Sprachgeschichtliche Anmerkungen zum Namen des südbergischen Höhenrückens
Lage des Nutscheid-Höhenzuges und Überlieferungen seines Namens
Nördlich der Sieg erstreckt sich ein Bergrücken zwischen der Siegburger Bucht und dem Wildenburger Land (Quellgebiet der Bigge und des Wisserbaches). Es handelt sich um einen in variskischer Streichrichtung nach ONO verlaufenden Härtlingszug, der östlich der Brölbachmündung bei Hennef (Müschmühle) beginnt, südlich des Bröltals und über die Quelle des Waldbrölbaches hinaus weiter in Richtung Rothaargebirge verläuft. Er wird in seinem westlichen, fast durchgängig bewaldeten Teil bis südlich Waldbröl (Höhe „Auf der Huth“ zwischen Büscherhof und Herfen) Nutscheid genannt. Die Ostgrenze dieses Abschnitts verläuft von der Höhe westlich an Krahwinkel und Seifen vorbei, den Osthang des Westerttales einschließend, zur Sieg hin.1) Überlieferungen seines Namens beziehen sich allerdings bis ins 17. Jh. nur auf den hochgelegenen Abschnitt zwischen Altenherfen und der B256 am alten „Wegweiser“ südlich Waldbröl.2) Im „Übersichts-Handriß der Gemeinde Altenbödingen“ von 1827 (Urkatasterkarte) wird zwar die Flur VIII nördlich Hennef-Driesch „Nottscheid“ genannt; wahrscheinlich ist die Bezeichnung aber erst im 18. Jh. entstanden. Ansonsten taucht der Name in diesen Karten zwischen Müschmühle und Ruppichteroth nicht auf.
Dem Höhenrücken wird oft die Funktion einer Grenze zugesprochen. Er ist zwar keine Landschaftsgrenze, wohl aber eine markante Wasserscheide. Eine territoriale Grenze war allein das Teilstück des Nutscheidkammes zwischen dem Rotscherother Schlag (nördlich Gutmannseichen) und dem „Wegweiser“: Dort verlief für etwa 200 Jahre bis zum Siegburger Vergleich von 1604 die „streitige Grenntze“3) zwischen dem Bergischen Amt Windeck und der Sayn-Wittgensteinschen Herrschaft Homburg (das heißt zwischen den Kirchspielen Dattenfeld und Nümbrecht), deren Fortsetzung durch das obere Westerttal (Spurkenbach gehörte damals noch zum Kirchspiel Dattenfeld) und dann südlich an Schönenbach und Vierbuchen vorbei nach Escherhof führte.4) Selbst Kirchspielgrenzen folgten nicht dem Nutscheidkamm: Große Teile der Kirchspiele Geistingen, Winterscheid, Waldbröl, Morsbach reichen bis heute jeweils über den Bergkamm hinaus.
Wenn wir dieüberlieferten schriftlichen Zeugnisse, d. h. die variantenreichen Schreibungen des Namens Nutscheid heranziehen, um eine ursprüngliche Lautung und Bedeutung zu erschließen, ergeben sich Schwierigkeiten. In den von mir eingesehenen Dokumenten aus dem 14. bis 18. Jh. (u. a. zu Grenzbegehungen im Bereich des Nutscheid) zeigt sich zunächst der bekannt willkürliche Gebrauch der Buchstaben – es gab ja keine verbindliche Rechtschreibung. Zufällige Namenüberlieferungen sind daher keine sichere Basis, um z. B. Ortsnamen zu erklären. In 26 mir vorliegenden Nutscheid-Nennungen seit der uns bisher bekannten Erstnennung (1384 „Noutschyt“) sind 19 verschiedene Schreibungen festzustellen. In den folgenden Beispielen bleiben Deklinationsendungen erhalten. Deren präpositionale Zusammenhänge (z.B. die Begründung der e-Endungen) und der zugehörige Artikel, der seit einigen Jahrzehnten interessante Diskussionen ausgelöst hat, werden später erörtert. Nach der o. g. Erstnennung sind u. a. überliefert 1464 Nutscheit5), 1570 Notscheide6), 1572 Notschied7) 1572/75 Notscheidt8), 1582 Noetscheidt, Nutscheide und Nottscheidt9), 1644 Nothscheid10), 1644/45 Neutscheid11), 1793 Nuttscheid12), 1827 Nottscheid13).
Abb. 2 : Karte des Nutscheid-Höhenrückens (1950)
Die unterschiedlichen Schreibungen seit dem 14. Jh. ergaben sich vor allem, wenn ortsunkundige Protokollanten in ihrer individuellen Lautschrift Namen in einer Form festhielten, die ungefähr den von Einheimischen vorgetragenen Namen-Lautungen entsprach. Unterschiedliche Schreibungen entstanden auch, wenn in Übertragungen und Übersetzungen alter Schriften Abschreibfehler vorlagen (selbst in den von namhaften Forschern verfassten Transkriptionen), die oft ohne Überprüfung in der Heimatliteratur Eingang fanden. Veröffentlicht wurden in der Regel „normalisierte“ Schreibungen, das heißt, von Eigenheiten der Originaltexte befreite, lesbar gemachte, aber der Vorlage nicht immer genau entsprechende „Übersetzungen“. Sie sind nur mit Vorsicht verwendbar und werden daher in heutiger wissenschaftlicher Forschung nicht mehr berücksichtigt.
In der Abfolge der Schreibungen ist eine sprachgeschichtliche Entwicklung kaum zu erkennen. Allenfalls können im zweiten Namenteil -scheid y und ie noch mittelhochdeutsche „Reste“ sein, während sonst durchgängig bereits das neuhochdeutsche ei überliefert ist. Im ersten Teil passen ou, oe und eu aber kaum in eine Entwicklung zur heutigen Lautung und Schreibung. Der häufige Wechsel zwischen kurzem, geschlossenem o und u kann mundartlich bedingt sein; zumindest im oberen Waldbröltal sind die beiden Laute kaum zu unterscheiden (vgl. etwa die dialektale Aussprache der Wörter „komm“, „raus“ , so auch „Nutscheid“). Ansonsten enthalten die überlieferten Schreibungen keinen Hinweis auf die nur geringen Unterschiede der im Nutscheid-Umland verbreiteten Mundarten rheinfränkischer Prägung (untere Sieg und Bröl) inklusive der homburgfränkischen Abweichungen (Waldbröl, Nümbrecht) bzw. auf die moselfränkischen (Windeck, Morsbach) Eigenarten. Sie haben sich im ripuarischen Übergangsgebiet zwischen dem Nieder- und Oberdeutsch-Fränkischen entwickelt. Voneinander abweichende kleinräumige Eigenheiten, die sich zumindest seit dem hohen Mittelalter erhalten haben, entsprechen weitgehend den Kirchspielbereichen.
Etymologische Herkunft und Bedeutung des Namens Nutscheid
Was bedeutet nun das zusammengesetzte Wort Nutscheid? Das Bestimmungswort Nut- kann in einer Form entstanden sein, die zufällig dem heutigen Namen gleicht, ohne dass ein Bedeutungszusammenhang besteht. Wir können davon ausgehen, dass es schon in karolingischer Zeit den Namen gab und Lautveränderungen in den 600 Jahren bis zur Erstnennung möglich waren. Zum Beispiel wäre Naut- > Nôt sprachgeschichtlich richtig (vgl. got. rauþs > nhd. rot). Bedeutete Naut aber auch Not? Sicher besteht kein Zusammenhang zum griechischen Ursprung der heutigen Nautik. Verständlich ist nun, dass es zur etymologischen Herkunft des Wortes Nut unterschiedliche Meinungen gibt. Heimatkundler haben in ihren Erklärungsversuchen mehrere Varianten aufgezeigt. Dazu zählen Herleitungen von Genossenschaft, Nutzen, Nuss, Nase, Hangneigung, Höhe, Kerbe14). Dazu können sowohl alt- und mittelhochdeutsche als auch niederdeutsche Wurzeln angeführt werden (nut, not, nuot, nuz). Eine eindeutige Zuordnung ist aber nicht möglich. Beliebt war vor allem die Meinung, dass Nut der Mundart entsprechend Not bedeutet. Dagegen spricht, dass zwischen Ruppichteroth und Waldbröl zwar die Dialektlautung „n´ot∫ət“15) und auch schon „not∫e:t“ verbreitet ist, dass aber Not (ahd., mhd., mnd. not) wohl immer schon lang und in der Mundart des o. g. Gebietes „nuət“ gesprochen wurde und heute noch wird. Ein Zusammenhang mit dem kurz gesprochenen „not“ ist daher nicht gesichert. Von wissenschaftlicher Seite her legte man sich nicht fest und verwies auf die unterschiedlichen Schreibungen seit der Erstnennung im Mittelalter, die nicht einmal eine eindeutige alte Lautung erkennen lassen, und auf die verschiedenartigen Erklärungsmöglichkeiten (s.o.). Man verwies darauf, dass auch der Landschaftsname einen viel älteren Ursprung haben kann und mit einer nicht mehr erklärbaren Vergangenheit im Dunkel seiner Geschichte verbleibt. Dazu wurden Namen angeführt, die nur ortsgebunden erklärbar sind oder auf zufällige Wortschöpfungen gallokeltisch bzw. romanisch beeinflusster fränkischer Siedler zurückgehen.
Eindeutig erscheint dagegen das Grundwort -scheit. Zumindest unterscheiden sich die seit dem frühen Mittelalter überlieferten Schreibungen nicht wesentlich vom heutigen Wort. Das wahrscheinlich ursprüngliche Schluss-t ist noch im 17. Jh. nachweisbar; im 16. Jh. gibt es aber auch schon dt- und d-Endungen (s.o.). Und doch haben sich immer wieder Schwierigkeiten ergeben, wenn die Deutung des Namens Scheid(t) gefragt war: Die etymologische Erklärung kann sehr leicht in verschiedene Richtungen führen. Und dass daraufhin alle drei Geschlechtswörter für den Landschaftsnamen „in Gebrauch“ kamen, liegt daran, dass die Bedeutung des strittigen Grundwortes für den zugehörigen Artikel allein ausschlaggebend ist. Dazu die uns bekannten vor- und frühmittelalterlichen Quellen: Älteste Überlieferung ist im germanischen Sprachbereich das gotische Etymon „skaidan“ (Bibelüberetzung um 370) in der verständlichen Bedeutung „scheiden, trennen“. Im 9. Jh. ist das althochdeutsche Verb „skeidan“ nachgewiesen. In dieser frühmittelalterlichen Zeit ergab sich schon eine unterschiedliche Schreibung und Bedeutung des Substantivs: 1) Männlich ist ahd. „skeid“ (mhd. „scheit“, „schît“, „schiet“) = der Entscheid; z. B. der „große Kölner Schied“ (1258). 2) Weiblich ist ahd. „skeida“ (mhd. „scheide“) = die Scheide, Trennung (z.B. Wasserscheide). 3) Sächlich ist ahd. „skît“ (mhd. „schît“) = das Scheit, abgetrenntes Holzstück.
Nachweisbare Bedeutungserweiterungen ergaben seit dem Mittelalter aus den unter 1 und 2 angeführten Grundwörtern Substantive wie z.B Schiedsmann, ausgeschiedener Besitz, Scheidung, Unterscheidung, Schwertscheide. Schon im „Frühneuhochdeutschen Wörterbuch“ von Christa Baufeld (1996) gibt es die männliche Form (1) nicht mehr. Aus 3 entwickelte sich u.a. Scheiterhaufen, Holzschlag, Waldteil sowie, allerdings auf denfränkischen Sprachraum im Rheinland beschränkt und somit für uns wichtig, bewaldeter Höhenrücken. Auf diese Bedeutung wurde schon im 11. Jh. hingewiesen; in der Übersetzung einer lateinischen Urkunde heißt es: „Ein gewölbter Erdrücken, den die Bauern scheidt nennen“16). Wichtig ist die Feststellung, dass dieses Wort „scheid“ (früher „scheit“) zumindest im Südoberbergischen und an der mittleren Sieg mit sächlichem Artikel in der Mundart überliefert ist und somit den ursprünglichen Zusammenhang bestätigt. Und dieser Nachweis sollte ernst genommen und verwertet werden. In einer wissenschaftlichen Abhandlung zum Thema „Fränkische Ortsnamen“ (Haubrichs 1998)17) heißt es, dass aufgrund spärlicher Schriftrelikte (vor dem 8. Jh.) und Forschungen „indirekte Sprachquellen, wie der Wortschatz der Nachfolgedialekte … an Wert“ gewinnen. Wir sehen das schon daran, dass in alten Dokumenten oft frühe Mundartformen erkennbar sind, die sich bis heute erhalten haben, während heutige Schreibungen, oft volksetymologisch überformt, den ursprünglichen Namen nicht immer erkennen lassen.18)
Probleme der Artikelzuordnung
In den vorliegenden Dokumenten sind bereits deutliche Unsicherheiten im Gebrauch des Geschlechtswortes festzustellen; vor allem in den von ortsunkundigen amtlichen Protokollanten verfassten Texten. Einer gebrauchte 1582 alle drei Artikel, ohne sich festzulegen.9) Vielleicht ist ihm nur der in der südoberbergischen Mundart verbreitete Artikel „et“ zugetragen worden, der in bestimmten inhaltlichen Zusammenhängen das sächliche „dat“ vertritt.19) Eine Schwierigkeit ergibt sich aber auch dadurch, dass verschiedentlich das Wort „Scheit“ im präpositionalen Zusammenhang mit Dativ- und Genitivformen(„auf dem“, „am“, „des“ usw.) genannt wird und damit sowohl dem männlichen als auch dem sächlichen Geschlecht zugeordnet werden kann. Allein im Bereich der wenigen ausgewählten Nutscheid-Überlieferungen, die oben angeführt sind, wiederholt sich die Präposition „auf“ („uff, vff, vf“) + „dem“ fünfmal, darunter auch „vff dem Notscheide“. Es handelt sich hier also nicht um die weibl. Form Scheide, sondern um die veraltete Dativendung eines männl. oder sächl. Substantivs. Einmal werden „mit dem Nuttscheid“ und „uber das Nottscheidt“ genannt.
Diese Probleme werden auch im Zusammenhang mit der Erstnennung des Bergrücken-Namens deutlich: Mit der Überlieferung „der Noutschyt“ ist von vielen Forschern die früheste und damit besonders wichtige Form verbreitet worden. Daraufhin wurde angenommen, dass in dieser frühen Schreibung noch das ursprünglich männliche Geschlecht überliefert und vielleicht gesichert sei. Aber das ist falsch! Es geht im vorliegenden Dokument um ein Grundstück „tuischen der Noutschyt und Probach“20). Damit hätten wir den Nachweis, dass der weibliche Artikel gebraucht wurde. Aber auch das ist nicht gesichert: Das Originaldokument ist wahrscheinlich verloren gegangen.21) Es existiert nur eine normalisierte Abschrift, die Redinghovensche Transkription von 1661, in der es heißt, dass das Originaldokument unvollständig sei. Es läge dann ein Übertragungsfehler vor, wenn im Original, wie in vielen Urkunden üblich, der Artikel als Kürzel mit nach oben gezogenem Schlussbogen eingetragen wäre und er in der Transkription auf ein „der“ statt auf ein „dem“ bezogen erschiene.22) Es bleiben daher Zweifel an der vorliegenden Erstnennung.
Wenn diese nicht ganz geklärte Artikelzuordnung und die drei „zur Auswahl“ genannten Geschlechter als Belege ausgeklammert werden, taucht in den übrigen zwei Dutzend mir vorliegenden, bis ins 19. Jh. reichenden Originalkopien der weibliche Artikel nicht auf, der männliche einmal. Der sächliche Artikel ist zwar nur viermal vertreten; es sind aber auch die restlichen Nennungen, die im Zusammenhang mit „auf dem“ usw. stehen, möglicherweise nur dieser Form zuzurechnen (s. u.). Es kann zunächst festgestellt werden, dass der Artikel „das“ für viele Waldgebiete auf Bergrücken im Bergischen Land seit dem Mittelalter nachgewiesen ist, so von Engels u.a. in „Alte Siedlungs- und Flurnamen…“23) für „das“ Remscheid und „das“Burscheid. Allein im südlichsten Teil des Oberbergischen Landes (Gemarkungen Waldbröl und Schnörringen) sind 1827 in den Urkatasterkarten (s.o.) von 13 Orts- und Flurnamen mit dem Grundwort Scheid vier ohne einen Nominativ-Singular-Artikel überliefert, aber neun im Dativzusammenhang (im, aufm usw.). Schon in der Mercatorkarte (1575) ist ein ähnlicher Artikelnachweis festzustellen: Neben der Schreibung „Das hoigh oder eidt [richtig: endt] weltgen vff dem Notscheidt“ (dazu siehe L. Wirths S.63 a.a.O. in Anm. 2) finden wir zehn Namen mit dem Grundwort „Sch(e)idt“, davon drei in Verbindung mit „am“ bzw. „im“ und sieben ohne Artikel. Hier und mehrfach in den alten Katasterkarten taucht vor allem „auf dem Friehscheid“ mehrfach auf. Dieses Freischeid (ein Teil des Nutscheid östlich Waldbröl) wurde im 19. Jh. volksetymologisch in „die Freiheit“ umgetauft und übernahm dann auch in der Mundart den weibl. Artikel. Für das Bett(enhagen)er Scheid und das Leuscheid blieb aber das überlieferte sächliche Geschlecht in der Mundart („dat, et“) erhalten.
Sprachgeschichtliche Zusammenhänge zur Geschlechts- und Bedeutungsbestimmung
Wie kam es nun dazu, dass das vom Grundwort „-scheid“ ausgehende Geschlechtswort zum Namen „Nutscheid“ nicht im Zuge der Rechtschreibreformen im 19. Jh. einheitlich „richtig verordnet“ wurde, dass vielmehr vereinzelt bereits in der 2. Hälfte des 19. Jhs. und dann verstärkt seit Beginn des 20. Jhs. der unterschiedliche „Gebrauch“ des Artikels besondere Diskussionen hervorgerufen hat? Lag es daran, dass die unterschiedlichen Geschlechter der Scheidnamen im deutschen Sprachraum noch nicht auf ihre Entstehungs-Eigenart hin untersucht waren? Schien die besondere westdeutsch-fränkische Form „das Scheid“ sich nur als eine der landläufigen Sprachweisen erhalten zu haben? War sie daher nicht erwähnenswert? Es lag wohl auf wissenschaftlicher Basis keine überzeugende Aussage dazu vor, wie in der ersten Hälfte des 20. Jhs. die namhaften und auch weitgehend zugänglichen Standardwerke zur Namenkunde belegen.
In namenkundlichen Arbeiten Ende des 19. Jhs., die sich auf Westdeutschland beziehen24), werden Orts- und Flurnamen mit dem Grundwort „-scheid“ genannt, ohne auf frühere Schreibungen einzugehen. Betont wird aber die besondere Verbreitung dieses „echt fränkischen“ Wortes zwischen Frankreich und dem Rothaargebirge/Vogelsberg. Leithaeuser (siehe Anm. 24 a.a.O. S. 80f) gibt unter dem Stichwort „scheid, schee, m. und n.“ als Bedeutung „jede Art von Scheide oder Grenze, bezogen zunächst auf Bergrücken, Bergwälder …[usw.]“ an. Er stellt dann aber fest, dass „vorwiegend die Bedeutung Wasserscheide“ gemeint ist und zeigt damit, wie oberflächlich damals etymologische Voraussetzungen für eine Erklärung unserer Namen überprüft wurden. In den nahezu 20 dort angegebenen Scheid-Namen taucht die feminine Form nicht auf, nur einmal die maskuline („der grosse Grünscheid“ als Bergwald) und einmal die Neutrum-Form „das Scheid“. Den übrigen Namen kann nicht eindeutig der m. oder n. Artikel zugeordnet werden, weil das Grundwort Scheid im präpositionalen Zusammenhang genannt wird (vom, am, aufm, im Nutscheid). Damit lässt Leithaeuser alle Möglichkeiten offen – damals ohne eine sprachgeschichtliche Überprüfung. Und sein Werk war für die folgenden Jahrzehnte richtungweisend. Engels schreibt 1942 (siehe Anm. 23 a.a.O., S. 114), dass die „Bedeutung des Ausdrucks Scheid umstritten“ sei, setzt aber, vielleicht nicht zufällig, in der Reihe der als möglich in Frage kommenden Erklärungen „Bergrücken“ an erste Stelle. Den sächlichen Artikel nennt er nur im Zusammenhang mit den Ortsnamen Remscheid und Burscheid (s.o.).
In Sprachwörterbüchern aufgeführte Nachweise alter Wortüberlieferungen haben allerdings den Nachteil, dass sie den gesamtdeutschen Sprachraum berücksichtigen müssen (so auch A. Bach in seinen umfangreichen namenkundlichen Werken) und daher stammessprachliche Eigenheiten, die sich unterschiedlich entwickelt haben, nur grob erfassen. Das betrifft auch unsere Scheid/t-Namen, deren Häufigkeit im fränkischen Sprachraum zwar genannt, die besondere Bedeutungsentwicklung im sprachgeschichtlichen Zusammenhang aber nicht untersucht und somit nicht berücksichtigt wird. Bach25) nennt höchste „Dichtigkeitszentren“ in Westdeutschland (Karte S. 382 zeigt die besonders starke Verbreitung der „Siedlungsnamen auf -scheid“ im Nieder- und Oberbergischen Land und westlichen Westerwald). Er diskutiert die verschiedenen Bedeutungen der -scheid-Namen (Grenze, Wasserscheide, Höhenrücken, ausgeschiedener Besitz) aber ohne deutliche Abgrenzungen aufgrund ihrer etymologischer Entwicklungen. Er beruft sich dabei mehrfach auf P. Vogt (1895; s. Anm. 24), obwohl er dessen fragwürdige Aussagen zur Siedlungsgeschichte auch zum Teil erkennt und bestätigt (z.B. S. 384, § 620).
Dittmaier stellt 1956 fest26), dass „scheid“ im Innerbergischen aufgrund der vielen an Berghängen verbreiteten Siedlungsnamen nicht auf eine Grenze verweist, sondern auf „Wasserscheide, Bergrücken. Weil diese Bergriegel meist bewaldet waren, nahm es [er meint damit wohl die weibliche Form] in zweiter Linie die Bed. ‚Wald, Bergwald’ an.“ Er gebraucht nur einmal ein Geschlechtswort in eindeutiger Zuordnung, und zwar die weibliche Form, weil er wohl der Bedeutung Wasserscheide ein größeres Gewicht zumisst (S. 216). In seinem späteren Beitrag „Rheinische Flurnamen“ (1963) nennt er unter dem Stichwort „Scheid“ nicht den männlichen Artikel. Er vermischt aber in seiner Erklärung des Wortes die sächliche mit der weiblichen Form und das auch dann, wenn er die besondere Rolle des Scheid-Namens im rheinischen Raum herausstellt: „Grenze, Scheide, Bergriegel; die letzte Bedeutung dürfte wohl die vorherrschende sein. Mit Scheid werden vielfach die bewaldeten (oder ehemals bewaldeten) Erhöhungen zwischen zwei Tälern bezeichnet. Von hier geht dann die Bedeutungsverschiebung ‚bewaldete Erhöhung’ > ´Wald’ aus. Weniger wahrscheinlich ist die Annahme, daß Scheid das aus der Allmende Ausgeschiedene bedeutet habe. Jedenfalls läßt sich diese Bedeutung im rheinischen Raum nicht fassen.“ Er gibt einen Hinweis auf den „neuen Versuch“, ein keltisches Wort *keitom = Wald, Heide für eine Erklärung heranzuziehen. Solche Versuche, nur konstruierte, das heißt, nicht belegte Wurzelwörter für etymologische Herleitungen anzuführen, werden heute wissenschaftlich allenfalls noch in eindeutigen Zusammenhängen anerkannt.27)
Unbegründete Bedeutungsverknüpfungen
1958 erkennt G. Mürkens (in: „Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen“, S. 48): „In den Scheid-Namen ist -scheid nur selten Scheide = Grenze, sondern fast immer skeit [gemeint ist skît], das in fränkischen Ortsnamen einen Waldteil bedeutet, der aus dem zusammenhängenden Waldbezirk ausgeschieden, abgespalten … wurde.“ Eine Gebietsabgrenzung war der Nutscheidkamm aber nicht (bis auf die o. g. kurze Strecke zwischen dem „Hohen Wäldchen“ und der B256 bis 1604): Die Kirchspiel- und Territorialgrenzen (Herrschaft Homburg, Ämter Blankenberg und Windeck) verliefen anders.4) Der Bereich Nutscheid war auch kein ausgegrenztes Waldgebiet, wohl aber ein bewaldeter Bergrücken und damit auch eine Wasserscheide. Aufgrund dieser Bedeutungs-Überschneidungen kam dann in der Vergangenheit vielfach zu Kombinationen wie „abgetrennter Bergwald auf einem Höhenrücken“. Für einige Heimatforscher ergab sich damit die Möglichkeit, Einzelerklärungen zusammenzufügen, um einer Entscheidung für eine bestimmte Deutung des Grundwortes und damit für einen bestimmten Artikel auszuweichen.
Was hat nun dazu geführt, dass im Laufe des 20. Jhs. die Artikel trotz der nachweisbar unterschiedlichen Wortentwicklungen und Bedeutungen vermischt werden? Ein Wissenswandel hat sich nicht ergeben: Neue Forschungserkenntnisse gibt es nicht. Nach wie vor sind in alt- und mittelhochdeutschen Lexika (Köbler, Lexer) skeida/Scheide weiblich und skît/schît/Scheit in der beschriebenen Bedeutung unmissverständlich sächlich. Seit frühneuhochdeutscher Zeit gibt es die männliche Form nicht mehr (s. o. Baufeld sowie heutige Rechtschreib- und Etymologische Wörterbücher). Die Form „der Nutscheid“ ist eine Erfindung des 20. Jhs., die ohne etymologische Begründung entstanden ist und somit einer sprachgeschichtlichen Basis entbehrt, während „die Nutscheid“ auf einer falschen etymologischen Zuordnung (Scheide) beruht. Es kann also festgehalten werden, dass die weibliche Form bis in die 2. Hälfte des 19. Jhs. nicht auftaucht (s. u.) und damit auch nicht die Bedeutung „Grenze“, „Wasserscheide“. Da es die Form „der Scheid“ seit frühneuhochdeutscher Zeit nicht mehr gibt, kann für die vielen „offenen“ Artikelzuordnungen die ursprünglich überlieferte sächliche Form in der altfränkischen Bedeutung „Bergrücken“ als zutreffend angesehen werden.
Obwohl damit eine eindeutige Klärung vorliegt, zeigen vor allem Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte weiterhin Verunsicherungen, indem man z.B. auf eine noch ausstehende Festlegung verweist oder einer Zuordnung ausweicht, indem man „der Nutscheidrücken“, „am Nutscheidhang“, „im Bereich des Nutscheid-Höhenweges“ schreibt. Es wird aber auch versucht, aufgrund „neu erforschter“ Begründungen das Grundwort zu bestimmen und damit als „geklärt“ festzulegen – weitgehend ohne die vorliegenden unterschiedlichen sprachgeschichtlichen Entwicklungen zu berücksichtigen. Liegt es nur daran, dass man sich nicht die Mühe macht, wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage heranzuziehen? Oder versucht man eine althergebrachte Form zu verdrängen, um Neuem gegenüber offener zu erscheinen? Einwände gegen die freien Entscheidungen der Heimatkundler und Medien gibt es nicht – nach wie vor sagen und schreiben sie nach Belieben „ihre Artikel“. Im folgenden Versuch, an einigen Beispielen Erklärungen für fehlende und unzureichende oder auch gut überlegte und stichhaltige Argumente zur Artikelwahl der Autoren aufzuzeigen, können Aussagen zu außerhalb des derzeitigen Forschungsstandes liegenden Begründungen vielfach nur Mutmaßungen sein.
Die sächlichen Lautungen „dat“ und „et Notschet“ schienen wohl schon vor Ende des 19. Jhs. einigen „fortschrittlichen“ Heimat-Autoren, denen die etymologische Vergangenheit des Namens verständlicherweise kaum bekannt war (s.u.), eine „nur“ mundartliche Form zu sein. Im Zuge eines allgemein verbreiteten „Eingriffs“ des Hochdeutschen in ländliche Sprachtraditionen ist es daher wohl hier und da zu Überlegungen gekommen, dem Höhenzug den „passenden“ Artikel zu geben. Bereits 1863 taucht die weibliche Form auf in dem „Versuch einer statistischen Darstellung des Kreises Waldbröl“, den der damalige Landrat Karl Maurer veröffentlichte. In dem Kapitel „Allgemeine Terrainbildung“ heißt es Seite 18 „die s[o] g[enannte] ‚Nutscheid’“. Vielleicht sollte die sächliche Mundartform, deren ursprüngliche Bedeutung er nicht kannte, durch die Vorstellung der neuen Erklärung „Wasserscheide“ ersetzt werden. Möglicherweise entstand die Schreibung aber auch, weil der „aus Berlin bestellte“28) Landrat noch nicht ortskundig war und nur zufällig die weibliche Form wählte. Das zeigt sich auch Seite 19, wo er in einer Auflistung einiger Bäche im Kreissüden vor deren Namen nach Belieben die Artikel „der“ oder „die“ setzte, ohne Beachtung eines nieder- oder hochdeutschen Zusammenhangs bzw. einer Dialektform.
In der ersten Hälfte des 20. Jhs. wurden dann neben dem sächlichen Artikel in mehreren Veröffentlichungen sowohl der weibliche als auch der männliche Artikel verbreitet, ohne dass eine entsprechende Begründung erfolgte. Die Autoren kümmerten sich weder um ortsbezogene Kenntnisse noch um sprachgeschichtliche Erklärungen. Vielleicht entsprang ihre „Wahl“ lediglich der Auffassung, dass der Bergrücken-Name nur mit einer Wasserscheide zusammenhängen kann, oder der Vorstellung, dass einem mächtigen, lang gestreckten, emporragenden Höhenzug nur der männliche Artikel entsprechen kann. Den sächlichen Artikel gebrauchten fast nur noch ortsansässige Heimatkundler, die ihre Mundarttradition bewahren wollten; eine sprachwissenschaftliche Begründung war nicht zu erwarten.
Erst als nach 1945 in geschichtsbezogenen Fachbereichen verstärkt unsere frühe kulturelle Vergangenheit erforscht wurde, ergaben sich auch genauere Untersuchungen zur sprach- und bedeutungsgeschichtlichen Entwicklung unserer Ortsnamen. Damals war es in den Universitätsfachbereichen Sprachwissenschaft, Altgermanistik, Geographie und Volkskunde zumindest im Rheinland eine selbstverständliche Forschungserkenntnis, dass die im Bergischen Land weit verbreiteten Scheid-Namen sich ursprünglich auf bewaldete Höhenrücken bezogen und daher dort nach wie vor nur in Verbindung mit einem sächlichen Geschlechtswort zu sehen sind. Vor 50 Jahren hätte sich kein wissenschaftlich orientierter sachkundiger rheinischer Namenforscher vorstellen können, dass diese Feststellung einmal nicht mehr beachtet würde. Zum Geographiestudium gehörte Siedlungsgeschichte, unumgänglich verbunden mit der Erklärung (Herkunft und Bedeutung) unserer Ortsnamen auf sprachwissenschaftlicher Basis. Als „Zeitzeuge“ in Bonn habe ich den Forschungsstand der weit bekannten Professoren wie Betz, Moser, Weisgerber, Meisen, Troll, Paffen und deren Vermittlung noch in guter Erinnerung. Allerdings blieb die Verbreitung landschaftsbezogener Fachliteratur vielfach auf den entsprechenden Raum beschränkt; und so ist es heute noch: Ein bayerischer Ortsnamenkundler erfährt wohl schwerlich, was sich hinter dem Hinweis auf die vorwiegend zwischen dem nieder- und moselfränkischen Gebiet überlieferte besondere Bedeutung des Wortes Scheid verbirgt (s.o. Leithaeuser und Bach). Und der bergische Scheid-Forscher weiß wohl kaum, wie sich der bayerische Ortsname Gscheid etymologisch entwickelt hat und dass die schwäbische Stadt Neckarsulm aufgrund der verbindlichen Berücksichtigung ortsbezogener Nachweise Neckar-sulm zu trennen ist.29)
Immerhin war damals die Kulturgeographie Deutschlands und damit Ortsnamenkunde im Zusammenhang mit der Siedlungsgeschichte auch ein Thema im Bereich der „Allgemeinen Erdkunde“ in der gymnasialen Oberstufe (11. Jahrgang). Das änderte sich, als es 1963 in den neuen „Erdkunde-Richtlinien“ hieß, dass fortan „die Allgemeine Geographie kein gesonderter Unterrichtsstoff“ sei und statt Betrachtungen der Vergangenheit verstärkt weltweit verbreitete aktuelle Probleme in vertiefender exemplarischer Arbeit zu behandeln wären.30) Dass es das Grundwort Scheid in einer besonderen Bedeutung gibt, erfährt verständlicherweise seitdem in der Schule kein Abiturient. Die Ortsnamenforschung bewegte sich sehr bald wieder auf dem Stand der frühen Jahrzehnte des 20. Jhs.: Dem Wort „Scheid“ wurden fortan wieder verstärkt unterschiedliche Bedeutungen „untergeschoben“, weil vielfach notwendige Vorkenntnisse fehlten. Dementsprechend setzte man vornehmlich die männliche oder weibliche Artikelform ein.
Unterschiedliche heimatkundliche Perspektiven
Nur wenige Darsteller unserer Heimatgeschichte versuchten ihre Wahl zu erklären. Der Windecker Emil Hundhausen nannte seine Schrift zwar „Unsere Nutscheid“32), weil er im „Heimatschrifttum eine einheitliche Schreibweise“ des Artikels vermisse und „die Not“ und „die Scheid(e)“ für die weibliche Form(!) sprächen. Er wurde aber schon in seinem Nachsatz zum Titel rückfällig, als er das veränderte Heine-Zitat „Denk ich ans Nutscheid in der Nacht …“ einsetzte. Auch in seinem Text gebrauchte er überwiegend den Artikel „das“; die männliche Form zog er nicht in Erwägung. 1984 entschied sich dagegen H. J. Roth im Heft „Nutscheid“1) für den Artikel „der“ mit der Begründung: „Ob man ‚der’ oder ‚die’ sagt, ist nicht eindeutig entschieden. Unter Geographen hat sich ‚der Nutscheid’ durchgesetzt.“ Aber welche Geographen waren es dann, unter denen „der Scheid“ verbreitet sein sollte? Es gab damals genügend sachkundige Geographen, die die Form „der Nutscheid“ als neue Erfindung ansahen. Es waren auch nicht nur Geologen, die eine männliche Form verbreiteten, weil sie (nach A. Schumacher) „den Begriff [das Nutscheid zwischen Waldbröl und Rotscheroth] erweitert“ und „unter ‚der Nutscheid’ den ganzen Höhenrücken zwischen Bröl und Sieg“ verstanden haben wollten.33)
Vielleicht haben sich Hundhausen und Roth an unseren Topographischen Karten ausgerichtet, in denen seit 1960 dem Landschaftsnamen „Nutscheid“ der Artikel „Der“ vorangestellt wurde (Blatt Waldbröl 1:50000; 1962 auch in den Blättern 1:25000 Ruppichteroth und Waldbröl). Viele Heimatkundler haben in ihren Kartierungen diesen amtlichen Hinweis übernommen; z.B. 1986 Osberghaus, der 1951 noch „die Nutscheid“ schrieb.33) Es gibt auch einige Geographen und Geologen, die sich für die männliche Form entschieden haben, z.B. von A. Schlarb (1968)34), H. Grabert (1979 und 1980)35). Häufiger wurde aber die weibliche Form gewählt (!), u.a. von M. Richter (1921 und 1926)36), L. Hoos (1936)37), J. Zepp (1968)38), E. Reiner (1972)39). In einigen Veröffentlichungen ist nicht erkennbar, ob die männliche oder sächliche Form gemeint ist: Z.B. schreiben H. Mann/H. Lucas (1971) S.7040) „des Nutscheid … und des Leuscheid“; H.J. Gramsch (1978) nennt „Nutscheid“ und „Leuscheid“ ohne Artikel bzw. im Genitiv „des Leuscheid“41). So heißt es auch in einem „Kulturlandschaftlichen Führer durch das Siegtal“ (1985; S.3 und 45): „des Nutscheid … und des Leuscheid“ bzw. „des Nutscheids“. R. Weimann (1971) nennt mindestens achtzehnmal die Höhenrücken „Nutscheid“ und „Leuscheid“, aber nur im Genitiv- („des“) und Dativzusammenhang („im“, „vom“).42) Vielleicht ist er einer weiteren Entscheidung ausgewichen? Immerhin haben wir den Hinweis, dass diese Autoren nicht den weiblichen Artikel meinen. Von den mir seit 1959 vorliegenden 34 Zeitungsberichten enthalten dagegen 27 die weibliche und 5 die männliche Form. Zweimal ist nicht feststellbar, ob die männliche oder die sächliche gemeint ist (der grammatische Zusammenhang schließt den weiblichen Artikel aus). Zudem tauchen einige Namenverbindungen wie „Nutscheidraum“, „Nutscheidrücken“ auf.
Andererseits gab es im Bergischen Land aber auch bekannte Heimatforscher, die die hergebrachte sächliche Form verteidigten. 1936 heißt es in A. Schumachers o.g. Beitrag: „Die Einheimischen sagen ‚das Nutscheid’. ‚Scheid’ ist eine alte sächliche Form für das schon im Mittel- und Althochdeutschen weibliche Wort Scheide. Wenn die weibliche Form gebraucht wird, müsste unser Höhenrücken ‚die Nutscheide’ heißen.“43) Hätte er geschrieben, dass die „alte sächliche Form“ (mit einem Schluss-t) in der Bedeutung Bergrücken neben dem weiblichen Wort Scheide existiert, würde seine Formulierung einer damals und bis heute gültigen wissenschaftlichen Erkenntnis entsprechen. Auch für O.-E. Löttgen (1955)44) ist die Form „das Nutscheid“ selbstverständlich. 1972 wurde von dem orts- und sachkundigen Heimatforscher Gottfried Corbach in seiner „Geschichte von Waldbröl“45) die Auffassung ausdrücklich bestätigt, dass nur „das Nutscheid“ richtig ist. Er hat sich vehement dafür ausgesprochen, dass diese Form auch gebraucht wird. In Waldbröl hielt man sich aber lange nicht daran: 1981 und 1987 schrieb der damalige Stadtdirektor „die Wasserscheide der Nutscheid“ und nannte somit indirekt seine Begründung für den weiblichen Artikel.46) Auch auf einer Schautafel am Waldbröler Markt hieß es trotz mancher Hinweise „die Nutscheid“. Viele glauben weiterhin dieser Schreibung.
Vielleicht werden aber auch die vereinzelten Hinweise der letzten Jahre zukünftig wieder berücksichtigt, dass Landschaftsnamen im sprachgeschichtlichen Zusammenhang zu sehen und entsprechend zu erhalten sind. Z.B. ging S. Holland-Moritz 2008 der „zentralen Fragestellung“ nach, „welche Regelmäßigkeiten und Zusammenhänge aber auch Besonderheiten bei der Verteilung der Ortsnamen in Deutschland festzustellen sind“, und betonte die Notwendigkeit, sie „hinsichtlich ihrer sprachlichen Form“ zu untersuchen, weil die „Ortsnamengeographie tief in die Sprachwissenschaft eingebettet“ sei. Er berief sich dabei auf den „linguistischen Forschungszweig … Sprachgeographie oder Areallinguistik“, der „sich mit der Untersuchung sprachlicher Phänomene … in einem bestimmten Gebiet beschäftigt.“47) In einem Zeitungsartikel („Oberbergischen Anzeiger“ vom 14.12.07) wurde der Bladersbacher Heinz Schumacher zitiert, der in einem Treffen der für die Bewirtschaftung des Nutscheid Verantwortlichen „mit einem gerne gehegten Fehler aufräumte: ‚Es heißt das Nutscheid, der und die sind falsch.’“ Diese Aussage veranlasste K. Hamburger (Waldbröl) zu einer Bestandsaufnahme zum Thema „Der Nutscheidkrieg“, die in der „OVZ“ am 10.1.08 mit dem Titel „Nutscheid: Der, die, das?“ veröffentlicht wurde.

Abb.5: Beispiel für eine willkürliche Artikelverwendung in einem Rechercheangebot des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie, Leipzig unter „Nutscheid“ (Geodatenbank)
Im Zusammenhang mit den sich daraufhin ergebenden Hinweisen und Anfragen im Hinblick auf eine Klärung bei den für amtliche Kartierungen zuständigen Behörden erfolgte zunächst (am 27.3.08) eine Mitteilung des „Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie“ in Frankfurt, dass „nur Sprachwissenschaftler vor Ort klären“ könnten, ob eine Änderung der Genusform möglich ist. Danach würde dann der „Ständige Ausschuss für geographische Namen“ (STAGN) entscheiden.48) Es zeigt sich damit, dass seit kurzem eine neue Dimension im Bereich der geographischen Namengebung entstanden ist, weil Standardisierungsstellen auf staatlicher Ebene den Namenbestand und dessen Schreibung festlegen. Nach weiteren Rücksprachen teilte mir am 4.2.10 Herr Oster („Topographisch-Kartographisches Informationssystem der Bezirksregierung Köln“) mit: „Nach Rücksprache mit dem Leiter des Katasteramtes des Oberbergischen Kreises … habe ich entschieden, Ihrem Vorschlag zu folgen und in den topographischen Kartenwerken des Landes Nordrhein-Westfalen künftig den Artikel ‚Der’ vor dem Namen ‚Nutscheid’ zu entfernen. In gleicher Weise wird der Oberbergische Kreis in Bezug auf die Deutsche Grundkarte 1:5.000 verfahren. Damit bleibt in den amtlichen Karten bis auf Weiteres die Frage offen, mit welchem Artikel der geographische Namen ‚Nutscheid’ zu versehen ist.“
Damit wurde eine erfreuliche Vereinbarung getroffen, die über das Südbergische hinaus beachtet werden kann. Mit dem Hinweis auf einen noch abzuschließenden Vorgang zeigt sich aber auch, dass eine Festlegung auf einen Artikel (noch) nicht erfolgt ist. Die vorgesehene Standardisierung geographischer Begriffe ist wohl eine notwendige Maßnahme, vor allem auch im Zusammenhang mit einer globalisierenden Sprachverständigung. Eine solche Normierung geographischer Orts-, Fluss- und Landschaftsnamen kann sich aber nicht durchsetzen, wenn sie sich z. B. bei einer Artikelzuordnung für alle Fluss- und Scheidnamen über die jeweilige sprachgeschichtliche Vergangenheit und territoriale Eigenart hinwegsetzt.
Anmerkungen
1) Hermann Josef Roth verlegt in „Nutscheid – Waldgebiet im Bergischen Land“ („Rheinische Landschaften“, H.25, 1984, S.5) mit der dort angegebenen „Linie Hahnenbach – Niederhausen“ diese Grenze zu weit nach Westen. Mit „Mühlenbach“, den es dort nicht gibt, meint er wohl „Hahnenbachsiefen“, das aber keinesfalls als Ostgrenze anzusehen ist. Dagegen verlegt Bruno P. Kremer in „Der Nutscheid – Streifzüge im mittleren Sieg-Bergland“ („Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises“, 2000, S.58) diese Grenze zu weit nach Osten in das “bemerkenswert enge Gierzhagener Bachtal“, das sich aber bereits von den Quellgebieten an (Hufen, Schnörringen) bis zur Mündung in die Sieg (in Poche) eher bemerkenswert breit erstreckt und daher keineswegs ein typisches „tief eingekerbtes“ Nutscheidtal ist. Vielleicht verwechselt er das Gierzhagener Tal mit dem sehr engen Westerttal an der wirklichen Grenze?
2) Der Waldbröler Lehrer Albert Schumacher schreibt in seinem Beitrag „Auf dem Nutscheid“ („Oberbergisches Heimatbuch“, 51936; S.52): „Die Anwohner gebrauchen den Namen nur für die scharf ausgeprägte Scheide zwischen Waldbröl und Rotscheroth.“ Bezeichnend für die frühere Beschränkung des Namens auf diesen hochgelegenen Abschnitt ist z.B. auch, dass im „Limitenbuch des Amtes Blankenberg“ (1644/45; Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, JB III, 472) unter den sechs dort aufgeführten, nach Orts- oder Flurnamen benannten Landwehren, Höhensperren und Schlagbäumen im Nutscheid nur die östlichste Wehranlage, das heißt die im hier genannten Bereich liegende, den Namen des Bergrückens trägt: „Neutzscheits schlagh“ und „Neutscheitz Schlagbaum“. Es war die Goldbergsperre südöstlich Ruppichteroth, dort, wo die Nutscheidstraße die heute noch gut erhaltene Wall-/Grabenanlage quert. Dazu siehe die Kapitel „Wehranlagen zur Grenz-, Straßen- und Siedlungssicherung“ und „Kulturzeugnisse an der Nutscheidstraße“ (v.a. S.79-81) in L. Wirths, „Die Nutscheidstraße, ein Denkmal mittelalterlicher Verkehrsentwicklung zwischen Sieg und Bröl“, Teil II; in: „Beiträge zur Oberbergischen Geschichte“, Bd. 7, 2000.
3) Zu unserer bekannten Mercatorkarte hieß die Überschrift ursprünglich „Grundtliche Beschreibungh vnd Gelegentheit etlicher streitiger Grenntzen dem Bergischem Ampt Windeck vnd Herschafft Hombergh betreffend. Facta.A0.1575“.
4) Wenn Albert Schumacher schreibt (s.o. Anm.2), dass „bis 1604 das Nutscheid Homburg und Berg schied“; dann meint er diesen östlichen Teil des Nutscheidkammes. Er fährt fort: „Seit dem 1.10.1932 trennt es den Oberbergischen Kreis vom Siegkreis“. Das trifft aber nur für den Bereich des Hohen Wäldchens zu; die Grenze verläuft von dort an südlich des Kammes nach Osten. Dazu ausführliche Erläuterungen von L. Wirths (s.o. Anm.2); siehe dort das Kapitel „Die Nutscheidstraße als Grenze“ sowie von K. Hamburger / L. Wirths „Die Siegburger Verträge von 1604“ (Heft 4 der „Materialien und Quellen zur oberbergischen Regionalgeschichte“, 2004).
5) HSTA Düsseldorf, H U7
6) HSTA D., JBII U117, S.46
7) HSTA D., RKG S36/171 I, S.57R
8) HSTA D., RKG S36/171 II, S.11; so auch Mercatorkarte 1575
9) HSTA D RKG G862/2861, S.109 u. 112
10) Karte Kirchspiel Ruppichteroth (Archiv Stadt Blankenberg, Q1); so auch in der Tranchot-/v.Müffling-Karte 1803-20
11) HSTA D., JB III, 472
12) HSTA D., H U7 (Transkription des in Anm.6 genannten Originals)
13) Übersichts-Handriß Altenbödingen (siehe Seite 1)
14) Dazu siehe u.a. H. J. Roth, S.6 (a.a.O. in Anm.1); E. Hundhausen: „Unsere Nutscheid“, (1976?; S.6f); Friedrich Koch „Unsere Orts- und Flurnamen“ in „Ruppichteroth im Spiegel der Zeit“ Bd.III (1988, S.399). Zu grundsätzlichen „Problemen der ON-Deutung“ siehe z.B. das entsprechende Kapitel in „Hanswilhelm Haefs: Handbuch zur Kunde deutschsprachiger Ortsnamen“; 2006, S.60ff.
15) Die im Text verwendeten Zeichen des „Internationalen Lautschriftsystems“ sind ∫ (stimmloses sch) und ə (dumpfes, unbetontes e). Nur dann, wenn ein : folgt, wird der Vokal lang gesprochen. Dem betont herausgehobenen Vokal geht ein ` voraus. Die in Zitaten eingefügten Passagen […] sind eigene Ergänzungen.
16) Zitiert von Wilhelm Pape (1983) in „Siedlungs- und Heimatgeschichte der Gemeinde Lohmar“, S.87: „Dorsum tumentis terrae, quam rustici vocant scheidt“.
17) W. Haubrichs: „Fränkische Lehnwörter, Ortsnamen und Personennamen im Nordosten der Gallia – Die ‚Germania submersa’ als Quelle der Sprach- und Siedlungsgeschichte“ (S. 102f) in: „Die Franken und die Alemannen bis …“; Hrsg. D. Geuenich
18) Die alte Dialektaussprache z.B. für Gummersbach weist auf eine -bracht-Endung und für Rosbach auf eine -pe-Endung (apa im Zusammenhang mit Wasser) hin; es sind also keine Bach-Namen. In Sieglar hat sich der seit dem 9. Jh. überlieferte Name Lar in der Mundart erhalten, obwohl bereits im 14. Jh. das Bestimmungswort Sieg hinzugefügt wurde.
19) Im Sprachfluss wird häufiger „ət“ gebraucht; „dat“ vor allem aber dann, wenn eine besondere Betonung des Substantivs beabsichtigt wird (z.B. „Paul ging über ‚ət’ Scheid, und zwar über ‚dat’ Scheid, auf dem Bettenhagen liegt, und nicht über ‚ət’ Nutscheid“). Zu beachten sind auch mundartlich regional begrenzte, vom Hochdeutschen abweichende Geschlechtsüberlieferungen: Z.B. die Bach statt der Bach, das Bühl statt der Buckel, Hügel (mhd. der buhil, frühnhd. der pühel, buchel), das Hahn statt der Hagen, die Hufen und die Helten mit alten Flexionsendungen gegenüber das Helzen (< -hain).
20) In meiner ersten heimathistorischen Veröffentlichung („Die Nutscheidstraße …“ s.o., Teil I in „Beiträge zur Oberbergischen Geschichte“ Bd.6, 1997; S.35) zitierte ich ebenfalls die allgemein bekannte Quelle der Erstnennung. In späteren Aufsätzen und Vorträgen habe ich auf diesen Irrtum hingewiesen und auch auf meine nur vorsichtige Aussage zum damaligen Genus-Gebrauch des Landschaftsnamens.
21) Der Aufsatz „Das ´frey. Gericht` zu Happerschoß“ von A. Jux (in „Heimatblätter des Siegkreises“ Nr. 71, 1956, S. 24–26) enthält den Text des Weistums und den Hinweis, dass ihn Redinghoven 1661 „aus einer Pergamentrolle im Archiv zu Blankenberg abgeschrieben“ habe. Das Originaldokument existiert in Blankenberg nicht mehr. Von der Abschrift hat Jux um 1930 in der Münchener Staatsbibliothek (Redinghovensche Handschriftensammlung, Bd. V, S. 249–252) die vorliegende Übertragung angefertigt.
22) Eine Zeit lang galt für normalisierte Übertragungen und Übersetzungen der Hinweis, dass ein nach oben gezogener Sigle-Bogen auf ein ausfallendes r hinweist und eine nach unten führende Schleife auf n oder m. So wird z.B. von P.A. Grun („Schlüssel zu alten und neuen Abkürzungen“) noch 1966 im Kapitel „Die deutschen Abkürzungen“ diese Vorstellung vertreten: 1) „Am Wortende steht das Häkchen für er … in der Gestalt eines … nach oben und links zurückgezogenen Hakens …[und] begegnet uns noch bis Ende des 17. Jahrhunderts, am längsten in der Verbindung mit d (=der)“ (S.44) mit Beispielen in Abb. 34 (u.a. wer, Herr, Schneider). 2) „Für -en wird gern ein vom Endbuchstaben abwärts geführter Bogen oder Haken an den letzten Buchstaben angehängt … Wir treffen ihn noch im 19. Jahrhundert.“ (S.42) Inzwischen hat man erkannt, dass die Schreiber nach eigenem Ermessen die Bedeutung des Schlussbogens festlegten; z.B. wird in der Bergneustädter „Türkensteuerliste“ von 1542/43 die o.g. „Erkenntnis“ widerlegt. Trotzdem wurde noch 1999 in einem insgesamt verdienstvollen Werk (H.W. Eckardt /G. Stüber / Th. Trumpp: „’Thun kund und zu wissen jedermänniglich’; Paläographie – Archivalische Textsorten – Aktenkunde“) wieder ein Übertragungsfehler verbreitet: In einem Textbeispiel aus dem Jahre 1390 heißt es dort S. 70 „…mine ڵ recht ڵ broder…“; die Übertragung lautet aber „minem rechten broder“ mit der Anmerkung „Vorlage: rechter“. Es wurde also der Bogen fälschlicherweise für ein ausfallendes -er angesehen.
23) W. Engels: „Alte Siedlungs- und Flurnamen im Bereich des Stadtkreises Remscheid“; in: „Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins“, Bd. 69, 1942. Dort heißt es S.145 zum Flurnamen Remscheid (1369): „Der Wald, genannt das Remscheid … war ursprünglich eine [Berg]wald-Bezeichnung, die später auf den … [Ort] überging.“ So auch S.114: „Eine Waldbezeichnung an den Hängen des Remscheider Berges.“
24) Zum Beispiel: W. Arnold: „Ansiedelungen und Wanderungen deutscher Stämme, zumeist nach hessischen Ortsnamen“ (1875); Paul Vogt: „Die Ortsnamen auf -scheid und -auel (-ohl). Ein Beitrag zur Geschichte der fränkischen Wanderungen und Siedelungen“ (1895) und Julius Leithaeuser: „Bergische Ortsnamen“ (1901)
25) Adolf Bach: „Deutsche Namenkunde“, Bd.2.2 („Die deutschen Ortsnamen“), 1954; S. 382ff
26) Heinrich Dittmaier: „Siedlungsnamen und Siedlungsgeschichte des Bergischen Landes“; in: „Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins“, Bd. 74, 1956; S. 259
27) Zusammenhänge dieser Art hat Dittmaier zwar als „nicht belegt“ (*) gekennzeichnet; er erfindet aber vielfach – so auch hier – etymologische Herleitungen, für die es keine sprachgeschichtlichen Hinweise gibt. Es ist zu bedenken, dass zwar sporadische Kelten-Niederlassungen nachgewiesen wurden (z.B. unmittelbar rechtsrheinisch als nördlichste nach heutigem Stand die Wallburg bei Alhausen im Nistertal), dass es aber zu Berührungseinflüssen auf die vielleicht 800 Jahre später siedelnden Franken und deren besondere Scheid-Bedeutung kam, ist wohl nicht anzunehmen. Allerdings sind uns fast keine keltischen Sprachrelikte rechtsrheinisch bzw. nordöstlich der Limesgrenze erhalten. Entsprechend benennt z.B. Pfeifer („Etymologisches Wörterbuch“) zwar indoeuropäische Sprachzusammenhänge zum Namen Scheid(t), aber keine keltischen Wurzeln.
28) Otto Budde: „Waldbröl – wie es wurde, was es ist“; 1981; S. 106
29) Der derzeitige Erklärungsstand in „Wikepedia“ ist entsprechend unzureichend. Zum Ortsnamen Hochneukirchen-Gschaidt (Ndr.Österreich) heißt es: „Urkl. 1316 ‚Gscheid’; die erste Nennung deutet auf die Lage an einer Wasserscheide, einer Grenze bzw. an einem Übergang hin.“ Der Name Neckarsulm bezieht sich nicht auf eine distanzierende Unterscheidung zu Ulm an der Donau, sondern auf seine Lage an der Mündung der Sulm in den Neckar.
30) „Richtlinien für den Unterricht in der Höheren Schule – Erdkunde“, 1963; Seiten IX und 1ff
31) Ohne Erscheinungsort und Jahresangabe. Sein Quellenverzeichnis verweist in die Zeit unmittelbar nach 1975
32) A. Schumacher, S.52 (a.a.O. in Anm.4)
33) Oskar Osberghaus: „Die Entwicklung Bergneustadts unter Einwirkung territorialer und wirtschaftlicher Kräfte – Die Vorgeschichte der Bergneustädter Landschaft“ in „Bergneustadt 1301/1951“, 1951; S.25
Ders.: „Das Südbergische in vor- und frühgeschichtlicher Zeit – Kelten als Träger eisenzeitlicher Kolonisation“ in „Beiträge zur Oberbergischen Geschichte“ Bd.1, 1986; Karte S.36
34) Schlarb, Auguste: „Die Mäander im Mittelsiegtal von Roßbach bis Alzenbach“ in „Topographischer Atlas NRW“, 1968; S.166]
35) Grabert, Hellmut: „Erläuterungen der Geologischen Karte NRW zu Blatt Waldbröl“, 1979; S.127
Ders.: „Oberbergisches Land zwischen Wupper und Sieg“ in „Sammlung geologischer Führer“ Bd.68, 1980; S.125
36) Richter, Max: „Unter- und Mitteldevon im Oberbergischen zwischen Agger und Sieg“ in „Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie“, 1921; S.201
Ders.: „Unter- und Mitteldevon im südlichen Oberbergischen“ in „Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft“ Jg. 1926; S.76
37) Hoos, Lotte: „Die Oberflächenformen zwischen Agger und Sieg“ in „Dechenia, 93“, 1936; S.120
38) Zepp, Josef: „Die oberbergische Streusiedellandschaft bei Waldbröl“ in „Topographischer Atlas NRW“, 1968; S.86
39) Reiner, Ernst: „Das Oberbergische Land südlich der Agger“ in „Sammlung geographischer Führer“ Bd.6 (Kölner Bucht und angrenzende Gebiete), 1972; S.308
40) H. Mann/H. Lucas: „Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis“, 1971
41) Gramsch, Heinz-Josef: „Die Entwicklung des Siegtales im jüngsten Tertiär und im Quartär“, 1978; S.55
42) R. Weimann: „Gewässer und Landschaft zwischen Sieg und Agger“ in „Dechania–Beihefte Nr.17“, 1971
43) Siehe in Anm.2 a.a.O. S.52. In der „Waldbröler Zeitung“ wurde in einem Textauszug bereits am 5.11.1932 diese Passage veröffentlicht. In dem ihr folgenden Satz heißt es fälschlicherweise „Beim Wandern in der Nutscheid Einsamkeit können wir …“. Dass es sich nicht um ein vorsätzliches Abweichen von der sonst durchgängig belegten sächlichen Form handelt, zeigt die Druckfehlerkorrektur in der Buchfassung: „… in der Nutscheideinsamkeit können wir …“.
44) O.E. Löttgen: „Die alte ‚Römerstraße’ in „Der Oberbergische Bote – Heimatkalender“ 1955; S.133
45) Gottfried Corbach: „Geschichte von Waldbröl“, 1973
46) Otto Budde: „Waldbröl – wie es wurde, was es ist“,1981, S.92
Ders.: “Das Dorf der Väter und seine drei ältesten Vereine“, 1987, S.12
47) Silvio Holland-Moritz: „Die geographische Verteilung der deutschen Ortsnamen“ 2008; S.4
48) Die Mitteilung enthielt noch folgenden Hinweis: „Herr Prof. Liedtke, der sich im Ständigen Ausschuss für geographische Namen (STAGN) speziell mit Landschaftsnamen beschäftigt, hat mir zum Genus des Wortes Nutscheid Folgendes mitgeteilt: … Es sei aber darauf hingewiesen, dass Sprachen lebendig sind und Wandlungen unterliegen. Es ist also nicht verwunderlich, wenn sich das Genus im Laufe der Zeit verändert. Bei einer Neuauflage der Landschaftnamenkarte werden wir darauf hinweisen, dass es beim Genus mehrere Versionen gibt, etwa so: ‚Nutscheid m, auch n’.“




