Die Idee, ein regionales Heimatmuseum im Oberbergischen zu gründen, war nicht neu und ging bis in die Kaiserzeit zurück. Der Oberbergische Gebirgsverein wollte nicht nur Wanderwege und Höhlen erschließen, sondern auch die Lebensweise und Kultur vergangener Zeiten sichtbar machen. 1924 entstanden die Kreisgruppen Gummersbach und Waldbröl des Bergischen Geschichtsvereins und setzten den Museumsgedanken 1926 rasch in die Tat um („Wir machen es“). Im April 1926 wurde in der Presse aufgerufen, geeignete Exponate zu stiften. Die Resonanz war riesig, schon im ersten Jahr kamen 1.000 Stücke zusammen.
Mit dem Dorfschullehrer Hermann Conrad hatte der Geschichtsverein auch einen begnadeten Experten gefunden, der ein tragfähiges Konzept entwickeln und umsetzen konnte. Die Menschen der Gegenwart von 1926, die schwere und entbehrungsreiche Jahre nach dem Ersten Weltkrieg durchgemacht hatten, sehnten sich nach Stabilität und Identität. Beides sollte die Rückbesinnung auf bäuerliches und bürgerliches Leben unterstützen.
Geschichtsträchtige Orte als Sitz des neuen Museums standen zur Diskussion. Für Schloss Ehreshoven war eine andere Nutzung vorgesehen, Schloss Homburg machte schließlich das Rennen, eine tausendjährige Ritterburg, zum Barockschloss mutiert, am Ende aber nicht mehr als eine einsturzgefährdete Ruine. Die Besitzer, die Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, planten am Anfang des 20. Jh. zwar einen Wiederaufbau, doch die Kosten wären immens gewesen. Der saynsche Oberförster Franz Appel mit Sitz in Nümbrecht begrüßte deswegen den Museumsgedanken und konnte auch seinen Dienstherrn dafür gewinnen.
Doch der Anfang war schwierig. Nur wenige Räume, wie der Rittersaal und das Turmzimmer, waren nutzbar, die mächtige Holztreppe lag in Trümmern und konnte erst in den 30er Jahren des 20. Jh. ersetzt werden. Geld war knapp und ehrenamtliche Arbeit sehr gefragt. Aber der Erfolg gab den Museumsgründern recht, schon nach dem ersten Jahrzehnt konnte man mehr als 10.000 Besucher pro Jahr begrüßen.
Schwerpunkte der Sammlung waren bäuerliches Leben und Wohnen, Handwerk und Kleingewerbe, Kunst und Kultur, aber auch Vor- und Frühgeschichte und naturgeschichtliche Themen. Schöne Stücke der Waffensammlung und Schlossansichten kamen aus Berleburg.
Die Zeit des Nationalsozialismus brachte neue Herausforderungen, und auch das Museum konnte sich der völkischen Ideologie nicht ganz entziehen. In den 30er Jahren übernahm der Oberbergische Kreis die Zuständigkeit vom Bergischen Geschichtsverein, mit dem Fürstenhaus wurde ein dreißigjähriger Pachtvertrag geschlossen. Der Kreis investierte und schließlich konnten fast zwanzig Räume genutzt werden. 1937 bestanden die oberbergischen Industriellen auf einer Industrieausstellung, die die Errungenschaften der oberbergischen Arbeit zeigen sollte. Nach dem Krieg setzte sich aber die Überzeugung durch, dass für dieses Thema andere Orte besser geeignet sind. 1970 gingen Schloss und Umgebung ganz in öffentlichen Besitz über. Mühle und Bäckerei, aber auch Magazine und Restauration entstanden.
Heute besitzt das Museum ca. 20.000 Exponate – Tendenz steigend -, die in Schloss Homburg und Gummersbach gelagert werden. Das Problem der überladenen Ausstellungsräume kannte man schon sehr früh. Es wurde einerseits 2014 durch den Bau der Neuen Orangerie und des White Cube mit weiteren Räumen für themenbezogene Ausstellungen gelöst, andererseits wird aber auch die Dauerausstellung immer wieder mit Stücken aus dem Magazin bereichert und angepasst.
Die Sonderausstellung zum hundertjährigen Bestehen, die die Kuratorin Dr. Birgit Langhanke der Besuchergruppe des BGV Oberberg am 20. August 2026 zeigte, beinhaltet 100 Exponate aus der gesamten Museumsgeschichte. Kunstvoll gestaltete Möbel und Schnitzereien, erlesenes Spitzer-Porzellan, Gemälde und Photographien, aber auch Gegenstände des Alltags- (Spinnrad, Butterfass, Keramik, Töpfe und Kessel) und Geschäftslebens (Schreibtisch, Rheinmetall-Schreibmaschine, Geschäftsbücher). Ein Beispiel für den oberbergischen Erfindungsreichtum sind die Noss-Skier aus Fiberglas.
Die Führung, die im Rittersaal begann, endete in der Burgküche, die am besten die interessante Baugeschichte des Schlosses offenbart. Immer wieder werden neue Entdeckungen gemacht und zeigen gleichzeitig, dass das Schloss nicht nur Ausstellungsort, sondern auch integraler Bestandteil der Museumskultur ist.
Der Bergische Geschichtsverein wünscht dem Museum Schloss Homburg und seiner Crew auch weiterhin viel Erfolg und Einfühlungsvermögen bei der Präsentation unserer Heimatgeschichte.
Text: Harald Meißner, Fotos: Dr. Anna Eiter-Rothkopf
https://www.schloss-homburg.de/cms200schloss/index.shtml
Klicken Sie auf das erste Bild, und die Bildergalerie öffnet sich mit vergrößerten Abbildungen!
- Schloss Homburg
- Lageplan Schlossgelände
- Sayn’sches Haus
- Playmobil-Ausstellung in der Orangerie
- Kuratorin Frau Dr. Birgit Langhanke begrüßt die BGV-Gruppe zur Führung
- Erläuterungen zur Neuordnung des Museumsinventars
- Modernisiertes Treppenhaus
- Sammlungsstücke der Gründerzeit
- Konzentration von umliegendem Museumsgut auf Homburg
- Interaktives Board – Frage
- Interaktives Board – Antwort
- Allmähliche Erweiterung der Ausstellungsberecihe und deren Themen
- Allmähliche Erweiterung der Ausstellungsbereich und deren Themen
- Das Schloss in künstlerischer Darstellung
- Porzellanmalerei Spitzer Gummersbach-Dieringhausen
- Schauwand mit Alltagsgegenständen
- Kaminschirm mit Schlossdarstellung
- Beschreibung zu Kaminschirm mit Schlossdarstellung
- Gebrauchskunst aus der Kaiserzeit
- Beschreibung zu der Gebrauchskunst aus der Kaiserzeit
- Beispiel aus der Kunstsammlung Friedrich von Bömmches – Pieta
- Militaria-Sammlung
- Kettenhemd und Rüstung
- Schlossküche
- Ausblick auf künftige weitere Renovierungspläne
- Harald Meißner dankt für die kompetente Führung und Einladung
- Geselliger Abschluss der Veranstaltung






























