und auch auf meine nur vorsichtige Aussage zum damaligen Genus-Gebrauch des Landschaftsnamens.<br \/>\n21) Der Aufsatz \u201eDas \u00b4frey. Gericht` zu Happerscho\u00df\u201c von A. Jux (in \u201eHeimatbl\u00e4tter des Siegkreises\u201c Nr. 71, 1956, S. 24\u201326) enth\u00e4lt den Text des Weistums und den Hinweis, dass ihn Redinghoven 1661 \u201eaus einer Pergamentrolle im Archiv zu Blankenberg abgeschrieben\u201c habe. Das Originaldokument existiert in Blankenberg nicht mehr. Von der Abschrift hat Jux um 1930 in der M\u00fcnchener Staatsbibliothek (Redinghovensche Handschriftensammlung, Bd. V, S. 249\u2013252) die vorliegende \u00dcbertragung angefertigt.<br \/>\n22) Eine Zeit lang galt f\u00fcr normalisierte \u00dcbertragungen und \u00dcbersetzungen der Hinweis, dass ein nach oben gezogener Sigle-Bogen auf ein ausfallendes r hinweist und eine nach unten f\u00fchrende Schleife auf n oder m. So wird z.B. von P.A. Grun (\u201eSchl\u00fcssel zu alten und neuen Abk\u00fcrzungen\u201c) noch 1966 im Kapitel \u201eDie deutschen Abk\u00fcrzungen\u201c diese Vorstellung vertreten: 1) \u201eAm Wortende steht das H\u00e4kchen f\u00fcr er \u2026 in der Gestalt eines \u2026 nach oben und links zur\u00fcckgezogenen Hakens \u2026[und] begegnet uns noch bis Ende des 17. Jahrhunderts, am l\u00e4ngsten in der Verbindung mit d (=der)\u201c (S.44) mit Beispielen in Abb. 34 (u.a. wer, Herr, Schneider). 2) \u201eF\u00fcr -en wird gern ein vom Endbuchstaben abw\u00e4rts gef\u00fchrter Bogen oder Haken an den letzten Buchstaben angeh\u00e4ngt \u2026 Wir treffen ihn noch im 19. Jahrhundert.\u201c (S.42) Inzwischen hat man erkannt, dass die Schreiber nach eigenem Ermessen die Bedeutung des Schlussbogens festlegten; z.B. wird in der Bergneust\u00e4dter \u201eT\u00fcrkensteuerliste\u201c von 1542\/43 die o.g. \u201eErkenntnis\u201c widerlegt. Trotzdem wurde noch 1999 in einem insgesamt verdienstvollen Werk (H.W. Eckardt \/G. St\u00fcber \/ Th. Trumpp: \u201e\u2019Thun kund und zu wissen jederm\u00e4nniglich\u2019; Pal\u00e4ographie \u2013 Archivalische Textsorten \u2013 Aktenkunde\u201c) wieder ein \u00dcbertragungsfehler verbreitet: In einem Textbeispiel aus dem Jahre 1390 hei\u00dft es dort S. 70 \u201e\u2026mine \u06b5 recht \u06b5 broder\u2026\u201c; die \u00dcbertragung lautet aber \u201eminem rechten broder\u201c mit der Anmerkung \u201eVorlage: rechter\u201c. Es wurde also der Bogen f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr ein ausfallendes -er angesehen.<br \/>\n23) W. Engels: \u201eAlte Siedlungs- und Flurnamen im Bereich des Stadtkreises Remscheid\u201c; in: \u201eZeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins\u201c, Bd. 69, 1942. Dort hei\u00dft es S.145 zum Flurnamen Remscheid (1369): \u201eDer Wald, genannt das Remscheid \u2026 war urspr\u00fcnglich eine [Berg]wald-Bezeichnung, die sp\u00e4ter auf den \u2026 [Ort] \u00fcberging.\u201c So auch S.114: \u201eEine Waldbezeichnung an den H\u00e4ngen des Remscheider Berges.\u201c<br \/>\n24) Zum Beispiel: W. Arnold: \u201eAnsiedelungen und Wanderungen deutscher St\u00e4mme, zumeist nach hessischen Ortsnamen\u201c (1875); Paul Vogt: \u201eDie Ortsnamen auf -scheid und -auel (-ohl). Ein Beitrag zur Geschichte der fr\u00e4nkischen Wanderungen und Siedelungen\u201c (1895) und Julius Leithaeuser: \u201eBergische Ortsnamen\u201c (1901)<br \/>\n25) Adolf Bach: \u201eDeutsche Namenkunde\u201c, Bd.2.2 (\u201eDie deutschen Ortsnamen\u201c), 1954; S. 382ff<br \/>\n26) Heinrich Dittmaier: \u201eSiedlungsnamen und Siedlungsgeschichte des Bergischen Landes\u201c; in: \u201eZeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins\u201c, Bd. 74, 1956; S. 259<br \/>\n27) Zusammenh\u00e4nge dieser Art hat Dittmaier zwar als \u201enicht belegt\u201c (*) gekennzeichnet; er erfindet aber vielfach \u2013 so auch hier \u2013 etymologische Herleitungen, f\u00fcr die es keine sprachgeschichtlichen Hinweise gibt. Es ist zu bedenken, dass zwar sporadische Kelten-Niederlassungen nachgewiesen wurden (z.B. unmittelbar rechtsrheinisch als n\u00f6rdlichste nach heutigem Stand die Wallburg bei Alhausen im Nistertal), dass es aber zu Ber\u00fchrungseinfl\u00fcssen auf die vielleicht 800 Jahre sp\u00e4ter siedelnden Franken und deren besondere Scheid-Bedeutung kam, ist wohl nicht anzunehmen. Allerdings sind uns fast keine keltischen Sprachrelikte rechtsrheinisch bzw. nord\u00f6stlich der Limesgrenze erhalten. Entsprechend benennt z.B. Pfeifer (\u201eEtymologisches W\u00f6rterbuch\u201c) zwar indoeurop\u00e4ische Sprachzusammenh\u00e4nge zum Namen Scheid(t), aber keine keltischen Wurzeln.<br \/>\n28) Otto Budde: \u201eWaldbr\u00f6l \u2013 wie es wurde, was es ist\u201c; 1981; S. 106<br \/>\n29) Der derzeitige Erkl\u00e4rungsstand in \u201eWikepedia\u201c ist entsprechend unzureichend. Zum Ortsnamen Hochneukirchen-Gschaidt (Ndr.\u00d6sterreich) hei\u00dft es: \u201eUrkl. 1316 \u201aGscheid\u2019; die erste Nennung deutet auf die Lage an einer Wasserscheide, einer Grenze bzw. an einem \u00dcbergang hin.\u201c Der Name Neckarsulm bezieht sich nicht auf eine distanzierende Unterscheidung zu Ulm an der Donau, sondern auf seine Lage an der M\u00fcndung der Sulm in den Neckar.<br \/>\n30) \u201eRichtlinien f\u00fcr den Unterricht in der H\u00f6heren Schule \u2013 Erdkunde\u201c, 1963; Seiten IX und 1ff<br \/>\n31) Ohne Erscheinungsort und Jahresangabe. Sein Quellenverzeichnis verweist in die Zeit unmittelbar nach 1975<br \/>\n32) A. Schumacher, S.52 (a.a.O. in Anm.4)<br \/>\n33) Oskar Osberghaus: \u201eDie Entwicklung Bergneustadts unter Einwirkung territorialer und wirtschaftlicher Kr\u00e4fte \u2013 Die Vorgeschichte der Bergneust\u00e4dter Landschaft\u201c in \u201eBergneustadt 1301\/1951\u201c, 1951; S.25<br \/>\nDers.: \u201eDas S\u00fcdbergische in vor- und fr\u00fchgeschichtlicher Zeit \u2013 Kelten als Tr\u00e4ger eisenzeitlicher Kolonisation\u201c in \u201eBeitr\u00e4ge zur Oberbergischen Geschichte\u201c Bd.1, 1986; Karte S.36<br \/>\n34) Schlarb, Auguste: \u201eDie M\u00e4ander im Mittelsiegtal von Ro\u00dfbach bis Alzenbach\u201c in \u201eTopographischer Atlas NRW\u201c, 1968; S.166]<br \/>\n35) Grabert, Hellmut: \u201eErl\u00e4uterungen der Geologischen Karte NRW zu Blatt Waldbr\u00f6l\u201c, 1979; S.127<br \/>\nDers.: \u201eOberbergisches Land zwischen Wupper und Sieg\u201c in \u201eSammlung geologischer F\u00fchrer\u201c Bd.68, 1980; S.125<br \/>\n36) Richter, Max: \u201eUnter- und Mitteldevon im Oberbergischen zwischen Agger und Sieg\u201c in \u201eCentralblatt f\u00fcr Mineralogie, Geologie und Pal\u00e4ontologie\u201c, 1921; S.201<br \/>\nDers.: \u201eUnter- und Mitteldevon im s\u00fcdlichen Oberbergischen\u201c in \u201eZeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft\u201c Jg. 1926; S.76<br \/>\n37) Hoos, Lotte: \u201eDie Oberfl\u00e4chenformen zwischen Agger und Sieg\u201c in \u201eDechenia, 93\u201c, 1936; S.120<br \/>\n38) Zepp, Josef: \u201eDie oberbergische Streusiedellandschaft bei Waldbr\u00f6l\u201c in \u201eTopographischer Atlas NRW\u201c, 1968; S.86<br \/>\n39) Reiner, Ernst: \u201eDas Oberbergische Land s\u00fcdlich der Agger\u201c in \u201eSammlung geographischer F\u00fchrer\u201c Bd.6 (K\u00f6lner Bucht und angrenzende Gebiete), 1972; S.308<br \/>\n40) H. Mann\/H. Lucas: \u201eBonn und der Rhein-Sieg-Kreis\u201c, 1971<br \/>\n41) Gramsch, Heinz-Josef: \u201eDie Entwicklung des Siegtales im j\u00fcngsten Terti\u00e4r und im Quart\u00e4r\u201c, 1978; S.55<br \/>\n42) R. Weimann: \u201eGew\u00e4sser und Landschaft zwischen Sieg und Agger\u201c in \u201eDechania\u2013Beihefte Nr.17\u201c, 1971<br \/>\n43) Siehe in Anm.2 a.a.O. S.52. In der \u201eWaldbr\u00f6ler Zeitung\u201c wurde in einem Textauszug bereits am 5.11.1932 diese Passage ver\u00f6ffentlicht. In dem ihr folgenden Satz hei\u00dft es f\u00e4lschlicherweise \u201eBeim Wandern in der Nutscheid Einsamkeit k\u00f6nnen wir \u2026\u201c. Dass es sich nicht um ein vors\u00e4tzliches Abweichen von der sonst durchg\u00e4ngig belegten s\u00e4chlichen Form handelt, zeigt die Druckfehlerkorrektur in der Buchfassung: \u201e\u2026 in der Nutscheideinsamkeit k\u00f6nnen wir \u2026\u201c.<br \/>\n44) O.E. L\u00f6ttgen: \u201eDie alte \u201aR\u00f6merstra\u00dfe\u2019 in \u201eDer Oberbergische Bote \u2013 Heimatkalender\u201c 1955; S.133<br \/>\n45) Gottfried Corbach: \u201eGeschichte von Waldbr\u00f6l\u201c, 1973<br \/>\n46) Otto Budde: \u201eWaldbr\u00f6l \u2013 wie es wurde, was es ist\u201c,1981, S.92<br \/>\nDers.: \u201cDas Dorf der V\u00e4ter und seine drei \u00e4ltesten Vereine\u201c, 1987, S.12<br \/>\n47) Silvio Holland-Moritz: \u201eDie geographische Verteilung der deutschen Ortsnamen\u201c 2008; S.4<br \/>\n48) Die Mitteilung enthielt noch folgenden Hinweis: \u201eHerr Prof. Liedtke, der sich im St\u00e4ndigen Ausschuss f\u00fcr geographische Namen (STAGN) speziell mit Landschaftsnamen besch\u00e4ftigt, hat mir zum Genus des Wortes Nutscheid Folgendes mitgeteilt: \u2026 Es sei aber darauf hingewiesen, dass Sprachen lebendig sind und Wandlungen unterliegen. Es ist also nicht verwunderlich, wenn sich das Genus im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert. Bei einer Neuauflage der Landschaftnamenkarte werden wir darauf hinweisen, dass es beim Genus mehrere Versionen gibt, etwa so: \u201aNutscheid m, auch n\u2019.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprachgeschichtliche Anmerkungen zum Namen des s\u00fcdbergischen H\u00f6henr\u00fcckens Lage des Nutscheid-H\u00f6henzuges und \u00dcberlieferungen seines Namens N\u00f6rdlich der Sieg erstreckt sich ein Bergr\u00fccken zwischen der Siegburger Bucht und dem Wildenburger Land (Quellgebiet der Bigge und des Wisserbaches). Es handelt sich um einen in variskischer Streichrichtung nach ONO verlaufenden H\u00e4rtlingszug, der \u00f6stlich der Br\u00f6lbachm\u00fcndung bei Hennef (M\u00fcschm\u00fchle) beginnt, s\u00fcdlich des Br\u00f6ltals und \u00fcber<span class=\"continue-reading\"> <a href=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=700\">&#8230; weiterlesen<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-700","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-themenspecial-a-z"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/700","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=700"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":706,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/700\/revisions\/706"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}