725 Jahre Bergneustadt – der BGV Oberberg auf den Spuren einer regionalen Stadtkultur

Am 1. August 2026 trafen sich mehr als 30 Mitglieder und Freunde des Bergischen Geschichtsvereins an der Altstadtkirche in Bergneustadt. Der Heimatverein „Feste Neustadt“ hatte im Jubiläumsjahr zu einem Rundgang durch die historische Altstadt eingeladen, erinnert wurde besonders an 725 Jahre Bergneustadt. 1301 ließ Graf Eberhard II. von der Mark auf einem Bergsporn im Dörspetal mit dem Bau einer befestigten Stadt beginnen, die seinen Herrschaftsbereich gegen Übergriffe seiner Nachbarn Berg, Sayn und des kurkölnischen Westfalen schützen sollte. Wie Lüdenscheid wurde es bald mit Stadt- und Marktrechten ausgestattet. Erzförderung, Eisenverarbeitung und ein zunehmender Handel sorgten bis ins 18. Jahrhundert für einen wachsenden Wohlstand der Bevölkerung. Aber auch Rückschläge und Heimsuchungen gehörten zur Bergneustädter Stadtgeschichte: Pestepidemien und Kriegswirren dezimierten die Bevölkerung, verheerende Stadtbrände im 16. und 18. Jh. vernichteten neben vielen Gebäuden auch wichtige Teile der historischen Überlieferung.

Anfänge der Stadtentwicklung am Modell erklärt

Michael Kresin vom Heimatverein zeigte auf dem Kirchplatz zunächst ein Modell der von einem Mauerring und zwei wuchtigen Stadttoren geschützten mittelalterlichen Stadt. Drei Hauptstraßen (Haupt-, Wall- und Burgstraße) und etliche kleine Gässchen prägen auch heute noch das Bild der Altstadt. Wahrzeichen – und weithin sichtbar – ist die am Ende des 17. Jh. gebaute Altstadtkirche mit ihrem sehenswerten Prinzipalstück. Kresin verwies auch auf die erheblichen Instandhaltungskosten, die in der nächsten Zeit für die Erneuerung von Kirchturm und Orgel aufzubringen seien. Der benachbarte Burgbrunnen, vor einem halben Jahrhundert wiederentdeckt und 1970 rekonstruiert, erinnert an die nicht mehr vorhandene märkische Burg, eine zuverlässige Wasserversorgung war in unruhigen Zeiten lebensnotwendig.

Altstadtimpressionen

Der Wiederaufbau nach den Großbränden im 18. Jh. hat die heutige Altstadt mit ihren großzügigen Fachwerk- und Schieferhäusern geschaffen. Zu nennen sind besonders das heutige Heimatmuseum und die Gaststätte Jägerhof als Kultur-Hotspots, das Haus Krawinkel, Keimzelle einer aufblühenden Textilindustrie, das Haus Clarenbach (nach einem Brand 1988 erneuert), das Rathaus und viele mehr. Das heute noch als Pfarrhaus genutzte Pastorat und auch die im späten 19. Jh. aus- und umgebaute repräsentative Villa Krawinkel sind allerdings aus Stein.

Am Losemundbrunnen

Die Heimattradition des Ortes wird aber nicht nur im Museum mit Trauzimmer und einem bunten Vereinsleben gepflegt. Am Losemundbrunnen, der auf den Ort zurückgeht, wo schon immer schmutzige Wäsche gewaschen wurde, wurde bis vor kurzem in Mundart von „Karl und Minchen von der Dörspe“ humorvoll und bissig Aktuelles kommentiert, das die heimischen Gemüter bewegte. Dazu gehörte auch die Friedenseiche am Heimatmuseum, zur Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 gepflanzt, die nach einem Gutachten von unheilbarem Pilzbefall heimgesucht wäre und gefällt werden müsste. Sie steht heute noch.
Auch die NS-Zeit hat in Bergneustadt ihre Spuren hinterlassen: Dieter Rath erwähnte das Schicksal des Pfarrers Heinrich Schmitz, der als Anhänger der Bekennenden Kirche wegen seiner mutigen Predigten und seinem hartnäckigen Widerstand 1937 aus seiner Gemeinde in Bergneustadt vertrieben wurde und schließlich im Konzentrationslager landete. Schwere Bombenangriffe noch in den letzten Kriegswochen sorgten auch in Bergneustadt für zahlreiche Todesopfer.

Eingang zum Eiskeller – einst Bierlagerraum und Luftschutzkeller

Auch der bekannte Eiskeller „am Heinzelmännchen“ wurde als Luftschutzkeller genutzt. Vorher diente er den praktischen Zwecken des Alltagslebens. In einer Zeit ohne Kühlschränke wurden hier Eisblöcke, die man aus zugefrorenen Teichen und Bächen gesägt hatte, bei einer Temperatur vom 6º  Celsius für die Kühlung von Bier und anderen Lebensmitteln in den Sommermonaten gelagert. Die Entstehung des in den Grauwackefels geschlagenen imposanten Kellergewölbes könnte bis in die Gründungszeit der Stadt im 14. Jh. zurückgehen.
Bergneustadt ist ein Musterbeispiel, wie sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem identitätsprägenden Heimatgefühl verbinden und die innere Stabilität einer Region deutlich stärken können. Der BGV Oberberg wünscht dem Heimatverein Bergneustadt auch für Zukunft viel Erfolg bei der Erreichung seiner heimatkundlichen Ziele. Nicht nur der Tourismus, sondern auch zukünftige Generationen werden es ihm danken.

Text: Harald Meißner, Fotos: Dr. Anna Eiter-Rothkopf

https://heimatmuseum-bergneustadt.de/

Klicken Sie auf das erste Bild, und die Bildergalerie öffnet sich mit vergrößerten Abbildungen!