Nicht nur auf Annette von Droste-Hülshoff, deren Ballade „Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Cöln“ das Zitat in der Überschrift entnommen ist, hat das gewaltsame Hinscheiden eines der mächtigsten Potentaten der Stauferzeit einen großen Eindruck gemacht. Viele Denkmäler und Kirchen erinnern bis in unsere Zeit an sein nicht unumstrittenes Wirken. Vielen seiner Zeitgenossen war er wegen seiner kompromisslosen Territorialpolitik, die sowohl bergische wie auch kölnische Interessen verfolgte, verhasst. Kaiser Friedrich sah in ihm allerdings eine Stütze seiner Herrschaft im Reich und vertraute ihm Regentschaft und Erziehung des Thronfolgers an.
Dr. Vera Dinslage ist frisch promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bergischen Universität Wuppertal, ihr Promotionsthema befasst sich mit Geschichte der Grafen von Berg im Hochmittelalter. In ihrem Vortrag im L&C-Raum der Halle 32 in Gummersbach am 10.11.2025 führte sie vor zahlreichen Zuhörern in die Vorgeschichte und den Ablauf der Gevelsberger Bluttat ein, eine anspruchsvolle und gut gemeisterte Aufgabe, ist doch das Verständnis der damaligen politischen und gesellschaftlichen Realität nicht leicht fassbar, wie interessierte Nachfragen aus dem Publikum zeigten.
Das Opfer und sein „Mörder“ Friedrich von Isenberg waren Verwandte. Engelbert, als nachgeborener Sohn des Grafen Engelbert I. von Berg für die kirchliche Laufbahn vorgesehen, machte in der rheinischen Kirchenhierarchie auch durch Protektion eines weiteren Verwandten im Amt des Erzbischofs schnell Karriere und wurde 1217 dessen Nachfolger auf dem Kölner Erzstuhl. Damit war er aber nicht nur geistlicher Herr, der in seinem Sprengel viele wichtige Reformen in der Kirchenorganisation anstieß und auch die neuentstandenen Mönchsorden der Franziskaner, Dominikaner und Zisterzienser tatkräftig förderte. Auch die Idee, in Köln einen neuen prächtigen Dom für die Gebeine der Heiligen Drei Könige zu bauen, wurde von ihm unterstützt.
Daneben war Engelbert aber auch Kölner Stadtherr, obwohl er dieses Recht massiv gegen den Widerstand der Bürgerschaft verteidigen musste. Weltliche Herrschaftsbefugnisse leiteten sich auch aus einem Herzogsamt ab, das den Kölner Erzbischöfen 1180 von Friedrich Barbarossa verliehen worden war: Westfalen. Besonders den Ausbau dieser Herrschaft förderte Engelbert mit der Gründung und dem Bau zahlreicher Städte (darunter Wipperfürth) und Burgen.
Mit der Herzogswürde und dem Anspruch auf die Grafschaft Berg nach dem Tod seines älteren Bruders Adolf 1218 trat er in zunehmende Konkurrenz zu anderen Herrschern im Westen. Erbin der Grafschaft war eigentlich Adolfs Tochter Irmgard, die mit Heinrich von Limburg, dem Thronerben des einflussreichen Herzogtums an der Maas, verheiratet war. Mit den Herzögen von Limburg hatte sich Engelbert immer wieder in Auseinandersetzungen befunden, die er nur mit verwandtschaftlicher Hilfe (Geldern) und wechselnden Bündnissen (Brabant, Namur) bestehen konnte. Wenn die Grafschaft Berg nun auch noch an Limburg verlorengegangen wäre, wie das nach Engelberts Tod wirklich geschah, wären die territorialen Entwicklungsmöglichkeiten des Kölner Erzstifts stark eingeschränkt worden.
Für die Festigung und den Ausbau der weltlichen Position des Erzbischofs war aber auch das Verhältnis zum Hochadel in seinem Einflussbereich entscheidend. Macht und Einkommen von Grafen und Herren basierten auf Gütern und Rechten, manchmal sehr zerklüftet und auch umstritten. Besonders lukrative Einnahmen ergaben sich aus den manchmal über lange Zeit ausgeübten Vogteirechten (Schutz von Klöstern vor militärischer Gewalt und Vertretung vor weltlichen Gerichten). Gerade die Vogteirolle des Friedrich von Isenberg zeigt die essentielle Bedeutung dieser Rechte für die Vögte. Gleichzeitig fasste die Auffassung immer mehr Fuß, dass Rechte und Einnahmen erblich seien und die Schaffung von eigenständigen Territorialherrschaften befördern könnten. Diese Einstellung widersprach fundamental den Interessen der Kirche. Die Kurie in Rom verlangte vehement die Entvogtung der Klöster und die Übernahme des Schutzes und der Vertretung durch Ministeriale der Kirche.
Davon waren in Westfalen viele Adelige betroffen, besonders aber Graf Friedrich von Isenberg, Neffe 2. Grades von Erzbischof Engelbert. Das Haus Altena-Isenberg übte u.a. die Vogteirechte über die Reichsabteien Essen und Werden an der Ruhr aus. Der Verlust der Rechte hätte den Ruin der Grafschaft bedeutet und mit der Weitergabe an die Kölner Erzbischöfe deren Macht und Vorherrschaft an Ruhr, Emscher und Lippe wesentlich gestärkt.
Also befand sich das Land schnell in Aufruhr: Erzbischof Engelbert und die regionalen Herren trafen sich im November 1225 zu Verhandlungen in Soest – ohne Erfolg, obwohl Engelbert seinem Neffen eine finanzielle Entschädigung aus seinem Privatvermögen anbot. Die Verhandlungen sollten in Köln fortgeführt werden, was die Position Engelberts nur gestärkt hätte.
Der westfälische Adel sah die Ausweglosigkeit seiner Lage und hatte wahrscheinlich schon vorher einen Plan B: die Entführung des mit nur kleinem Gefolge reisenden Erzbischofs und die Erpressung einer dem Adel genehmen Vereinbarung. Die Gefangennahme im Hohlweg von Gevelsberg scheiterte, die Situation eskalierte, weil der kampferprobte Erzbischof sich heftig wehrte. Friedrich von Isenberg bezahlte als einziger der Rädelsführer für die Tötung und wurde ein Jahr später in Köln hingerichtet.
Engelberts Tod war wohl nicht geplant, trotzdem nützte er nicht wenigen davon Betroffenen: Die Herzöge von Limburg waren jetzt unangefochten Grafen von Berg, die Erzbischöfe von Köln statuierten mit der grausamen Hinrichtung Friedrichs auf dem Rad ein warnendes Exempel, der Papst wird den Tod eines engen Verbündeten der Staufer auch nicht beklagt haben, zumindest verlief die von Köln betriebene Heiligsprechung des Toten im Sande. Die Fürstäbtissin Adelheid von Essen war mit Friedrich von Isenberg einen lästigen Quälgeist losgeworden und konnte ihre eigenen Herrschaftspläne weiterverfolgen. Und auch die Verwandten aus dem Haus Altena-Mark profitierten von ihrer Unterstützung des Erzbistums und gliederten große Teile der Grafschaft Isenberg in ihren Besitz ein.
Verlierer war Graf Friedrich von Isenberg und seine Familie, sie verloren alles. Nur ein kleiner Teil des ehemaligen Besitzes ging nach zähen Auseinandersetzungen und mit massiver Unterstützung von Friedrichs Schwager Heinrich von Limburg und Berg an Friedrichs Sohn Dietrich. Die Grafschaft Limburg (bei Hagen) blieb zwar unbedeutend, überlebte aber ein halbes Jahrtausend und das Erzstift Köln um wenige Jahre.
Text: Harald Meißner, Fotos: Dr. Anna Eiter-Rothkopf
Klicken Sie auf das erste Bild, und die Bildergalerie öffnet sich mit vergrößerten Abbildungen!
- Einführende Worte des Vorsitzenden Marcus Dräger
- Thema des Vortrages von Dr. Vera Dinslage
- Die Historikerin aus Wuppertal grenzt das Territorium des Vortrages ab
- Ein gut gefüllter L&C-Saal in der Halle 32
- Marcus Dräger dankt mit dem BGV-Jubiläumsband
- Engelbert-Standbild vor Schloss Burg
- Altenberger Dom – St. Engelbert-Altar mit Herzreliquie
- Engelbert-Sarkophag im Kölner Dom
- St. Engelbert vom Markt in Wipperfürth
- St. Engelbert-Statue im Turmgarten der gleichnamigen Kirche in Köln-Riehl
- St. Engelbert-Portal Köln-Riehl











