{"id":8016,"date":"2025-11-16T20:43:56","date_gmt":"2025-11-16T19:43:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=8016"},"modified":"2025-11-16T20:44:54","modified_gmt":"2025-11-16T19:44:54","slug":"hussah-hussah-erschlagt-den-hund-dr-vera-dinslage-erinnert-an-den-800-todestag-des-engelbert-von-berg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/?p=8016","title":{"rendered":"\u201eHussah, hussah, erschlagt den Hund\u2026\u201c  \u2013 Dr. Vera Dinslage erinnert an den 800. Todestag des Engelbert von Berg"},"content":{"rendered":"<p>Nicht nur auf Annette von Droste-H\u00fclshoff, deren Ballade \u201eDer Tod des Erzbischofs Engelbert von C\u00f6ln\u201c das Zitat in der \u00dcberschrift entnommen ist, hat das gewaltsame Hinscheiden eines der m\u00e4chtigsten Potentaten der Stauferzeit einen gro\u00dfen Eindruck gemacht. Viele Denkm\u00e4ler und Kirchen erinnern bis in unsere Zeit an sein nicht unumstrittenes Wirken. Vielen seiner Zeitgenossen war er wegen seiner kompromisslosen Territorialpolitik, die sowohl bergische wie auch k\u00f6lnische Interessen verfolgte, verhasst. Kaiser Friedrich sah in ihm allerdings eine St\u00fctze seiner Herrschaft im Reich und vertraute ihm Regentschaft und Erziehung des Thronfolgers an.<br \/>\nDr. Vera Dinslage ist frisch promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal, ihr Promotionsthema befasst sich mit Geschichte der Grafen von Berg im Hochmittelalter. In ihrem Vortrag im L&amp;C-Raum der Halle 32 in Gummersbach am 10.11.2025 f\u00fchrte sie vor zahlreichen Zuh\u00f6rern in die Vorgeschichte und den Ablauf der Gevelsberger Bluttat ein, eine anspruchsvolle und gut gemeisterte Aufgabe, ist doch das Verst\u00e4ndnis der damaligen politischen und gesellschaftlichen Realit\u00e4t nicht leicht fassbar, wie interessierte Nachfragen aus dem Publikum zeigten.<br \/>\nDas Opfer und sein \u201eM\u00f6rder\u201c Friedrich von Isenberg waren Verwandte. Engelbert, als nachgeborener Sohn des Grafen Engelbert I. von Berg f\u00fcr die kirchliche Laufbahn vorgesehen, machte in der rheinischen Kirchenhierarchie auch durch Protektion eines weiteren Verwandten im Amt des Erzbischofs schnell Karriere und wurde 1217 dessen Nachfolger auf dem K\u00f6lner Erzstuhl. Damit war er aber nicht nur geistlicher Herr, der in seinem Sprengel viele wichtige Reformen in der Kirchenorganisation anstie\u00df und auch die neuentstandenen M\u00f6nchsorden der Franziskaner, Dominikaner und Zisterzienser tatkr\u00e4ftig f\u00f6rderte. Auch die Idee, in K\u00f6ln einen neuen pr\u00e4chtigen Dom f\u00fcr die Gebeine der Heiligen Drei K\u00f6nige zu bauen, wurde von ihm unterst\u00fctzt.<br \/>\nDaneben war Engelbert aber auch K\u00f6lner Stadtherr, obwohl er dieses Recht massiv gegen den Widerstand der B\u00fcrgerschaft verteidigen musste. Weltliche Herrschaftsbefugnisse leiteten sich auch aus einem Herzogsamt ab, das den K\u00f6lner Erzbisch\u00f6fen 1180 von Friedrich Barbarossa verliehen worden war: Westfalen. Besonders den Ausbau dieser Herrschaft f\u00f6rderte Engelbert mit der Gr\u00fcndung und dem Bau zahlreicher St\u00e4dte (darunter Wipperf\u00fcrth) und Burgen.<br \/>\nMit der Herzogsw\u00fcrde und dem Anspruch auf die Grafschaft Berg nach dem Tod seines \u00e4lteren Bruders Adolf 1218 trat er in zunehmende Konkurrenz zu anderen Herrschern im Westen. Erbin der Grafschaft war eigentlich Adolfs Tochter Irmgard, die mit Heinrich von Limburg, dem Thronerben des einflussreichen Herzogtums an der Maas, verheiratet war. Mit den Herz\u00f6gen von Limburg hatte sich Engelbert immer wieder in Auseinandersetzungen befunden, die er nur mit verwandtschaftlicher Hilfe (Geldern) und wechselnden B\u00fcndnissen (Brabant, Namur) bestehen konnte. Wenn die Grafschaft Berg nun auch noch an Limburg verlorengegangen w\u00e4re, wie das nach Engelberts Tod wirklich geschah, w\u00e4ren die territorialen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten des K\u00f6lner Erzstifts stark eingeschr\u00e4nkt worden.<br \/>\nF\u00fcr die Festigung und den Ausbau der weltlichen Position des Erzbischofs war aber auch das Verh\u00e4ltnis zum Hochadel in seinem Einflussbereich entscheidend. Macht und Einkommen von Grafen und Herren basierten auf G\u00fctern und Rechten, manchmal sehr zerkl\u00fcftet und auch umstritten. Besonders lukrative Einnahmen ergaben sich aus den manchmal \u00fcber lange Zeit ausge\u00fcbten Vogteirechten (Schutz von Kl\u00f6stern vor milit\u00e4rischer Gewalt und Vertretung vor weltlichen Gerichten). Gerade die Vogteirolle des Friedrich von Isenberg zeigt die essentielle Bedeutung dieser Rechte f\u00fcr die V\u00f6gte. Gleichzeitig fasste die Auffassung immer mehr Fu\u00df, dass Rechte und Einnahmen erblich seien und die Schaffung von eigenst\u00e4ndigen Territorialherrschaften bef\u00f6rdern k\u00f6nnten. Diese Einstellung widersprach fundamental den Interessen der Kirche. Die Kurie in Rom verlangte vehement die Entvogtung der Kl\u00f6ster und die \u00dcbernahme des Schutzes und der Vertretung durch Ministeriale der Kirche.<br \/>\nDavon waren in Westfalen viele Adelige betroffen, besonders aber Graf Friedrich von Isenberg, Neffe 2. Grades von Erzbischof Engelbert. Das Haus Altena-Isenberg \u00fcbte u.a. die Vogteirechte \u00fcber die Reichsabteien Essen und Werden an der Ruhr aus. Der Verlust der Rechte h\u00e4tte den Ruin der Grafschaft bedeutet und mit der Weitergabe an die K\u00f6lner Erzbisch\u00f6fe deren Macht und Vorherrschaft an Ruhr, Emscher und Lippe wesentlich gest\u00e4rkt.<br \/>\nAlso befand sich das Land schnell in Aufruhr: Erzbischof Engelbert und die regionalen Herren trafen sich im November 1225 zu Verhandlungen in Soest \u2013 ohne Erfolg, obwohl Engelbert seinem Neffen eine finanzielle Entsch\u00e4digung aus seinem Privatverm\u00f6gen anbot. Die Verhandlungen sollten in K\u00f6ln fortgef\u00fchrt werden, was die Position Engelberts nur gest\u00e4rkt h\u00e4tte.<br \/>\nDer westf\u00e4lische Adel sah die Ausweglosigkeit seiner Lage und hatte wahrscheinlich schon vorher einen Plan B: die Entf\u00fchrung des mit nur kleinem Gefolge reisenden Erzbischofs und die Erpressung einer dem Adel genehmen Vereinbarung. Die Gefangennahme im Hohlweg von Gevelsberg scheiterte, die Situation eskalierte, weil der kampferprobte Erzbischof sich heftig wehrte. Friedrich von Isenberg bezahlte als einziger der R\u00e4delsf\u00fchrer f\u00fcr die T\u00f6tung und wurde ein Jahr sp\u00e4ter in K\u00f6ln hingerichtet.<br \/>\nEngelberts Tod war wohl nicht geplant, trotzdem n\u00fctzte er nicht wenigen davon Betroffenen: Die Herz\u00f6ge von Limburg waren jetzt unangefochten Grafen von Berg, die Erzbisch\u00f6fe von K\u00f6ln statuierten mit der grausamen Hinrichtung Friedrichs auf dem Rad ein warnendes Exempel, der Papst wird den Tod eines engen Verb\u00fcndeten der Staufer auch nicht beklagt haben, zumindest verlief die von K\u00f6ln betriebene Heiligsprechung des Toten im Sande. Die F\u00fcrst\u00e4btissin Adelheid von Essen war mit Friedrich von Isenberg einen l\u00e4stigen Qu\u00e4lgeist losgeworden und konnte ihre eigenen Herrschaftspl\u00e4ne weiterverfolgen. Und auch die Verwandten aus dem Haus Altena-Mark profitierten von ihrer Unterst\u00fctzung des Erzbistums und gliederten gro\u00dfe Teile der Grafschaft Isenberg in ihren Besitz ein.<br \/>\nVerlierer war Graf Friedrich von Isenberg und seine Familie, sie verloren alles. Nur ein kleiner Teil des ehemaligen Besitzes ging nach z\u00e4hen Auseinandersetzungen und mit massiver Unterst\u00fctzung von Friedrichs Schwager Heinrich von Limburg und Berg an Friedrichs Sohn Dietrich. Die Grafschaft Limburg (bei Hagen) blieb zwar unbedeutend, \u00fcberlebte aber ein halbes Jahrtausend und das Erzstift K\u00f6ln um wenige Jahre.<\/p>\n<p>Text: Harald Mei\u00dfner, Fotos: Dr. Anna Eiter-Rothkopf<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Klicken Sie auf das erste Bild, und die Bildergalerie \u00f6ffnet sich mit vergr\u00f6\u00dferten Abbildungen!<\/span><\/p>\n\n        <style type='text\/css'>\n            #gallery-1 {\n                margin: auto;\n            }\n            #gallery-1 .gallery-item {\n                float: left;\n                margin-top: 10px;\n                text-align: center;\n                width: 33%;\n            }\n            #gallery-1 img {\n                border: 2px solid #cfcfcf;\n            }\n            #gallery-1 .gallery-caption {\n                margin-left: 0;\n            }\n            \/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n        <\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-8016 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/01-Einfuehrende-Worte-des-Vorsitzenden-M.-Draeger_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/01-Einfuehrende-Worte-des-Vorsitzenden-M.-Draeger_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/01-Einfuehrende-Worte-des-Vorsitzenden-M.-Draeger_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/01-Einfuehrende-Worte-des-Vorsitzenden-M.-Draeger_1600_x_1200-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Einf\u00fchrende Worte des Vorsitzenden Marcus Dr\u00e4ger\n                <\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/02-Thema-des-Vortrages-von-Dr.-Vera-Dinslage_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/02-Thema-des-Vortrages-von-Dr.-Vera-Dinslage_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/02-Thema-des-Vortrages-von-Dr.-Vera-Dinslage_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/02-Thema-des-Vortrages-von-Dr.-Vera-Dinslage_1600_x_1200-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Thema des Vortrages von Dr. Vera Dinslage\n                <\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/03-Histor-aus-Wpt.-grenzt-das-Territorium-des-Vortr-ab_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/03-Histor-aus-Wpt.-grenzt-das-Territorium-des-Vortr-ab_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/03-Histor-aus-Wpt.-grenzt-das-Territorium-des-Vortr-ab_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/03-Histor-aus-Wpt.-grenzt-das-Territorium-des-Vortr-ab_1600_x_1200-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Die Historikerin aus Wuppertal grenzt das Territorium des Vortrages ab\n                <\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/05-Eine-gut-gefuellter-LC-Saal_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/05-Eine-gut-gefuellter-LC-Saal_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/05-Eine-gut-gefuellter-LC-Saal_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/05-Eine-gut-gefuellter-LC-Saal_1600_x_1200-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n            <\/dt>\n                <dd class='wp-caption-text gallery-caption'>\n                Ein gut gef\u00fcllter L&#038;C-Saal in der Halle 32\n                <\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n            <dt class='gallery-icon landscape'>\n                <a href='https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/04-M.Draeger-dankt-mit-dem-BGV-Jubilaeumsband_1600_x_1200.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"290\" src=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/04-M.Draeger-dankt-mit-dem-BGV-Jubilaeumsband_1600_x_1200-290x290.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/04-M.Draeger-dankt-mit-dem-BGV-Jubilaeumsband_1600_x_1200-290x290.jpg 290w, https:\/\/www.bgv-oberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/04-M.Draeger-dankt-mit-dem-BGV-Jubilaeumsband_1600_x_1200-200x200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>\n         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Viele Denkm\u00e4ler und Kirchen erinnern bis in unsere Zeit an sein nicht unumstrittenes Wirken. 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