Aus Anlass des 725-jährigen Stadtjubiläums von Bergneustadt fuhr der BGV Oberberg am 10. Oktober 2026 zum Abschluss des Vereinsjahres auf Tagesexkursion nach Fröndenberg, denn dort liegen der Stadtgründer, Graf Eberhard II. von der Mark und seine Frau Irmgard von Berg in der Stiftskirche in einem wunderbaren Hochgrab bestattet. Selten sind wir auf einer Exkursion so tief in die eigene Geschichte eingetaucht, wie vor dem Grab dieses Ehepaares stehend, das ganzfigürlich, aus Baumberger Sandstein gearbeitet, in der Mode des frühen 14. Jahrhunderts gekleidet, vor uns liegt. Graf Eberhard in Rüstung, mit Schild und Schwert, das märkische Schachbrettmuster auf der Brust, zu seinen Füßen ein Löwe als Zeichen seiner Macht. Gräfin Irmgard im langen Gewand, mit einem Umhang und übergehender Haube mit Brustdiadem. Zu ihren Füßen ein Hund als Zeichen der ehelichen Treue.
Diese Grabtumba gilt als bedeutendstes skulpturales, mittelalterliches Kunstwerk Westfalens. Aber auch die historische Bedeutung Graf Eberhards für Südwestfalen ist beeindruckend. Er gründete nicht nur im Jahre 1301 Bergneustadt, sondern verlieh 1290 auch Unna die Stadtrechte und bestätigte 1278 urkundlich Iserlohn die Stadtrechte. Er kämpfte siegreich 1288 in der Schlacht bei Worringen und war an der Gefangennahme des Kölner Erzbischofs beteiligt. Er erbaute die Burgen Hörde (heute in Dortmund) und Schwarzenberg bei Plettenberg, wurde 1292 Vogt des Stiftes Essen und König Rudolf I. von Habsburg ernannte ihn zum Landeshauptmann in Westfalen. Zudem betrieb er eine ambitionierte Heiratspolitik, indem er eine Tochter an den Grafen von Katzenelnbogen am Mittelrhein verheiratete und seinen Sohn Engelbert mit der Erbgräfin von Arenberg/Eifel. Dieses Paar wurde somit zu den Stammeltern der Herzöge von Arenberg, die heute noch in Belgien leben.
Die Geschichte der Oberberger im alten Kreis Gummersbach ist mit der ganz persönlichen Geschichte des Ehepaares Eberhard und Irmgard verknüpft, also dem alten Amt Neustadt, später Gimborn-Neustadt. Natürlich erklärt man heute, zwischen Ründeroth und Bergneustadt, nördlich der Agger und hinauf bis hinter Marienheide, in voller Überzeugung, im Bergischen Land zu leben. Aber auf diese Überzeugung legt sich doch bei vielen ein leichter Zweifel in Form einer über 500-jährigen märkischen Prägung dieses Landstrichs – und die geht im Kern auf dieses Ehepaar zurück. Zwar geht aus den urkundlichen Erstnennungen vieler Orte in der Mitte Oberbergs von 1174 (von Ründeroth bis Meinerzhagen) hervor, dass die Grafen von Berg die neuen Herren dieses Landes sind, indem sie das Recht übertragen bekommen die Steuern einzutreiben, und sie betreiben auch in den kommenden 100 Jahren ihren Landesausbau. Aber dann 1274 heiratete eben der Hauptprotagonist der BGV-Exkursion, Eberhard II von der Mark seine Frau, Irmgard von Berg. Und zur Finanzierung der Aussteuer verpfändet ihr Bruder, Graf Adolf V. von Berg, das Gebiet um Gummersbach (und zwar das spätere Amt Neustadt, da Neustadt aber erst 1301 gegründet wird, kann man bei dieser Hochzeit natürlich noch nicht davon sprechen) an die Grafen von der Mark – und es wird nie wieder ausgelöst.
Aus diesen tiefen historischen Sphären, reißt einen die kleine Schrecksekunde, dass man fast über ein total vertrocknetes Blumengebinde stolpert, das hinter dem Hochgrab auf dem Boden liegt. Es ist nicht die verwelkte, dankbare Kranzniederlegung aus Anlass 700 Jahre Bergneustadt, es ist der Dank der Bochumer Maischützen an den Sohn Eberhards – Graf Engelbert III. von der Mark, als Dank für das Bochumer Maischützenfest, das auf ein Legat (finanzielle Zuwendung) von ihm zurück geht. Der Sohn Engelbert ist zwar auch in der Stiftskirche Fröndenberg bestattet, in Ermangelung der konkreten Grabstätte wird das Bochumer Gebinde daher regelmäßig beim Vater abgelegt.
Da auch die Stiftskirche eine spannende Geschichte hat, die Gründung geht auf die Grafen von der Mark zurück und das Zisterzienserinnenkloster wandelte sich zum adeligen Damenstift, das bis zur Säkularisation bestand, führte uns der vormalige Fröndenberger Archivar Jochen von Nathusius über zwei Stunden durch die Kirche, ergänzt durch eine Orgelführung mit Konzert durch den Orgelsachverständigen der ev. Landeskirche für die Kirchenkreise Unna, Bochum, Dortmund, Iserlohn, Hamm, Hattingen, Recklinghausen, Soest und Siegen-Wittgenstein, Dr. Hans Christian Tacke.
Nach der Stärkung im Stiftskeller, ging es fußläufig zum Westfälischen Kettenschmiedemuseum. Das relativ junge Museum, das erst 1999 auf dem Gelände einer ehemaligen Papierfabrik eröffnet hat, erinnert an ein Gewerbe, das bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Fröndenberg und im Südsauerland ganz bedeutend war. In einer Mischung aus industrieller Fertigung und Heimarbeit wurden Ketten geschmiedet, u.a. für die Seefahrt. Dieses wurde vom Schmied an einem Schmiedefeuer aus dem Jahr 1910 vorgeführt. Zum Abschluss ging es aus der Produktionshalle zum Kaffeetrinken nach Haus Villigst. Dieses wunderschön am Ufer der Ruhr gelegene, klassizistische Schloss, 1819 unter Ludwig von Elverfeld errichtet, geht aber auf ein Rittergut zurück, das schon 1180 erwähnt ist. Heute ist Haus Villigst an die evangelische Landeskirche Westfalen als Tagungsstätte verpachtet. Leiter des Hauses war von 1949 bis 1961 der spätere WDR-Intendant Klaus von Bismarck. So trat die Exkursionsgruppe reich an Eindrücken und gut gestärkt die rund einstündige Rückfahrt an.
Text: Marus Dräger, Fotos: Dr. Anna Eiter-Rothkopf
Weitere Informationen zum Kettenschmiedemuseum in Fröndenberg:
https://www.kulturzentrum.ruhr/
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- Fröndenberg – Zwei Kirchen vor Ort
- Hauptplatz in Fröndenberg
- Fröndenberg – Stadtwappen mit Hl. Mauritius
- Stiftskeller
- Apsis der Stiftskirche
- Innenraum mit Orgelempore
- Altarraum
- Zuhörerschaft lauscht den Ausführungen des ehemaligen Stadtarchivars
- Jochen von Nathusius – ehem. Archivar der Stadt Fröndenberg
- Marienaltar – eines der bedeutendsten Kunstwerke Westfalens
- Orgelfachmann Dr. Hans Christian Tacke präsentierte Geschichte, Theorie und Praxis der bisherigen Orgeln
- Preußischer Adler über dem Altar – Symbol für Übernahme der Kirche in staatlichen Besitz
- Stadtpatron Mauritius
- Eberhard II. von der Mark im Detail
- Hochgrab des Grafenpaares
- Vorstand in der Grafengruft
- Dank an den Führer und Archivar
- Kettenschmiedemuseum in Fröndenberg
- Schiffsanker mit Kette aus lokaler Produktion
- Spezialketten für verschiedenste Anwendungen – links zum Ausbaggern von Flüssen, rechts Antrieb eines Kirmes-Fahrgeschäftes
- Arbeitsmaschinen zur Kettenproduktion
- Schmiedevorführung mit traditionellem Verfahren
- Der Beginn einer Kette ist geschafft
- Haus Villigst an der Ruhr
- BGV-Besucher vor Haus Villigst
- Schlosspark an der Ruhr – Haus Villigst
- Uralter Baumbestand im Schlosspark





























