Neunkirchen ist seit der Kommunalreform 1969 ein Ortsteil der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid. Erstmals urkundlich im Jahre 1178 erwähnt, geht der Ort aber wohl auf ältere Wurzeln zurück, denn schon in der Mitte des 10. Jh. stattete der Kölner Erzbischof und Kaiserbruder Brun das von ihm gestiftete St. Andreas-Stift mit den hiesigen Abgaben aus. Noch unter bergischer Herrschaft ernannte das Stift bis ins 16. Jh. den Pfarrer der Ortskirche St. Margareta. Deren wuchtiger Kirchturm, nach einem verheerenden Brand nach 1738 erneuert und vergrößert, prägt noch heute das Ortsbild Neunkirchens und steht auch für den starken Einfluss des Katholizismus bis in unsere Tage.
Als die Kirche im 12. Jh. auf einem Vorgängerbau als dreischiffige Pfeilerbasilika errichtet wurde, stach sie schon bald danach durch bemerkenswerte Chormalereien hervor, die sich an der Offenbarung des Johannes orientieren. In der zentralen Kuppel, das Langhaus verfügt nur über eine einfache Balkendecke, steht das Lamm Gottes im Mittelpunkt, das von den Ältesten des Alten und des Neuen Testamentes (Patriarchen und Aposteln) angebetet wird. Cherubim mit ihren mächtigen Flügeln vermitteln zwischen Himmel und Erde, deren Heimsuchungen die vier Apokalyptischen Reiter symbolisieren. In den Querhäusern dominiert(e) die Majestas Domini mit Jesus Christus als Weltenrichter und Erlöser.
Die Malereien wurden erst in den frühen 50er Jahren des 20. Jh. wiederentdeckt und in den 1990er Jahren aufwendig restauriert. Die Motivwahl erinnert an die Aachener Pfalzkapelle, auch das Kölner Stift dürfte Einfluss genommen haben.
In den Jahren 1913-15 erfuhr die Kirche St. Margareta den größten Um- und Erweiterungsbau ihrer Geschichte: Das nördliche Seitenschiff (und leider auch das nördliche Querhaus mit den unentdeckten Malereien) wurde abgerissen, an seine Stelle kam ein neuer Kirchenraum im neugotischen Stil, der neue Bau war doppelt so groß wie die alte romanische Kirche und schuf genügend Platz für Einwohner und Gäste. Auch einige Grabplatten aus der alten Kirche wurden gerettet, so das Bildnis des Ritters von Merscheid gen. Hillesheim der mit seinem Enkel im gleichen Jahr 1624 verstorben war und mit ihm zusammen in der Kirche beerdigt wurde.
Die treibende Kraft hinter dem Kirchenneubau war der Ortspfarrer Monsignore Heinrich Schaaf, der auch durch seine ehrgeizige Bildungsförderung bekannt ist. Er gründete 1899 eine höhere Schule für Jungen vom Lande, die sonst nur schwer Zugang zu höherer Bildung gehabt hätten. Die Zahl der Schüler wuchs rasant. Schon einige Jahre später zog man vom umgebauten „Hippenstall“ des Pfarrhauses in ein neues Gebäude mit Internat um, in dem dann auch die meisten Schüler wohnten. Großzügige Förderer, wie z.B. der Bonner Kaufhausunternehmer Horten, sorgten für eine zeitgemäße Ausstattung.
Anfangs endete die Schulausbildung im Neunkirchener Antonius-Konvikt mit der Mittelstufe (Obertertia), Abhilfe schuf die in Wipperfürth auch von Schaaf gegründete Oberschule gleichen Namens (heute: Hotel am Markt), wo auch die Neunkirchener Schüler Abitur machen konnten. Nach Schaafs Tod 1919 führte besonders Prälat Peter Lewen die Schule durch die schwierigen Jahre der NS-Zeit. 1939 kam dann trotzdem das vorläufige Aus, Lehrerausbildung und Napola zogen ein, nach dem Krieg fand hier ein Kinderheim Zuflucht. 1957 erwachte der Schulbetrieb wieder unter der Verwaltung durch die Salesianer Don Boscos, mit den Jahren wurde der Zutritt auch für Nicht-Katholiken und Mädchen ermöglicht. 2014 wechselte der Schulbetrieb zu den Malteser Werken.
Der Ortskern Neunkirchens wird von vielen schönen Fachwerkhäusern geprägt, z.B. das alte Krankenhaus oder das ehemalige Bürgermeisteramt. Bessere Verkehrsverbindungen in preußischer Zeit und besonders nach Zweiten Weltkrieg schufen zum einen Arbeitsplätze in der Region, viele Neunkirchener arbeiten aber auch als Pendler im Köln-Bonner Raum.
Alle diese Erkenntnisse und noch mehr verdankte die BGV-Besuchergruppe, die am 3. Juli 2026 der Einladung nach Neunkirchen folgte, der fachkundigen Führung durch den Historiker Hartmut Benz, der mit viel Detailwissen die wechselhafte Geschichte der Gemeinde lebendig machte.
Dazu gehört auch eine Episode aus dem Jahr 1849: In den Wirren der Revolution hatte sich auch ein Bonner Student namens Carl Schurz nach Neunkirchen verirrt. Von hier aus wollte er mit Gleichgesinnten nach Siegburg marschieren, um im dortigen Zeughaus Waffen und Ausrüstung zu besorgen, um die im Süden erfolgreicheren Aufständischen zu versorgen. Die Unternehmung scheiterte kläglich. Man zerstreute sich, als das Gerücht von einer Verfolgung durch preußische Dragoner aufkam.
Trotzdem machte Carl Schurz in der Politik Karriere, wenn auch nicht in Deutschland, aus dem er fliehen musste. In den USA lernte er Abraham Lincoln kennen, er wurde Senator, Truppenführer der Union im Bürgerkrieg, US-Botschafter in Spanien und schließlich amerikanischer Innenminister. Seine Frau gründete den ersten Kindergarten in den USA.
Text: Harald Meißner, Fotos: Dr. Anna Eiter-Rothkopf
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- Kirche St. Margareta
- St. Margareta – Rückseite
- Harald Meißner begrüßt den Führer Hartmut Benz
- Neugotisches Kirchenschiff
- Interessierte Zuhörer
- Grabstein Großvater und Enkel „von Merscheid gen. Hillesheim“ (von Hillesheim, Kirchspiel Much)
- Historiker Benz erläutert die Fresken der Apokalyse
- Gotischer Anteil der Kirche
- Engel der Apokalypse
- Gotischer Anteil der Kirche
- Harmut Benz schildert lokalhistorische Anekdoten
- Flucht in den Schatten
- Ältestes Ortskrankenhaus – Stiftung Schmitz 19. Jh.
- Ältestes Gasthaus des Ortes an der Hauptstraße
- Dank des Vereins an den Führer mit Mercatorkarte


















