Notgeld im Oberbergischen – kunstvolle Reminiszenzen an schlimme Zeiten

Der Bensberger Heimatforscher Max Morsches, der für den 26. März 2026 zu einem Vortrag über oberbergisches Notgeld ins Engel-Museum in Engelskirchen eingeladen hatte, hat in seinem Leben viele Aspekte der bergischen Regionalgeschichte untersucht. Hierzu gehört auch die Auseinandersetzung mit Notgeld, das die deutsche Vergangenheit im 20. Jh. gleich zweimal betroffen hat. In beiden Fällen sorgten die Folgen verlorener Kriege für einen drastischen Währungsverfall und eine Zerrüttung der deutschen Nachkriegswirtschaft.
In der Weimarer Republik vereitelten unerfüllbare Reparationsforderungen die Hoffnung auf eine baldige Besserung. Auch die Reichsregierung hatte kein Interesse an einer Stabilisierung der Währung, wollte man ja zeigen, dass Deutschland gar nicht die Kraft hätte, die ehemaligen Kriegsgegner zu entschädigen. Die Folgen waren zähe Auseinandersetzungen mit der französischen Besatzungsmacht und lähmende innenpolitische Kämpfe.
In der zweiten Jahreshälfte 2023 hatte eine Hyperinflation dafür gesorgt, dass die schon angeschlagene Werthaltigkeit der deutschen Mark stark reduziert worden war. Die Reichsbank druckte Millionen- und Milliardenscheine, konnte aber schließlich die Versorgung des Geldmarktes nicht mehr sicherstellen, das Notgeld trat auf den Plan.
Es war keine Ersatz- oder Gegenwährung, sondern wurde von Städten und Gemeinden oder auch größeren Unternehmen in Abstimmung mit der Notenbank gedruckt. Die Haftung übernahm eine Bank oder Sparkasse, manchmal auch kommunale Kassen. Die Gültigkeitsdauer wurde auf der Note festgelegt und war manchmal nur auf einige Wochen und Monate begrenzt. Oft war dieses Geld als Scheck nur zur Verrechnung vorgesehen, konnte also auch schnell wieder aus dem Verkehr gezogen werden. Für Unternehmen war es ein wichtiges Mittel, Angestellte und auch Lieferanten zu bezahlen.
Es gab verschiedene Arten von Notgeld: Großgeld schon 1914, dann immer wieder vermehrt, je länger der Krieg dauerte, schließlich mit stark steigendem Nennwert 1922/23. Kommunen gaben Seriengeld mit lokalen Motiven (z.B. Rathäusern) heraus, die bald auch von Sammlern entdeckt wurden und so dem allgemeinen Umlauf entzogen wurden. Beliebt war auch das Briefmarkengeld mit gültigen Postwertzeichen.
In der heutigen Gemeinde Engelskirchen war die Geschäftsbücher-Fabrik Gustav Jaeger in Ründeroth an der Herausgabe von Notgeld beteiligt, für eigene Zwecke (Gehaltsschecks) und im Auftrag der Kommunen und anderer Firmen. Sehr schön gestaltete Scheine brachten auch die Firmen Rudolf Helmenstein und Chr. Schmidt in Umlauf, Notgeld gab auch die Fa. Eduard Dörrenberg mit dem Januskopf in Auftrag. Das Textilunternehmen C.A.Baldus in Osberghausen tat sich sogar mit fünf anderen Firmen zusammen. Auch die Gewerkschaft Grube Bliesenbach sah sich „genötigt“, Notgeld für die Entlohnung ihrer Arbeiter herauszugeben und bat die infrage kommenden Geschäfte, dieses anzunehmen.
Mit der Einführung der Rentenmark im November 2023 blieb das Notgeld für eine kurze Übergangszeit in Kraft und sollte dann eingezogen werden. Viele Besitzer hielten sich allerdings nicht daran und behielten die Scheine als Erinnerungsstücke an eine schlechte Zeit voller Not und Entbehrung.
Einen etwas anderen Hintergrund hatte das 1947-er Notgeld. Anders als die Weimarer Republik war das Nachkriegsdeutschland vor der Gründung der Bundesrepublik kein souveräner Staat, sondern unterstand der Verwaltung der vier Siegermächte, die eine Hyperinflation nicht zuließen. Trotzdem war die Reichsmark weitgehend entwertet, Schwarzmärkte und Tauschhandel blühten. Diesmal wurde das Kleingeld wegen seines Metallgehaltes gehortet und sorgte für eine spürbare Verknappung. Da die Geschäfte kaum Wechselgeld in die Hand bekamen, ließen sie Wertmarken von niedrigem Nennwert drucken, um den Geschäftsbetrieb mit ihren Kunden aufrecht erhalten zu können. Diese Coupons wurden oft auch von Geschäften in der Nachbarschaft angenommen. Mit der Einführung der D-Mark verschwand auch dieses Notgeld.
Im Anschluss an seinen anderthalbstündigen Vortrag zeigte Morsches zahlreiche Notgeld-Originale aus seiner Sammlung. Da er sich in seinem jetzigen Vortrag hauptsächlich auf den Raum Engelskirchen und Lindlar bezogen hatte, ist ein weiterer Termin im nächsten Jahr geplant, der andere Städte und Gemeinden des Oberbergischen beleuchten soll.
Text: Harald Meißner Fotos: Dr. Anna Eiter-Rothkopf

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